HLA Gernsbach: Schließung wohl doch schon früher

Rastatt/Gernsbach (for) – Die Schließung der Handelslehranstalt (HLA) Gernsbach schreitet nun doch schneller voran, als ursprünglich geplant war.

Schüler der HLA Gernsbach werden voraussichtlich schon zum neuen Schuljahr 2022/2023 auf umliegende Schulen verteilt. Foto: Lukas Gangl

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Schüler der HLA Gernsbach werden voraussichtlich schon zum neuen Schuljahr 2022/2023 auf umliegende Schulen verteilt. Foto: Lukas Gangl

Schon zum Beginn des neuen Schuljahres 2022/2023 sollen die Schüler auf umliegende Berufsschulen in Rastatt, Bühl und Gaggenau aufgeteilt werden. Das gab der kommissarische Schulleiter Bernhard Marzluf am Montag bei einer Pressekonferenz zur Situation der beruflichen Schulen im Landkreis Rastatt bekannt.

Ursprünglich sollte der auslaufende Betrieb der Handelslehranstalt parallel zum Schulbetrieb der Pflegefachschule des Klinikums Mittelbaden, die im vergangenen Herbst in das Gebäude der HLA eingezogen ist, bis zum Jahr 2023 aufrechterhalten werden.

„Zum Teil haben wir es hier aber mit Kleinstklassen mit nur drei bis sechs Schülern zu tun, die im kommenden Jahr noch in Gernsbach unterrichtet werden müssten“, berichtet Marzluf. Das sei auch einer der Hauptgründe gewesen, weshalb sich das Lehrerkollegium letztlich gemeinsam doch für die frühzeitige Aufteilung von Schülern und Lehrern auf die umliegenden Berufsschulen entschieden hätte. Konkret sind laut Marzluf 46 Schülerinnen und Schüler und 15 Lehrkräfte betroffen. Wohin sie verteilt werden, hänge vom jeweiligen Bildungsgang ab.

Der Grünen-Landtagsabgeordnete Thomas Hentschel bedauerte die Schließung der Gernsbacher Handelslehranstalt und betonte zugleich, dass es nun umso wichtiger sei, mit der Carl-Benz-Schule in Gaggenau zumindest eine starke Berufsschule im Murgtal zu halten. Mit dem Angebot der Lernfabrik 4.0 sehe er die Schule auch für den Wandel im Berufsleben, den die Zukunft mit sich bringe, gut gerüstet.

Bildungsangebote müssen sich ändern

Alexander Becker (CDU) ist überzeugt davon, dass sich die Bildungsangebote der beruflichen Schulen im Zuge der voranschreitenden Digitalisierung und der Transformation von Arbeitsprozessen stark ändern müssen. „Und dabei müssen wir die Schulen auch unterstützen.“ Nur so könne man künftig wieder mehr Schüler für eine berufliche Ausbildung gewinnen.

Im Schnitt verzeichneten die Berufsschulen im Landkreis mit Blick auf die Schülerzahlen einen Rückgang von rund zwei Prozent gegenüber dem vorherigen Schuljahr. Damit liege man aber im Landesschnitt, so Burkhard Jung, Leiter der Kreisschulverwaltung.

Jonas Weber (SPD) betonte ebenfalls, dass es sowohl im gewerblichen, kaufmännischen als auch im sozialen Bereich einen Wandel gegeben habe, der sich künftig auch in den Bildungsangeboten widerspiegeln müsse.

Nicht nur an Erstausstattung denken

Genauso wichtig sei in diesem Zuge aber auch der innovative Schulbau, fügte der CDU-Landtagsabgeordnete Tobias Wald hinzu. Wegen steigender Baukosten müsse der Kostenrichtwert, anhand dessen bestimmt wird, wie hoch die Zuschüsse vom Land für Schulsanierungen sind, entsprechend erhöht werden, so Wald.

Die Corona-Pandemie habe die Digitalisierung in den Schulen stark vorangetrieben, blickte Landrat Christian Dusch auf die vergangenen Monate zurück. Gleichzeitig sei aber auch in Zeiten nach Corona wichtig, die Schulen in diesem Bereich zu fördern, betonte Wald: „Mir ist wichtig, dass wir uns nicht nur um die Erstausstattung kümmern, sondern auch um die weitere Technikausstattung, die Administration und den Support.“

Frage der „Bildungsgerechtigkeit“

Thomas Dornblüth, Leiter des allgemeinbildenden Gymnasiums in Durmersheim, fügte in diesem Zusammenhang hinzu: „Mir ist die Ausstattung aller Schüler mit Endgeräten ein großes Anliegen.“ Derzeit kämen im Schulalltag noch immer viele private Geräte zum Einsatz. „Das funktioniert zwar, führt irgendwann aber zur Frage der Bildungsgerechtigkeit“, so Dornblüth.


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