HLA Gernsbach steht vor dem Aus

Gernsbach (stj) – Der Ausschuss für Schulen und Kultur des Rastatter Kreistags hat am Dienstagnachmittag mehrheitlich für die Schließung der Handelslehranstalt (HLA) Gernsbach gestimmt.

Schon vor der Kreistagssitzung am 23. Februar haben sich Schüler für den Erhalt der HLA Gernsbach stark gemacht. Die Entscheidung fällt das Gremium am 18. Mai. Foto: Frank Vetter

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Schon vor der Kreistagssitzung am 23. Februar haben sich Schüler für den Erhalt der HLA Gernsbach stark gemacht. Die Entscheidung fällt das Gremium am 18. Mai. Foto: Frank Vetter

Es sieht nicht gut aus für den Fortbestand der HLA Gernsbach: Mit deutlicher Mehrheit (14 Ja-, sechs Neinstimmen und eine Enthaltung) hat sich der Ausschuss für Schulen und Kultur des Rastatter Kreistags für das Aus der über hundert Jahre alten Bildungseinrichtung ausgesprochen. Die endgültige Entscheidung fällt am 18. Mai, wenn der Kreistag das nächste Mal öffentlich tagt.

Die Chancen, dass dann ein anderes Mehrheitsverhältnis zustande kommt, dürften gering sein. Zwar betonen alle Fraktionen den hohen Stellenwert der Schule für das ganze Murgtal, insgesamt überwiegt aber die Hoffnung, mit einem Aus zumindest die Bildungsgänge im Landkreis halten zu können. Dass diese mittelfristig ganz aus der Angebotspalette der beruflichen Schulen in der Region verschwinden würden, sollte man an der HLA Gernsbach festhalten, machten Abteilungspräsidentin Anja Bauer und Abteilungsdirektorin Katrin Höninger vom Regierungspräsidium Karlsruhe sowie Lysann Jacob, Sachgebietsleiterin Schulverwaltung im Landratsamt Rastatt, in ihren Vorträgen deutlich. „Die Entwicklung ist ein stückweit ernüchternd“, blickte Letztere auf die nackten Zahlen und die vielen Versuche, die man unternommen habe, um den Rückgang der Schülerzahlen zu stoppen.

„An diesen Tatsachen kommen wir einfach nicht vorbei“, betonte Bauer und verwies darauf, dass die Rechtslage in Baden-Württemberg eindeutig sei und für Ausnahmen keine Spielräume lasse: Erreiche ein Bildungsangebot an einer Schule zwei Jahre lang nicht eine vorgegebene Mindestanzahl an Schülern, müsse es von Amts wegen aufgegeben werden. Die „Lex-Gernsbach“, wie sie ihre Kollegin Höninger nannte, habe die vergangenen Jahre dafür gesorgt (unter anderem mit einer „sehr großzügigen Klassenbildung“ und weiteren Unterstützungsmaßnahmen), dass die HLA nicht schon früher aufs Abstellgleis geraten sei.

Schulentwicklungsprozess zeigt keine nachhaltige Wirkung

Der Schulentwicklungsprozess, der in einem interfraktionellen Antrag des Kreistags eingefordert wird, laufe in Gernsbach schon seit gut zehn Jahren. Spätestens jetzt müsse man feststellen, dass dieses Instrument nachhaltig nicht helfe. „Ab jetzt wird die HLA Gernsbach behandelt wie alle anderen Landkreisschulen auch“, machte Höninger deutlich, dass dieser behördliche „Schutzmantel“ die Bildungseinrichtung von nun an nicht mehr kleidet.

Daran konnte auch der emotionale Appell der stellvertretenden Schulleiterin Christine Schwab nichts ändern. Teilweise unter Tränen erklärte sie die Verbundenheit zu ihren Schülern. Sie seien nicht irgendwelche Nummern, sondern junge Menschen, „die bei uns eine Chance haben, die sie sonst vielleicht nicht hätten: Wir bieten Schülern, die es nicht einfach haben, einen Weg“. Um diesen aufzuzeigen, sei es von Vorteil, eine kleine, ja sogar die kleinste berufliche Schule in Baden-Württemberg zu sein: „Das könnte unser Markenzeichen sein“, meinte Schwab und erzählte von einigen Absolventen sehr persönliche Geschichten. Mit ihnen wollte die kommissarische Chefin der HLA verdeutlichen, dass den Wert einer Bildungseinrichtung weit mehr ausmachten als Zahlen und Deputate.

Das unterstrich Loffenaus Bürgermeister Markus Burger (Freie Wähler) mit dem Hinweis, ein Aus der HLA Gernsbach würde sämtliche Bemühungen für eine Stärkung des ländlichen Raums konterkarieren. Barbara Dürr (Grüne) hingegen nannte es „ein Risiko, um jeden Preis an der HLA Gernsbach festzuhalten: Die Bildungsgänge müssen erhalten werden, nicht der Standort.“ Die SPD-Fraktion sprach sich geschlossen für die HLA Gernsbach aus. Für sie skizzierte Horst Fritz (Forbach) die enorme Bedeutung der Schule für das ganze Murgtal – nicht nur für die Schüler, sondern auch für die Unternehmen. Unterstützung kam von Lutz Jäckel (FDP): „Wir brauchen jeden Arbeits- und Ausbildungsplatz – und wir verlieren mit der HLA einen wichtigen Baustein.“ CDU und AfD sprachen sie für den Vorschlag aus, die Schule zu schließen und die Bildungsgänge an andere Landkreisschulen zu verteilen.

Schwerer Schlag fürs Tal: Ein Kommentar von Stephan Juch

Das sich seit Dienstag endgültig manifestierende Aus der HLA Gernsbach ist ein schwerer Schlag für das ganze Murgtal. Da sind die Schüler, die künftig keine standortnahe Berufsschule mehr haben oder für den zweiten Bildungsweg weite Wege in Kauf nehmen müssen. Da sind die Unternehmen, deren Auszubildende in dieser kleinen Schule individueller gefördert werden, als dies in größeren Einrichtung möglich ist. Da sind die Ausbildungsplätze, von denen wahrscheinlich sogar einige in Ermangelung einer Berufsschule vor der Haustür verloren gehen. Da ist der Verlust der „verlängerten Oberstufe“ im Rahmen des Gernsbacher Modells, das schon mit dem Wegzug der Steinbeis Business Academy zu bröckeln begann und nun dem Anspruch, ein Bildungsangebot „von der Krippe bis zur Promotion“ vorzuhalten, längst nicht mehr gerecht wird. „Wir halten den ländlichen Raum stark und attraktiv“, wirbt die Landesregierung auf ihrer Internetpräsenz. Mit der Schließung der HLA konterkariert man jedwede Bemühungen in diese Richtung. Da können die hochrangigen Vertreterinnen der Schulaufsichtsbehörde noch so viele Zahlen runterbeten, letztlich ist es immer eine politische Entscheidung, ob ich den ländlichen Raum stärke oder eben nicht. Will ich Ersteres, muss ich investieren. Das geht auch, in dem ich eine Schule mit Deputaten und Bildungsgängen subventioniere, obwohl die Schülerzahlen geringer sind als in den Ballungszentren. Wie sollte es auch anders sein?


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