HLA als „Leuchtturm“ nicht abschalten

Murgtal (ham) – Die Unternehmen im Murgtal sprechen sich für einen Erhalt der Handelslehranstalt in Gernsbach aus. Sie sei ein wichtiges „Standbein für die Wirtschaft im Murgtal“.

Horst Fritz (rechts) setzt sich für die ortsnahe Ausbildung von jungen Menschen wie Jannis Blinzer (links) ein. Foto: Veronika Gareus-Kugel/BT-Archiv

© vgk

Horst Fritz (rechts) setzt sich für die ortsnahe Ausbildung von jungen Menschen wie Jannis Blinzer (links) ein. Foto: Veronika Gareus-Kugel/BT-Archiv

Die drohende Schließung der Handelslehranstalt (HLA) Gernsbach hat zahlreiche Fürsprecher der Einrichtung auf den Plan gerufen. Zuletzt plädierten 46 Kreisräte des Landkreises Rastatt für den Erhalt der HLA (das berichtete). Die vom BT befragten Unternehmen aus dem Murgtal und aus Rastatt fänden eine Schließung der HLA ebenfalls fatal. Bei einer Umfrage betonten alle die Bedeutung der Schule für das Murgtal.

Aus wäre ein „falsches Signal“

Horst Fritz, Gründer der Horst Fritz Automation GmbH in Forbach: „Unser kaufmännischer Leiter hat in der HLA Gernsbach die Grundlagen für sein Wirtschaftsingenieur-Studium gelegt, auch einige seiner Kollegen haben die Schule besucht. Unser jüngster Fachinformatik-Azubi ist direkt von dort zu uns gekommen. Die bekannte Qualität der Schule ist ein Garant für eine erfolgreiche berufliche Zukunft im Tal.

Über den Lehrstoff hinaus werden durch hoch motivierte Lehrer wichtige Schlüsselqualifikationen vermittelt. In Übungsfirmen werden Kundenkontakt und unternehmerisches Handeln verinnerlicht, in Projekten und Wettbewerben die Teamfähigkeit entwickelt, in Exkursionen und Reisen der Erfahrungshorizont erweitert. Beispiele sind die Teilnahme am Ökologie-Wettbewerb des Umweltministeriums in Berlin oder die am internationalen Leadership-Workshop in New York. Diese Erlebnisse prägen die Schüler nachhaltig und machen sie für die hiesigen Firmen besonders wertvoll. Der Landkreis sollte an einem florierenden Murgtal interessiert sein, nicht nur an einer Zentralisierung der Infrastruktur in der Kreishauptstadt. Die attraktiven Fächer nach Rastatt zu verlagern und dann den Leuchtturm HLA Gernsbach aus rein wirtschaftlichen Erwägungen heraus abzuschalten, wäre ein falsches Signal.“

Lange Wegstrecke für Forbacher

Jana Rahner, Ausbildungsleiterin bei der Glatfelter Gernsbach GmbH: „Als Partnerunternehmen der Handelslehranstalt sind wir eine stets verlässliche Zusammenarbeit und einen regen Austausch mit der Schule gewohnt. Seit über 30 Jahren kooperieren wir erfolgreich mit der HLA, da wir uns immer auf eine gute, offene Kommunikation sowie eine gute schulische Ausbildung verlassen können. Wir sind für den Erhalt des Schulstandortes Gernsbach als kaufmännische Schule: im Sinne des Murgtals und der hier ansässigen Unternehmen.

Kevin Hansen, der als ehemaliger Auszubildender bei Glatfelter seine Abschlüsse an der HLA Gernsbach machte: „Die HLA muss aus vielerlei Gründen erhalten bleiben. In der mittlerweile über 100 Jahre andauernden Geschichte war die HLA für viele umliegenden Unternehmen ein Standbein in Sachen Ausbildung im kaufmännischen Bereich. Nicht nur die durchweg positive Zusammenarbeit zwischen Schule und Betrieb, sondern auch die gute Vorbereitung auf das Berufsleben durch Übungsfirmen zeichnen die HLA aus. Fällt dieses Standbein weg, müssen Schüler aus Forbach künftig die doppelte Wegstrecke (fast eine Stunde) nach Rastatt zurücklegen.“

Engagierte Lehrkräfte an der HLA

Ernst Fischer vom Gernsbacher Sporthaus Fischer: „Vor einigen Jahren wurde bereits der Versuch unternommen, die schulbegleitende Ausbildung im Berufsbild Verkäufer/Einzelhandelskaufmann nach Rastatt zu verlagern. Dieser Versuch scheiterte kläglich. Das Ergebnis war, dass ich für meine Auszubildenden teilweise die schulische Ausbildung organisierte und übernahm. Meine Erfahrungen mit Schülern der HLA Gernsbach sind sehr positiv dank Effizienz der Lehrinhalte, der überschaubaren Klassengrößen und einer sehr engagierten Lehrerschaft, mit der auch dringende Probleme immer sehr schnell zum Wohle unserer Auszubildenden gelöst werden konnten.

Die Fahrzeit von Forbach nach Rastatt beträgt etwa 45 Minuten, dazu käme dann noch ein Umsteigen in den Schulbus, was die reine Fahrzeit weiter verlängert. Als Ausbilder von teilweise 15-, 16-jährigen Kindern empfinden wir diese Fahrzeit als unzumutbar. Die Verlagerung der Berufsschulstätte wäre für manchen Jugendlichen ein Grund, eine Ausbildungsstelle nicht anzutreten. Die Folge davon wäre, dass der stationäre Handel, der sowieso schon Nachwuchsprobleme hat, keine Auszubildenden mehr findet. Es handelt sich bei den angeblich gesparten Kosten um eine Milchmädchen-Rechnung – die Verlagerung der HLA würde die Politik auf Kosten des Wohls und der Gesundheit der Jugendlichen austragen.“

Zuspruch selbst von Rastatter Firma

Patrick Wieland, Personalchef bei Hauraton in Rastatt, der auch schon viele Jahre in der Schulkonferenz der HLA Gernsbach tätig war: „Warum ist eine Schule im Murgtal für ein Rastatter Unternehmen wichtig? Um auch für Azubis aus dem Murgtal ein attraktiver Partner zu sein, ist es wichtig, zumindest die Berufsschule vor Ort zu haben. Das tägliche Pendeln für junge Menschen aus Forbach nach Rastatt ist in der betrieblichen Phase anstrengend genug. Azubis haben in der Regel noch kein Auto und sind auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen.

Weitere Argumente pro Gernsbach sind: Die Schule in Rastatt bietet keinen Blockunterricht. Wir finden es vorteilhaft, die Azubis über eine längere Zeit im Unternehmen zu haben. Wenn der Schüler zwei Tage in der Woche Unterricht hat und drei Tage im Betrieb ist, wird beides regelmäßig unterbrochen. Da in Gernsbach auch das Berufskolleg 1 wie 2 angeboten wird, sind dies für uns die optimalen Bewerber. Wir werben am Schulstandort in den anderen Schulsystemen für uns als Ausbildungspartner, und die jungen Erwachsenen können so an der bekannten Schule direkt ihre Ausbildung weitermachen. Gernsbach bietet eine Kooperation mit der Steinbeis Business Akademie. Immer mehr Azubis wollen später ein Studium angehen. Die Lehrer am Standort sind flexibel, kooperativ und gehen auf die Wünsche der Unternehmen ein: Das ist eine wertvolle Zusammenarbeit!“


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.