HLA sorgt in Ruanda für Aufsehen

Gernsbach (ham) – Mit der Wiederverwertung von alten Skateboards hat es die Handelslehranstalt (HLA) Gernsbach in eine ruandische Zeitung geschafft. „The New Times“ berichtete über das Projekt.

Anna-Lena Jendreck (links) und Saskia Demetz zeigen unter anderem ihre zu Bücherregalen umfunktionierten Skateboards. Foto: Strauß/BT-Archiv

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Anna-Lena Jendreck (links) und Saskia Demetz zeigen unter anderem ihre zu Bücherregalen umfunktionierten Skateboards. Foto: Strauß/BT-Archiv

Um auf einem anderen Kontinent in die Schlagzeilen zu kommen, muss man entweder ein Star sein oder einmal etwas Außergewöhnliches oder Verrücktes leisten. Schülern der Handelslehranstalt Gernsbach gelang dies vor Kurzem in Ruanda. „The New Times“ berichtete über ein Projekt der Murgtäler, das den Jugendlichen schon in Baden-Württemberg eine Auszeichnung einbrachte und den Ostafrikanern eine Spende bescherte. 500 Euro flossen an die Hilfsorganisation „Skate-Aid“, die Kinder aus Ruanda unterstützt. Den Betrag hatten die HLA-Schüler als „Juniorenfirma“ erwirtschaftet. Das Thema Nachhaltigkeit beschäftigt die Lehrkräfte und ihre Schützlinge schon länger. Mit Upcycling wollen die Murgtäler für mehr Nachhaltigkeit sorgen. Vermeintliche Abfallprodukte wurden der Wiederverwertung zugeführt.

Verbindungslehrer Martin Strauß freut sich besonders über die Aktionen, die er sehr erfolgreich angestoßen hatte: „Gemeinsam können wir etwas verbessern“, befindet nicht nur er. Beim diesjährigen „beo“-Wettbewerb für Berufliche Schulen, den die Baden-Württemberg-Stiftung für innovative, umweltgerechte Produkte und Dienstleistungen vergibt, die Berufsschüler entwickeln, wurde auch das Nachhaltigkeitsprojekt aus Gernsbach ausgezeichnet.

Von Januar bis März bauten die HLA-Schüler unter anderem alte Skateboards zu Bücherregalen um. Dafür montierten sie Räder der Bretter ab, brachten Halterungen an, versiegelten die griffige Oberfläche durch Tafellack und ließen sich neue Designs einfallen. Anschließend wurden die coolen Regale verkauft. So kamen 500 Euro zusammen, die an „Skate-Aid International“ gingen (das BT berichtete). Passend zur Wiederverwertung reichte die Hilfsorganisation den Betrag an das S.O.S.-Kinderdorf in Kigali weiter, wo in der Hauptstadt des Landes ein Skaterpark entstand und Skatboard-Workshops den Kindern in ihrer Freizeit Abwechslung versprechen.

Spende für „Skate-Aid“

„Wir begannen das Projekt mit 21 Schülern, am Schluss waren noch 18 davon übrig. Wir hatten zwar anfangs eine Idee, wie das Endprodukt aussehen sollte, aber da keiner von uns Zimmermann oder Designer ist, wussten wir nicht wirklich, wie die Regale letztlich aussehen“, berichtete Anna-Lena Jendreck der englischsprachigen „The New Times“.

Durch Probieren mit Pinsel, Hammer, Nägeln und anderem Werkzeug sei binnen „drei Stunden“ das erste Bücherregal entstanden, erläuterte die Bischweiererin dem Blatt weiter. Diese wurden für 25 Euro an Freunde, Verwandte und andere Interessenten verkauft. 500 Euro, mehr als 500.000 Ruanda-Franc, wie die Zeitung hervorhob, kamen zusammen. „Mit dem Geld kaufen wir ein paar neue Skateboards und senden diese zusammen mit weiterem gespendeten Skate-Material nach Ruanda“, freute sich „Skate-Aid“-Projektleiter Tobias Egelkamp. Weil die Ruanderin Divine Umulisa ihr Land und Burundi beim Programm „Chat der Welten“ an der HLA vertritt, kamen die Schüler aus Gernsbach überhaupt erst auf die Idee, das Skate-Projekt in Kigali zu unterstützen.

Nun soll der Kontakt laut der „New Times“ nicht nur nach Burundi, sondern auch zu den Jugendlichen in Ruanda intensiviert werden. „Das ist auch wichtig. Dann sehen die Schüler, wie ihre Altersgenossen dort leben“, betont Strauß. Glücklicherweise gehe es den Jugendlichen in dem einst verwüsteten Bürgerkriegsland mittlerweile „relativ gut“.

Traum vom Trip nach Ostafrika

Dabei verweist der Pädagoge auch auf dortige ähnliche Projekte. „Aus alten Zementsäcken nähten die Schüler coole Kosmetikbeutel. Eine schöne Idee! So bekamen meine Schützlinge mit, dass sie in Ruanda auch durchaus mal ein Stück weiter sind als wir.“ Die Zeitung sei auch deshalb auf die HLA Gernsbach gestoßen, weil die Autorin Sharon Kantengwa „sah, dass wir nicht nur spenden wollten, sondern uns auch fürs Land interessieren. Die Motivation zu engerem Kontakt ist auf beiden Seiten hoch“, unterstreicht Strauß wie auch Umulisa gegenüber ihrem Heimatblatt.

Die Rotenfelserin Saskia Demetz hat laut der „New Times“ im Internet „ein bisschen recherchiert: Ruanda scheint ein schönes, sicheres Land zu sein“, fand sie heraus und träumt gar von einem „Schul-Trip“ nach Ostafrika. Strauß bestärkt seine Schüler bei der Kooperation und dem gelungenen Upcycling-Projekt: „Wir machen auf jeden Fall weiter!“

Das Brett des Skateboards bekommt einen frischen Anstrich von den Schülerinnen. Foto: Strauß / HLA Gernsbach

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Das Brett des Skateboards bekommt einen frischen Anstrich von den Schülerinnen. Foto: Strauß / HLA Gernsbach


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