Händel-Festspiele ab 2023 breiter angelegt

Karlsruhe (BT) – Die Karlsruher Händel-Festspiele 2022 bringen eine „Hercules“-Premiere und die Wiederaufnahme von „Tolomeo“. Ab 2023 soll der Barockkomponist im Kontext seiner Zeit gezeigt werden.

Die Oper „Tolomeo, Re d’Egitto“ von 2019 – hier mit Jakub Jozef Orliski und Louise Kemeny – wird am Badischen Staatstheater wieder aufgenommen: Die Titelrolle singt Cameron Shahbazi.  Foto: Falk von Traubenberg

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Die Oper „Tolomeo, Re d’Egitto“ von 2019 – hier mit Jakub Jozef Orliski und Louise Kemeny – wird am Badischen Staatstheater wieder aufgenommen: Die Titelrolle singt Cameron Shahbazi. Foto: Falk von Traubenberg

Die Vorfreude bei den Verantwortlichen der Händel-Festspiele 2022, dem neuen Karlsruher Intendanten Ulrich Peters und der Operndirektorin Nicole Braunger, ist groß. Nach einem pandemiebedingen händelfreien Jahr 2021 soll die Erfolgsgeschichte der am Badischen Staatstheater etablierten Festspiele vom 18. Februar bis zum 2. März fortgeschrieben werden.

Ulrich Peters, der die Festspiele zwischen 1997 und 1999 als deren Leiter selbst geprägt hat, erinnerte bei der Programmvorstellung für die kommenden Festspiele nicht nur an die erfolgreiche Arbeit seines Vorgängers Michael Fichtenholz, sondern auch an den Initiator der Händel-Festspiele Günther Könemann. „Händel war zwar nie in Karlsruhe“, sagt Peters, aber der aus der Händelstadt Halle stammende damalige Generalintendant Günter Könemann habe 1978 den Anstoß für das Projekt gegeben. Zugleich erinnerte Peters auch an den 90. Geburtstag von Könemann am 27. Dezember diesen Jahres, der auch in der Fächerstadt musikalisch gefeiert werden soll.

Über 2022 hinaus gab Peters bereits einen Ausblick: In den beiden auf 2022 folgenden Jahren seiner Festspielleitung wolle er gemeinsam mit Nicole Braunger unter der Überschrift „Händel in seiner Zeit“ auch die Zeitgenossen des Barockkomponisten in den Fokus rücken. Wobei Peters meint, dass bei solchem Vergleich deutlich würde, dass Händel „von den ganz Großen der Größte“ gewesen sei. Zumindest von der Gegenwart spricht zudem Operndirektorin Braunger über die Festspiele von einem „Schatz in den Händen“, den es weiter zu pflegen gelte.

Diesen Schatz vergrößern soll die szenische Neuproduktion des Oratoriums „Hercules“ (Premiere 18. Februar) unter der musikalischen Leitung von Lars Ulrik Mortensen, die Regie liegt in den Händen von Floris Visser, sowie die Wiederaufnahme der Erfolgsproduktion von 2020 „Tolomeo, Re d’Egitto“. Wobei Peters, der anmerkt, dass die Händel’schen Oratorien bislang in der Fächerstadt noch nicht ausreichend gewürdigt wurden, „Hercules“ eher als ein „Theaterstück“ denn in der Tradition des christlich geprägten Oratoriums sieht. Eigentlich sei der Titel falsch, denn nicht Herkules stehe im Mittelpunkt, sondern dessen eifersüchtige Ehefrau Denjanira, die letztlich für den Untergang des Helden verantwortlich sei. Ihn begeistere besonders die psychologische Ausleuchtung dieser Figur durch Händel. Peters geht davon aus, dass Floris Visser, der in Karlsruhe schon „Semele“ inszenierte, sich auf diesen Aspekt des „Hercules“ fokussieren werde.

In der Titelrolle wird der Bass Brandon Cedel zu erleben sein, bei der Dejanira dürfen sich die Karlsruher Händelfans auf die hochgelobte Ann Hallenberg freuen.

Stephen Stubbs leitet Händel-Solisten

Nicole Braunger will zwar sparsam mit Superlativen umgehen, für die Umbesetzung der Titelpartie des von Federico Maria Sardelli geleiteten „Tolomeo“ spricht sie bei Cameron Shahbazi aber von einem „Shootingstar der Szene“. Dessen musikalischen Vielfalt, so verrät sie, haben sie durch den Youtube-Kanal des Countertenors sogar dem Rock- und Pop-Genre nahegebracht.

Beim Händel-Galakonzert am 19. Februar wird Attilio Cremonesi am Pult der Badischen Staatskapelle stehen, als Solistin wurde die Mezzosopranistin Anna Bonitatibus verpflichtet. Das Festkonzert der Deutschen Händel-Solisten wird am 24. Februar von dem international renommierten Dirigenten Stephen Stubbs geleitet, der neben Werken von Händel auch solche von Corelli, Vivaldi und Purcell aufführen will.

Die eng mit der Händel-Festspielen verbundene Händel-Akademie folgt nach den Worten ihres Leiters Thomas Seedorf einer neuen Konzeption: Die Kurse für Instrumentalisten und Sänger finden nur noch alle zwei Jahre statt, in den kursfreien Zeit werde es Symposien zu Themen der jeweiligen Festspiele geben. 2022 werde man sich zudem auf ein einziges Werk Händels konzentrieren, dessen frühes Oratorium „Il Trionfo del Tempo e del Disinganno“, das 1707 in Rom entstand. Das Ergebnis der Akademie-Arbeit mit dem Händel-Nachwuchs soll dann in zwei Aufführungen bei den Festspielen präsentiert werden.

Ihr Autor

Thomas Weiss

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Erstellt:
4. November 2021, 11:00 Uhr
Lesedauer:
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