Haftstrafe nach Vergewaltigung im Kurhaus Baden-Baden

Baden-Baden (up) – Ein Kellner des Kurhausrestaurants muss wegen Vergewaltigung zwei Jahre und sechs Monate ins Gefängnis. Das Gericht sieht den Übergriff als erwiesen an.

Urteilsspruch: Für das Amtsgericht Baden-Baden haben die Aussagen des weiblichen Gastes ein schlüssiges Bild ergeben.  Foto: Peter Steffen/dpa

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Urteilsspruch: Für das Amtsgericht Baden-Baden haben die Aussagen des weiblichen Gastes ein schlüssiges Bild ergeben. Foto: Peter Steffen/dpa

„Wir sind davon überzeugt, dass sich das Geschehen, wie in der Anklage dargestellt, ereignet hat“, erklärte Richter David Metz am Schöffengericht des Amtsgerichtes in seiner Urteilsbegründung. Demnach hat der Mann im Januar 2019 an einer Frau im Raum „Kulisse“ des Kurhauses „gegen deren erkennbaren Willen“ sexuelle Handlungen vorgenommen. In seiner Strafzumessung blieb das Gericht unter der Forderung von Staatsanwaltschaft und Nebenklägerin, die für eine Freiheitsstrafe von drei Jahren beziehungsweise zwei Jahren und acht Monaten plädiert hatten. Der Angeklagte hatte sich an den vier Verhandlungstagen nicht persönlich geäußert, seinen Anwalt aber eine Erklärung verlesen lassen. „Der Schilderung, nach der es zwischen dem Mann und dem weiblichen Gast zu einvernehmlichem Sex gekommen ist, konnten wir nicht folgen“, so Richter Metz. So seien unter anderem die Einlassungen eines Kollegen widersprüchlich gewesen, die den Angeklagten zunächst zu entlasten schienen. Der Zeuge hatte berichtet, der Angeklagte und die Frau hätten sich mehrfach umarmt und geküsst. Das Geschehene habe er jedoch nicht durchgängig schildern können, argumentierte das Gericht.

Opfer erst Tage später zur Polizei gegangen

Im Gegensatz dazu ergäben die Angaben der Geschädigten mit denen ihrer Freundin und denen des medizinischen Gutachters ein schlüssiges Bild. Demnach habe die Frau als juristischer Laie genau wie ihre Freundin zunächst Tage gezögert, zur Polizei zu gehen, weil sie sich nicht sicher war, ob der Straftatbestand einer Vergewaltigung überhaupt vorliege. „Die Klägerin zeigte in ihrer Aussage keinerlei anderen Belastungsmotive“, so Metz, daher sei ihre Behauptung, eine weitere Tat verhindern zu wollen, glaubhaft. Genau wie ihre Angaben zum Tathergang, bei dem sie sich an entscheidende Details erinnern konnte, andererseits jedoch aufgrund ihrer erheblichen Alkoholisierung auch Ausfallerscheinungen und Erinnerungslücken einräumte. So konnte sie genau beschreiben, wie der Angeklagte sie zu sich hinzog und ihr später den Slip herunterziehen wollte. „Nein, was machst Du da?“, habe sie in diesem Moment zu ihm gesagt und ihren Slip festzuhalten versucht, erfolglos. Nach der Tat war die Frau nach Ansicht des Gerichtes zwar schockiert, aber psychisch stabil gewesen. Wie der Gutachter schloss auch sie aus, dass der Angeklagte K.o.-Tropfen verwendet hatte. Der Beschuldigte habe vielmehr den „erheblichen Alkoholisierungsgrad“ seines Opfers erkannt und ausgenutzt, so Metz. In seiner Strafzumessung blieb das Gericht im unteren Bereich der vom Gesetzgeber vorgesehenen Freiheitsstrafe, die zwischen zwei und 15 Jahren betragen kann. Ob der Rechtsanwalt des Angeklagten Rechtsmittel einlegen wird, war bisher noch nicht klar.

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Erstellt:
27. Juli 2021, 11:00 Uhr
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