Hagenäcker-Bewohner fordern Lösung

Ötigheim (as) – Der Verkehr brummt in der Schwarzwaldstraße – zum Leidwesen der Anwohner. 13 Familien fordern von der Gemeinde eine schnelle Lösung. Ihre Idee: Die Verbindung nach Bietigheim kappen.

Reger Verkehr herrscht in der Ötigheimer Schwarzwaldstraße. Bisherige Gegenmaßnahmen haben laut Anwohnern kaum Verbesserung gebracht. Foto: Frank Vetter/Archiv

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Reger Verkehr herrscht in der Ötigheimer Schwarzwaldstraße. Bisherige Gegenmaßnahmen haben laut Anwohnern kaum Verbesserung gebracht. Foto: Frank Vetter/Archiv

Beim Ortstermin vor seinem Haus in der Ötigheimer Schwarzwaldstraße muss Serkan Bolatoglu mehr als einmal die Stimme erheben, um gegen den Lärm der vorbeifahrenden Autos und Lkw anzukommen. Das unterstreicht eindrucksvoll das Anliegen des 47-Jährigen: Die nur 4,80 Meter breite, gepflasterte Straße durchs Neubaugebiet Hagenäcker, die eher wie eine verkehrsberuhigte Zone anmutet, hat sich als Hauptverkehrsader zwischen Bietigheim und Ötigheim etabliert – und das kann nicht so bleiben, fordert der Neu-Ötigheimer im Namen von 13 Anwohnerfamilien.

Verkehr nimmt seit Aldi-Eröffnung zu

Das Thema ist nicht neu. Aber Maßnahmen der Gemeinde wie das Aufstellen von Warnbaken, damit nicht über die Gehwege gefahren wird, oder das großflächige Aufmalen von Tempo 30 auf der Straße hätten wenig Verbesserungen gebracht, stellt Bolatoglu fest. Im Gegenteil: Seit im Juni Aldi in Ötigheim eröffnet habe, nehme der Verkehr zu.

Die negativen Auswirkungen bekommen die 13 Familien im Neubaugebiet täglich zu spüren: Die Sicherheit vor allem der Kinder werde durch das Verkehrsaufkommen, Raser und Lkw beeinträchtigt. „Meine Nachbarin hat gestern zwei Minuten gebraucht, bis sie mit ihren Kindern die Straße queren konnte“, erzählt Bolatoglu. Auch die Warnbaken seien nur bedingt hilfreich, mit Kinderwagen komme man dadurch auf dem nur 1,50 Meter breiten Gehweg kaum noch durch.

Nach dem Vor-Ort-Termin im Frühjahr mit Bürgermeister, Verkehrsplaner Frank Gericke und dem Straßenverkehrsamt des Landkreises (das BT berichtete) haben die Anwohner eine Weile auf der Straße geparkt, um den Verkehr zu verlangsamen. Ungewollte Nebeneffekte: Die Kinder, die sich zwischen den Autos durchschlängelten, um die Straße zu queren, wurden übersehen und viele Autofahrer „bedankten“ sich mit Huperei und Beschimpfungen, weil der Verkehr stellenweise nur noch einspurig fließen konnte.

Lebensqualität stark beeinträchtigt

Zudem beeinträchtige der Verkehrslärm auf Dauer Gesundheit und Lebensqualität, monieren die Anwohner. „Wenn man bei uns auf der Terrasse sitzt, denkt man, wir leben an der Autobahn“, schildert Bolatoglu sein „Sommer-Erlebnis“. Die Familie denkt deshalb sogar über Schallschutzmaßnahmen rund um den Garten nach. Zudem „können wir nachts die Fenster nicht geöffnet lassen“, klagt der 47-Jährige. In seiner Verzweiflung hat er auch an die Bürgerreferentin des Stuttgarter Verkehrsministeriums geschrieben. Die verweist aber auf die Zuständigkeit der Kommune.

Bürgermeister Frank Kiefer sieht durchaus Handlungsbedarf, man sei mit den Anwohnern im Gespräch, sagt er auf BT-Anfrage. Er hat bereits angekündigt, dass 2022 eine Verkehrsbefragung und -zählung in ein mit dem Planungsbüro Gericke zu entwickelndes Gesamtverkehrskonzept für Ötigheim einfließen sollen. Denn es gibt mehrere neuralgische Punkte im Ort.

Auch der Gemeinderat habe sich mittlerweile mit dem Thema Schwarzwaldstraße befasst. Das Ergebnis soll mit den Anwohnern bei einem Termin kommenden Montag besprochen werden, zu dem gestern eingeladen worden sei, so Kiefer. Vorab will er über das Ergebnis keine Auskunft geben.

Die Anwohner im Hagenäcker wünschen sich schnelle Lösungen. So fordern sie, die Verbindungsbrücke nach Bietigheim zu sperren und diese für den Radverkehr umzufunktionieren. „Das wäre moderne Verkehrspolitik“, findet Bolatoglu.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Anja Groß

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Erstellt:
17. November 2021, 10:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 31sec

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