Hahnbachtal: Pacht endet im Streit

Gernsbach (vgk) – Die Familie von Helmut Möhrmann bewirtschaftet und pflegt seit 60 Jahren rund 3,2 Hektar Wiesenfläche im Hahnbachtal, jetzt kam für einige Grundstücke die Kündigung von der Stadt.

Helmut Möhrmann mit seinen beiden Herdenbuchtieren Grete und Elli. Foto: Veronika Gareus-Kugel

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Helmut Möhrmann mit seinen beiden Herdenbuchtieren Grete und Elli. Foto: Veronika Gareus-Kugel

Die Familie von Helmut Möhrmann bewirtschaftet und pflegt seit 60 Jahren rund 3,2 Hektar (ha) Wiesenfläche im Hahnbachtal zwischen Gernsbach und Staufenberg. Damit soll aber zum Jahresende Schluss sein. Im vergangenen Jahr kündigte die Stadt schon zum Ende 2019 das Pachtverhältnis mit dem gebürtigen Staufenberger. Die rund 2,2 ha großen städtischen Flächen sollen dem kommunalen Stall zugeschlagen werden. Möhrmanns Widersprüche dagegen blieben bislang ohne Erfolg.

„Bürgermeister Julian Christ hat im Beisein meines Bruders Klaus mir am 1. August 2019 mitgeteilt, dass es einen Gemeinderatsbeschluss bezüglich des Zuschlags der von mir bewirtschaften 2,2 ha städtischen Flächen gibt“, legte der 65-Jährige im BT-Gespräch dar. Der betroffene Pächter erläuterte in diesem Zusammenhang weiter, dass seine Recherchen jedoch keinen Hinweis auf einen diesbezüglichen Gemeinderatsbeschluss ergeben haben. Auch Gemeinderatsmitglieder führten dem BT gegenüber aus, dass bis zur Anfrage Möhrmanns im Gemeinderat von diesem Sachverhalt nichts bekannt gewesen sei. Die Stadt beruft sich in ihrer Argumentation hingegen auf einen Gemeinderatsbeschluss im Zusammenhang mit dem Bau des kommunalen Stalls in Staufenberg, der im September 2015 eingeweiht wurde.

Die Stadt bestätigt, „dass schon mit dem Vater von Herrn Möhrmann ein Pachtverhältnis über die Pachtfläche bestand, die sich unterhalb des Wohnhauses Möhrmann in der Staufenberger Straße befindet und sich teilweise bis zum Hahnbachweg ausdehnt. Familie Möhrmann pflegte die Fläche durch die Beweidung mit Schafen und teilweise durch Heugewinnung. Die Stadt würdigt das langjährige Engagement der Familie Möhrmann. Im Zuge der Umsetzung des im Gemeinderat beschlossenen Beweidungskonzepts nebst Stallneubau wird nun die in Rede stehende Pachtfläche zur Sicherung der Futtergrundlage für den Tierbestand im städtischen Stall im Hahnbachtal benötigt. Dies wurde Herrn Möhrmann unter Hinweis auf die bevorstehende Kündigung mitgeteilt. Diese wurde zum Ende des vergangenen Jahres ausgesprochen. Die Flächen wurden von Herrn Möhrmann bisher noch nicht zurückgegeben.“ Die Areale, um die es geht, wurden von der Kommune vor Jahrzehnten aufgekauft, um einer damals geplanten Umgehungsstraße Raum zu geben.

Stadt verweigert persönliches Gespräch

Der Nebenerwerbslandwirt steckt nun in einem Dilemma. Die bisher vorhandene Flächengröße war ausreichend, um die beiden zweijährigen Hinterwälder und trächtigen Zuchtkühe Greta und Elli mit Futter zu versorgen. Dem bisherigen Pächter wäre es ohne die Flächen nicht mehr möglich, von seinem Privatgrundstück aus nach unten zu fahren. Die hinter seinem Elternhaus gelegene 20 Ar große Garten- und Ackerfläche wird seit jeher zum Futtermittelanbau genutzt. Gleichfalls würde die übrig gebliebene Wiesenfläche zusätzlich durch zwei innen liegende städtische Grundstücke geteilt. Zudem bezeichnete Möhrmann den Vorschlag der Stadtverwaltung, seine verbliebenen Pachtflächen vom Weidenhof herkommend anzufahren, als nicht realisierbar. „Ich müsste über 19 private Grundstücke und Biotope sowie quer zum Hang fahren“, erklärt Möhrmann. Dieser versteht sich zugleich als Landschaftspfleger. Durch das über Jahrzehnte hinweg regelmäßige Beweiden und Mähen der Wiesen seien wertvolle Wiesenflächen entstanden. Außerdem kümmert er sich um 180 Apfelbäume – ein ökologisch wertvoller Streuobstbestand. Tochter Carolin und Enkelsohn Elia begleiten, wenn Zeit bleibt, den Vater und Großvater bei der Arbeit.

Sofort nach der Kündigung im August vergangenen Jahres versuchte der Hobbylandwirt mit den verantwortlichen Stellen im Rathaus in einen Dialog einzutreten. „Die Stadt hat mir jedoch nie einen Gesprächstermin angeboten. Die Initiative ging immer von mir aus“, versichert Möhrmann. Zu späteren Zeitpunkten erfolgte die Kommunikation nur noch in Briefform.

Die städtische Pressestelle teilte dazu mit: „Die geführten Gespräche schlossen jedoch mit dem Ergebnis ab, dass keine kleingliedrigen Teilflächen verbleiben sollen und die Pachtkündigung aufrechterhalten wird.“

Auf die Vorstellung seines „Plans B“ sei die Stadt erst gar nicht eingegangen, bedauert Möhrmann. Der Vorschlag beinhaltete den Verzicht des Wahl-Selbachers auf das sogenannte „Rosinenstück“, eine hochwertige Wiesenfläche im vorderen Bereich des Hahnbachtals. Im Gegenzug würde er die Feuchtgebiete zum Heuen und Beweiden behalten. Ihm gehe es vor allem um die Zugänglichkeit seiner Pacht- und Privatflächen und dem vernünftigen Bewirtschaften derselben, so Möhrmann.

Möhrmann: „Das geht so nicht“

Nach mehreren gescheiterten Versuchen, mit der Stadt Gernsbach auf einer persönlichen Ebene ins Gespräch zu kommen, nutzte Helmut Möhrmann bei der letzten Gemeinderatssitzung des Jahres die Gelegenheit der Bürgerfragestunde, um durchaus emotional auf sein Anliegen aufmerksam zu machen. „Sie dürfen nicht so reagieren, als wären wir nie da gewesen“, verwies er auf das sechs Jahrzehnte währende Engagement seiner Familie im Hahnbachtal. Ohne der dadurch sichergestellten Offenhaltung sähe es dort ganz anders aus, betonte der Landschaftspfleger und bedauerte, dass ihm die Stadt bis heute keine Chance gegeben habe, seinen „Plan B“ zu verwirklichen oder zumindest in Betracht zu ziehen: „Das geht so nicht, Sie müssen im Dialog bleiben“, meinte er in Richtung Bürgermeister Julian Christ und Albert Betting vom städtischen Bauamt.

Letzterer bezeichnete das private Projekt aber als gescheitert: „Wir sehen den kommunalen Stall vorne.“ Mit diesem wird seit gut fünf Jahren die Pflege von 37 Hektar Wiesenfläche im Hahnbachtal ermöglicht und damit die Mindestflur freigehalten, ein Naherholungsgebiet bewahrt und die Durchlüftung des Tals sichergestellt. Man sei sich bewusst, so Bürgermeister Christ, dass es sich bei der Kündigung des Pachtverhältnisses um eine Entscheidung handele, die nicht in Möhrmanns Interesse sei, sondern im Interesse der Stadt Gernsbach – und dieses habe man in der Verwaltung nun mal höher zu bewerten.


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