Hallenbad in Bühl bis Herbst geschlossen

Bühl (nie) – Wenn die Politik öffnet, geht trotzdem nichts: Ab sofort ist das Hallenbad des Schwarzwaldbads geschlossen. Das soll bis Herbst so bleiben – auch, wenn eine Öffnung wieder erlaubt wäre.

Bis zum Sonntag konnten die Kaderathleten noch im Hallenbad trainieren, nun ist das Wasser schon abgelassen. Die Entscheidung ist auch der Stadt nicht leicht gefallen. Foto: Bernhard Margull

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Bis zum Sonntag konnten die Kaderathleten noch im Hallenbad trainieren, nun ist das Wasser schon abgelassen. Die Entscheidung ist auch der Stadt nicht leicht gefallen. Foto: Bernhard Margull

Was wäre wenn? Eine Frage, die während Corona Hochkonjunktur hat. Auch für Vereine. Und das Schwimmteam des TV Bühl kann diese Frage nun beantworten, zum Leidwesen der Sportler und Mitglieder. Wenn der Vereinssport in nächster Zeit politisch wieder erlaubt ist, dann können die Schwimmer nämlich trotzdem nicht in ihr Element eintauchen. Das Hallenbad des Schwarzwaldbads ist seit Montag nicht mehr nutzbar.

Erst am Sonntag hätten das die Verantwortlichen des Schwimmteams erfahren und auch davon, dass das Hallenbad erst im Herbst wieder öffnen soll, sagt Christian Hensel, stellvertretender Abteilungsleiter des Schwimmteams. Für die Schließung seien betriebswirtschaftliche Gründe genannt worden. Am Mittwoch habe der Verein dann seine Mitglieder informiert – und diese Info habe diesen den „Boden unter den Füßen weggezogen“.

Große Trainingslücke

Denn sind von der jetzigen Schließung erst einmal nur die Kaderathleten betroffen, die laut Corona-Verordnung weitertrainieren dürfen, würde es in Zukunft alle Schwimmer tangieren. Hensel stellt klar: „Grundsätzlich gilt, dass die Entscheidung der Sportstätten GmbH vollkommen richtig wäre, wenn bis Mai kein Schulsport, Vereinssport und öffentlicher Badebetrieb möglich sein sollte.“ Sollte aber eine frühere Lockerung erfolgen, würde bei den Bühlern eine Trainingslücke bis Anfang/Mitte Mai klaffen. Erst dann steht die Öffnung des Freibads an.

Und auch den Schulen fehle es an einer Alternative. So sei es doch angedacht gewesen, den Sportunterricht mit Schwimmen zu kompensieren, da die Schwarzwaldhalle wegen des dortigen Impfzentrums nicht zur Verfügung steht.

„Wir können nicht noch unwirtschaftlicher arbeiten“

Im Gespräch mit Jörg Zimmer, dem kaufmännischen Geschäftsführer der Bühler Sportstätten GmbH, wird klar, dass die Entscheidung, das Bad dichtzumachen, keinesfalls mutwillig und einfach getroffen wurde. Man habe ein „extrem gutes Verhältnis“ zu allen Nutzern, sei regelrecht „Fan“ der Bühler Schwimmer. Aber: Der Bäderbetrieb sei an sich schon unwirtschaftlich, „wir können nicht noch unwirtschaftlicher arbeiten“. Und weil auch Zimmer und sein Team die Frage, wie die Politik in Sachen Corona künftig entscheiden wird, eben nicht handfest beantworten könne, habe man nach dem letzten Bund-Länder-Treffen festgelegt, den Betrieb ganz einzustellen. 80 Prozent des Bäderpersonals seien in Kurzarbeit, wenn man diesen Kniff nicht nutzen würde, könnte man überhaupt „nicht überleben“.

„Vollkommen richtige Entscheidung“

Mit dem zur Verfügung stehenden Personal sei es schon eine Herausforderung, die jetzige Regelung umzusetzen. Diese sieht so aus, dass seit Dezember der Betrieb des Hallenbads im „Ruhemodus“, wie Christian Hensel es nennt, läuft. Das bedeutet, dass die Wassertemperatur von 28 auf 21 Grad abgesenkt wurde, um Energiekosten zu sparen, gleichzeitig aber die Wasserqualität aufrechterhalten wird. Das sei eine „vollkommen richtige Entscheidung“, findet Hensel, das Bad werde schließlich kaum genutzt. „Ruhemodus“ bedeute aber auch, dass das Becken innerhalb weniger Tage so erwärmt werden könnte, dass es dann wieder allen zur Verfügung stehe. Hensel verweist auf Greffern, wo das ebenso gehandhabt werde. Mit der jetzigen Einstellung des Betriebs werde nicht mehr für ausreichend Wasserqualität gesorgt, ins kühle Nass darf keiner, eine Perspektive das Bad zu nutzen, wenn es wieder rechtlich erlaubt ist, rückt damit in weite Ferne.

Zu konstenintensiv

Ja, es sei so, muss Zimmer zugeben: Wenn die Politik die Öffnung zeitnah beschließt, müsse er sagen, dass Baden im Hallenbad technisch nicht möglich sei. Aber die Sportstätten GmbH verbrenne eben richtig Geld, wo doch gar keins da sei. Selbst als die Schule das Bad im November-Lockdown noch nutzen durfte, habe es sich nicht gerechnet. „Wir brauchen die Öffentlichkeit, um betriebswirtschaftlich handeln zu können“, appelliert Zimmer auf Verständnis, man habe schließlich keine Einnahmen. Er selbst habe als Sportler großes Verständnis für die Anliegen der Schwimmer. So habe man, um Training zu ermöglichen, beispielsweise nicht gleich im Dezember das Wasser aus dem Becken gelassen, sondern bis jetzt optimistisch auf Lockerungen gehofft. Nun wolle und müsse man aber die ganze Personalkraft dafür einsetzen, das Freibad zum anvisierten Öffnungstermin (1. oder 15 Mai) zum Laufen zu bringen. Im Hallenbad könnten zudem schon mit Wartungsarbeiten, die sonst im Sommer anfallen, durchgeführt werden.

Christian Hensel glaubt aber auch, dass die Bühler Bevölkerung die Entscheidung der Stadt nicht akzeptabel findet und er verweist auf eine Online-Petition, die seinem Vernehmen nach von Schwimmer Eltern gestartet werden soll.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Nina Ernst

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Erstellt:
18. Februar 2021, 18:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 10sec

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