Halten sich Gastronomen an die Corona-Regeln?

Baden-Baden (nad) – Fünf Gastronomen fallen durch: Bei verstärkten Kontrollen der Gaststätten in Baden-Baden überprüfen Beamte die Einhaltung der Corona-Verordnung, von Maskenpflicht bis 3G-Nachweis.

Manfred Vogel führt Stichproben am Tisch durch: Bei Gabriella und Michael Dummen hat er nichts zu beanstanden. Foto: Natalie Dresler

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Manfred Vogel führt Stichproben am Tisch durch: Bei Gabriella und Michael Dummen hat er nichts zu beanstanden. Foto: Natalie Dresler

Donnerstagmorgen im Sitzungssaal des Fachgebiets öffentliche Ordnung: Sechs Beamte der Ortspolizeibehörde Baden-Baden werden in ihre heutige Aufgabe eingewiesen. Sie sollen zur Mittagszeit Gastronomiebetriebe auf die Einhaltung der Corona-Regeln kontrollieren. Sitzen die Masken richtig? Hinterlassen die Gäste ihre Kontaktdaten? Werden die 2 oder 3Gs überprüft?

„Ich gehe davon aus, dass die Gastronomen nicht überrascht sein werden“, sagt Fachgebietsleiterin Petra Kurpisz zu den drei Trupps, die Gaststätten, Restaurants und Cafés in Sandweier, Haueneberstein, Oos, Geroldsau, der Weststadt, im Rebland und im Zentrum überprüfen sollen. Schließlich seien die verstärkten Kontrollen überall in den Medien angekündigt worden, nachdem der Erlass vom Sozialministerium kam, auch auf der Internetseite des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) wurden Gastronomen darauf aufmerksam gemacht. Dennoch sei das Polizeirevier informiert, erklärt Kurpisz, sollte es unerwartet zu Unruhe und Disputen kommen. Ausgestattet mit Kriterienkatalogen, in denen genau erfasst ist, worauf geachtet werden muss, machen sich die Beamten auf den Weg in ihren Bezirk.

Zu Fuß von einer Kontrolle zur nächsten: Manfred Vogel und Marie-Claire Blum in Baden-Badens Innenstadt. Foto: Natalie Dresler

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Zu Fuß von einer Kontrolle zur nächsten: Manfred Vogel und Marie-Claire Blum in Baden-Badens Innenstadt. Foto: Natalie Dresler

Kurpisz soll Recht behalten: „Ah, Sie sind die angekündigte Polizeikontrolle“, ruft eine Kellnerin Manfred Vogel vom Gemeindevollzugsdienst und Marie-Claire Blum, Sachbearbeiterin der Ortspolizeibehörde, zu. Sie habe geahnt, dass heute jemand vorbeikommt, schließlich „stand es ja überall“. Das Lokal an der Oos, in dem sie arbeitet, befolgt alle Punkte der Verordnung: Auf den Tischen befinden sich kleine Aufkleber mit QR-Codes zum Einchecken in die Luca-App, alle Mitarbeiter tragen die Schutzmasken ordnungsgemäß über Mund und Nase, die Gäste haben genügend Abstand voneinander und wurden bei ihrer Ankunft darum gebeten, nachzuweisen, dass sie entweder getestet, genesen oder geimpft sind (3G). Um diese Bestätigung nicht nur vom Personal zu bekommen, führen Blum und Vogel Stichproben an den Tischen durch. Auch die Gäste müssen die Fragen der beiden beantworten und Nachweise zeigen. Denn ihnen würden ebenfalls Strafen drohen, sollten Verstöße festgestellt werden, nicht nur der Betreiber müsste mit einem Bußgeld rechnen. Aber hier ist alles im grünen Bereich. „Da freuen wir uns, wenn alles passt“, verabschiedet sich die Mitarbeiterin von den Besuchern.

Weiter geht die Suche nach Verstößen. Zunächst vergeblich, alle halten sich vorbildlich an die Corona-Verordnung. Ein Café in der Fußgängerzone hat sogar direkt hinter der Eingangstür ein rotes Absperrband angebracht, sodass jeder Gast, der den Innenraum betritt, direkt nach den benötigten Nachweisen gefragt werden und seine Kontaktdaten hinterlassen kann. Ein klares Signal für: Hier werden alle Regeln korrekt befolgt.

Auch im „Amadeus“ am Leopoldsplatz stechen schon draußen an der gläsernen Eingangstür Aushänge ins Auge, die auf die Vorgaben hinweisen. Trotzdem möchten sich laut Geschäftsführerin Tatjana Hilger nicht immer alle daran halten. „Wir sind schon beschimpft worden“, so Hilger, „es ist nicht einfach“. Dennoch werden konsequent Personen weggeschickt, die keinen 3G-Nachweis erbringen können, das Personal sei da streng.

„Wir rechnen immer mit Kontrollen“

Auch was die anderen Sicherheitsmaßnahmen betrifft: Alle Mitarbeiter tragen den Mund-Nasen-Schutz, Gäste müssen ihre Kontaktdaten schriftlich oder digital hinterlassen, Plexiglas-Scheiben stehen dort zwischen den Tischen, wo nicht ausreichend Abstand zum Nachbarn eingehalten werden kann, und sogar Luftfilter wurden im Innenraum installiert. Die Sicherheit ist Hilger sehr wichtig, sie sei „unser Motto“, und die Leute würden das auch registrieren. Ihr Restaurant sei schon einige Male kontrolliert worden, „wir rechnen immer damit“, betont die Geschäftsführerin.

Beim Spaziergang durch die Kurstadt freut sich Vogel, dass die Reaktionen auf die Kontrollen bisher positiv ausgefallen seien und alle Wirte entspannt damit umgingen. Er habe es auch nicht anders erwartet. Ein Stückchen weiter werfen sich die Gäste auf der Terrasse eines Cafés dann doch nervöse Blicke zu, als sie den uniformierten Mann kommen sehen. Die Masken werden schnell gezückt – obwohl diese am Sitzplatz und im Außenbereich nicht einmal benötigt werden, und eine Dame, die ihren Kaffee schon fast ausgetrunken hat, winkt hektisch der Bedienung zu: „Haben Sie noch so einen Zettel für uns?“ Es scheint um die Erfassung der Kontaktdaten zu gehen, die bisher wohl noch nicht stattgefunden hat.

Doch auch wenn im Außenbereich keine Gs abgefragt werden müssen, die Daten müssen weiterhin erhoben werden, um alle Gäste bei einem Corona-Fall benachrichtigen zu können. Gerade noch rechtzeitig haben sich die Gäste darum gekümmert, denn schon stellen sich Vogel und Blum vor und überprüfen, ob alles seine Richtigkeit hat. Das hat es, auch hier sind keine Verstöße festzustellen.

Manfred Vogel klärt Thomas Meurer (rechts) auf, dass das Zelt als Innenbereich zählt. Foto: Natalie Dresler

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Manfred Vogel klärt Thomas Meurer (rechts) auf, dass das Zelt als Innenbereich zählt. Foto: Natalie Dresler

Thomas Meurer, Geschäftsführer vom „Le Bistro“, geht den Kriterien-Katalog mit Vogel und Blum durch. Beim roten Zelt herrscht Diskussionsbedarf: Es steht zwar draußen, weshalb die Gäste eigentlich nicht gefragt werden müssen, ob sie getestet, geimpft oder genesen sind – aber aufgrund der Seitenschürzen, die es quasi schließen, zählt es laut Beurteilung der Verordnung als Innenbereich, ergo greift die 3G-Regel. Da dies aber nicht explizit aus der Verordnung hervorgeht, stellt es (noch) keinen Verstoß dar, doch Meurer müsse ab sofort darauf achten.

Er sei froh, dass kontrolliert werde, denn so könne niemand aus der Reihe tanzen. Die Überlegung, zum 2G-Optionsmodell zu wechseln, sei schon da, wie er im BT-Gespräch angibt, denn die Mehrheit der Gäste sei ohnehin geimpft. Aber bei den Touristen sehe das anders aus, die meisten kämen mit einem Test in das Restaurant. Aus diesem Grund seien sich Vogel und Blum auch sicher, dass sich in Baden-Baden vorerst kein Gastwirt für das 2G-Optionsmodell entscheiden wird. „Die nehmen mit, was geht“, sagt Vogel, was nach den Lockdowns auch nicht überraschend sei.

Verstoß Nummer eins: Die Maske sitzt schief

Eine Lokalität nach der anderen wird überprüft, insgesamt zwölf stehen in der Innenstadt auf dem Plan. Überall halten sich Gäste und Mitarbeiter an die Regeln, in einem Restaurant kann nicht einmal richtig kontrolliert werden, da keine Gäste da sind. Schließlich werden Blum und Vogel aber doch noch fündig: Gäste eines Außenbereichs sind nicht nach ihren Kontaktdaten gefragt worden. Auch liegen keine QR-Codes oder Zettel zum Ausfüllen bereit. Der Gast habe hier quasi gar keine Chance, sich zu registrieren, stellt Blum fest.

Was noch auffällt, ist, dass das Thekenpersonal seine Maske nicht richtig trägt. Mal hängt sie ganz unten am Kinn, mal ist die Nase frei. Dabei begrüßt die Gäste direkt beim Eintreten ein Aufsteller, der auf die Maskenpflicht hinweist. Selbst als sich Vogel in Uniform im Innenbereich umschaut, bleiben die Masken an Ort und Stelle – Verstoß Nummer eins. Nach Gesprächen stellt sich heraus, dass sich der benötigte QR-Code zur Registrierung in der Luca-App auf einem kleinen Schild auf der Theke befindet, quasi einmal in groß, statt viele Male in klein. Doch viele Gäste scheinen diesen nicht zu bemerken – oder zu ignorieren, weshalb sie weder im Innen-noch im Außenbereich eingecheckt haben. Auch nach den 3Gs wurden die Gäste im Innenbereich nicht gefragt. Eindeutig mehrere Verstöße gegen die Corona-Verordnung, in diesem Fall müsse also ein Bußgeldverfahren eingeleitet werden, sagt Vogel.

Die anderen Kollegen konnten ebenfalls Verstöße feststellen: Insgesamt wurden 28 Gastronomiebetriebe überprüft, fünf davon hielten nicht alle Punkte der Verordnung ein. Kurpisz zieht eine Bilanz der Kontrollgänge: Vor allem Missachtung der Maskenpflicht, fehlende Überprüfung der 3Gs und keine Datenerfassung seien aufgefallen. Am Freitag sind die Beamten im Rebland und in Geroldsau unterwegs.

Auch im Außenbereich müssen Kontaktdaten erfasst werden: Hier weisen QR-Code Sticker den Weg zur Luca-App. Foto: Natalie Dresler

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Auch im Außenbereich müssen Kontaktdaten erfasst werden: Hier weisen QR-Code Sticker den Weg zur Luca-App. Foto: Natalie Dresler

Ihr Autor

BT-Volontärin Natalie Dresler

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Erstellt:
22. Oktober 2021, 07:00 Uhr
Lesedauer:
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