Handball: Chance für TVS Baden-Baden

Baden-Baden (moe) – Nach aktuellen DHB-Beschlüssen ist klar: Die Handballerinnen der Rebland-SG spielen weiterhin in Liga drei. Eine unerwartete Chance bietet sich derweil dem TVS Baden-Baden.

Strecken sich auch in der kommenden Saison in Liga drei: Die handballhungrigen Spielerinnen der SG Steinbach/Kappelwindeck. Foto: Frank Seiter

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Strecken sich auch in der kommenden Saison in Liga drei: Die handballhungrigen Spielerinnen der SG Steinbach/Kappelwindeck. Foto: Frank Seiter

Wirklich überraschend kam die Nachricht angesichts der nach wie vor volatilen Pandemielage nicht mehr: Die Saison in den dritten Handball-Bundesligen wird nicht in der avisierten Form zu Ende gespielt. Das hat der Deutsche Handballbund (DHB) nach einer Videokonferenz am Mittwochabend verkündet. Das bedeutet allerdings nicht, dass nicht in absehbarer Zeit wieder der Ball durch die Hallen fliegen soll, weshalb man beim DHB auch nicht von einem Saisonabbruch, sondern – etwas euphemistisch formuliert – von einer „Modusänderung“ spricht.

Keine sportlichen Absteiger

Deren wichtigster Aspekt: Es wird in der seit Herbst coronabedingt unterbrochenen Saison 2020/21 keine Absteiger geben. Das ist unter anderem für die Handballerinnen der SG Steinbach/Kappelwindeck eine gute Nachricht, die bisher nur eine einzige Saisonpartie in der Staffel Süd-West absolvieren konnten, nämlich die knappe Heimniederlage gegen Fortuna Düsseldorf am 25. Oktober vergangenen Jahres. Nun ist offiziell, dass die Rebland-SG auch in der kommenden Saison in der dritten Liga spielen darf – mindestens. Denn rein theoretisch könnte sogar ein Anlauf auf die zweite Bundesliga gestartet werden. Auch das ist Teil des geänderten Saisonablaufs: „Aufsteiger in die zweite Liga der Frauen und Männer sollen nach Möglichkeit unter den interessierten Vereinen ermittelt werden“, heißt es in den Beschlüssen des DHB. Als Teilnahmevoraussetzung für Frauenteams gilt die Einreichung eines Lizenzantrags und der -unterlagen beim Ligaverband HBF spätestens zum 15. April.

Bei den Drittliga-Männern des TV Willstätt gibt es diesbezüglich ganz konkrete Überlegungen. Im Lager der Rebland-SG wurden derweil aus dem Kreis der Spielerinnen vereinzelt Stimmen laut, dass es ja vielleicht ganz spannend wäre, sich im Rahmen einer Aufstiegsrunde mit Großkopferten zu messen. Realistisch betrachtet kommt eine Meldung laut Arnold Manz, sportliche Leiter der SG, aber nicht infrage: „So schön das die ein oder andere vielleicht empfunden hätte: Der Rattenschwanz, der damit verbunden wäre, ist für einen Verein wie uns nicht zu tragen.“ In so einem Fall müsse man Geld in externe Spielerinnen investieren: „Das passt nicht“, betont Manz.

Manz: Corona-Tests als Voraussetzung

Was aus Sicht der SG aber sehr wohl passt, ist ein dritter Aspekt der Modusänderung: In Form einer alternativen Spielrunde unter regionalen Gesichtspunkten will der DHB – immer vorausgesetzt, dass die Pandemieentwicklung dies zulässt – ein „freiwilliges Wettkampfangebot“ unterbreiten. Gespielt werden soll ab etwa Mitte April bis Ende Juni, in kleinen regionalen Ligen. Im konkreten Fall der Rebland-SG wären beispielsweise Duelle gegen die TG Pforzheim, Möglingen, Nellingen und Marpingen denkbar. Unabhängig von der Tatsache, dass der DHB die Rahmenbedingungen für eine derartige Runde nun konkretisieren will, sind auf Ebene der Vereine diesbezüglich bereits erste Kontakte geknüpft worden, wie Manz berichtet, der dem Angebot seitens des DHB im Gegensatz zu Clubs aus anderen Regionen in Deutschland sehr wohlwollend gegenübersteht: „Ich finde es unglaublich wichtig, dass nach Monaten handballloser Zeit in irgendeiner Form ein paar Partien ausgetragen werden können, damit man nicht ein komplettes Jahr lang ohne Spiele auskommen muss.“ Sein Team, das größtenteils aus hoffnungsvollen und entsprechend ambitionierten Nachwuchstalenten besteht, sei derart „ausgehungert und gierig“. Daher sei eine weitere komplette Wettkampfpause bis zum Herbst aus seiner Sicht „undenkbar“.

Rein rechtlich steht einer adäquaten Vorbereitung auf eine alternative Spielrunde aktuell nichts im Weg. Die SG-Handballerinnen dürfen laut der baden-württembergischen Spitzensportverordnung weiterhin trainieren. In reduzierter Form haben Manz und sein Team dies in den vergangenen Wochen auch praktiziert, vorwiegend in kleinen Gruppen und unter Einhaltung der strengen Hygienerichtlinien. Und auch mit Blick auf einen möglichen regionalen Ligabetrieb haben alle Protagonisten offensichtlich den Infektionsschutz im Blick: Noch in dieser Woche will der DHB ein Konzept für verpflichtende Corona-Tests kommunizieren. „Ohne Tests wird nichts stattfinden“, betont Manz, „das wäre auch nichts zu rechtfertigen.“

Weiterhin warten müssen bekanntlich die ambitionierten Nachwuchskräfte in der Region. Wie es nämlich mit den A-Juniorinnen der Rebland-SG, die noch in der Zwischenrunde um die deutsche Meisterschaft stehen, sowie der männlichen Bundesliga-A-Jugend des TuS Helmlingen nach dem 15. März weitergeht, will der DHB erst nach der nächsten Bund-Länder-Konferenz kommende Woche entscheiden.

Das Votum wird selbstredend auch bei der Rebland-SG mit Spannung erwartet, denn die Fortsetzung der bis dato so erfolgreichen Bundesliga-Runde der A-Juniorinnen ist laut Manz „unser Thema Nummer eins“. Die Tatsache, dass Corona der Mannschaft ein Stück weit den „Höhepunkt ihrer Jugendkarriere“ geraubt hat, mache seine Mädels „todtraurig“. Insofern wolle man „alles darauf ausrichten“, für eine Wiederaufnahme des Kampfs um die deutsche Meisterschaft fit zu bleiben.

Unerwartete Chance für Männer des TVS Baden-Baden

Ein Satz in der der aktuellen Pressemeldung des DHB sorgt indes auch in der Region für unerwartete Betriebsamkeit. Nämlich der, dass weiterhin bundesweit zwölf Aufsteiger aus der Oberliga möglich sind, obwohl – zumindest was den Spielbetrieb in Baden-Württemberg angeht – die Runde bereits abgebrochen und annulliert ist. Sollte es die Pandemielage in absehbarer Zeit zulassen, sollen also insgesamt zwölf Aufsteiger ausgespielt werden. „Das wird kommen“, bestätigte Peter Knapp, als Vorstandsvorsitzender von Handball Baden-Württemberg (HBW) für die hiesige Oberliga zuständig, am Donnerstag auf BT-Anfrage. Die momentan noch große Frage ist allerdings: wie? Konkrete Aussagen dazu lassen sich aktuell noch keine treffen, zumal auch der Bundesrat des Deutschen Handballbunds (DHB) dem Prozedere formal noch wird zustimmen müssen.

HBW hat indes am späten Mittwochabend noch einen Brief an alle Vereine der Oberliga Baden-Württemberg verschickt, „um ein Gefühl dafür zu kriegen“, so Knapp, wer überhaupt Interesse an einer derartigen Aufstiegsrunde mit all ihren Konsequenzen hätte. Unverbindlich wohlgemerkt. „Ob sich zwei oder zwölf Mannschaften melden, ist natürlich ein himmelweiter Unterschied“, betont Knapp.

Auch der TVS Baden-Baden hat das Schreiben erhalten, per E-Mail flatterte es einigermaßen unerwartet ins elektronische Postfach, wie der sportliche Leiter Simon Riedinger bestätigte. Beim TVS will man sich in den kommenden Tagen intern mit der unverhofften Aufstiegschance auseinandersetzen und „vor allem die Mannschaft mit ins Boot holen“, so Riedinger. Spätestens bis zum 9. März ist eine Rückmeldung erforderlich. (moe)


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