Handballer Lennard Kull ist Schüler-Weltmeister

Baden-Baden (moe) – Handball-Torhüter Lennard Kull aus Baden-Baden ist ein waschechter Weltmeister. Schüler-Weltmeister, um genau zu sein. Mit seinen Berliner Teamkameraden holte er in Belgrad Gold.

Selfie mit dem Siegerpokal: Lennard Kull und das Objekt der Begierde. Foto: Lennard Kull

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Selfie mit dem Siegerpokal: Lennard Kull und das Objekt der Begierde. Foto: Lennard Kull

Ins Kreisfinale schafft man es verhältnismäßig leicht. Für das Oberschulamtsfinale braucht man schon richtig gute Mitstreiter. Und zieht man ins Landesfinale ein, ist das bereits schon sehr beachtlich, wenn nicht gar ein Erfolg. Ein echter Hammer – für mittelbadische Verhältnisse meist sogar eine Sensation – sind freilich Teilnahme und/oder Sieg beim Bundesfinale von „Jugend trainiert für Olympia“. Lennard Kull aus Baden-Baden hat dem Wettbewerb nun allerdings die Krone oder besser gesagt: den Pokal aufgesetzt.

Seit vergangenem Samstag ist der Handballer aus der Kurstadt waschechter Weltmeister – Schüler-Weltmeister, um genau zu sein. Zusammen mit seinen (Klassen-)Kameraden des Schul- und Leistungssportzentrums Berlin gewann der 18-Jährige bei den Titelkämpfen im serbischen Belgrad Gold.

Als Weltmeister aufzuwachen „war ein super Gefühl“, berichtet Kull – und klingt dabei ein wenig zerknittert. Das wiederum hat mit den Strapazen von fünf Partien innerhalb von einer Woche sowie der anstrengenden Rückreise zu tun. Und natürlich mit der obligatorischen Siegesfeier nach erfolgreichem Titelgewinn. Danach ging es zurück nach Berlin: „Wir haben acht Stunden gebraucht“, betont Kull: Mit dem Flieger von Belgrad nach Frankfurt und von dort – ebenfalls per Lufttaxi – zurück in die Hauptstadt, wo der talentierte Torhüter seit mittlerweile rund zweieinhalb Jahren lebt und trainiert.

Hanning zahlt Trip aus eigener Tasche

Das Team, mit dem Kull in Serbien den Titel geholt hat, ist beileibe keine normale Schülermannschaft, „das kann man nicht vergleichen“, betont der 18-Jährige. Alle Teammitglieder spielen wie Kull für den Nachwuchs der Füchse Berlin, auf der Platte standen – bis auf einen Akteur aus der B-Jugend – die A-Junioren aus dem Reinickendorfer Fuchsbau des äußerst ambitionierten Bundesligisten.

Das Leistungsniveau der Schüler-WM war durchaus sehr unterschiedlich: Während der deutsche Gruppengegner Ägypten mit der Nachwuchs-Nationalmannschaft angereist war, standen in der Auswahl von Gastgeber Serbien nur vier „richtige Handballer“, wie Kull berichtet, „der Rest wurde mit Schülern aufgefüllt“. Sein eigenes Team – manchmal sind Füchse eben doch Rudeltiere – hat sich in der aktuellen Zusammensetzung eigentlich gar nicht für die Titelkämpfe qualifiziert, sondern der Jahrgang davor. Doch dann kam Corona dazwischen und „die Jungs konnten nicht hinfahren. Ein Jahr später sind wir jetzt gefahren“, erklärt Kull.

Wobei das angesichts der pandemischen Lage gar nicht so leicht war, wenn man so will lauerte die größte Gefahr auf dem Weg zum WM-Titel noch vor der Abreise nach Serbien. Wenige Tage vor der Abreise hatte die Schule die Teilnahme untersagt: Corona. „Da waren wir natürlich ziemlich niedergeschlagen“, berichtet Kull von der ernüchternden Nachricht. Das allerdings konnte und wollte Bob Hanning so nicht stehenlassen. Der umtriebige Füchse-Funktionär, der seit Jahren auch sehr erfolgreich im Berliner Nachwuchsbereich als Trainer arbeitet, ist als Möglichmacher bekannt und nahm die Sache in die Hand. Gespräche mit Schule, Behörden und Eltern folgten – und am Ende durften die doppelt geimpften Pennäler doch zur Mission WM-Gold aufbrechen. Nicht uninteressante Randnotiz: „Bob hat den Trip aus eigener Tasche bezahlt“, berichtet Kull.

Vor Ort lief es dann nach ersten kurzen Anlaufschwierigkeiten beim 23:23 zum Auftakt gegen Ägypten wie geschmiert: Auf einen 38:6-Kantersieg gegen die Vertreter aus Bulgarien folgte im Viertelfinale gegen das polnische Schülerteam ein deutlicher 33:15-Erfolg. Im Halbfinale wartete dann erneut Ägypten, diesmal gewannen Kull und Co. mit 25:17. Eine ebenso klare Angelegenheit war dann auch das Endspiel: 31:14 hieß es im finalen Showdown gegen das Team aus Dänemark.

DM-Titelverteidigung als nächstes Ziel

„Ich bin wirklich stolz auf die Jungs, am Donnerstag war noch nicht sicher, ob wir überhaupt fahren dürfen. Wie fokussiert die Mannschaft geblieben ist, macht mich sehr glücklich“, sagte Coach Hanning nach dem Erfolg. Auch beim Deutschen Handballbund (DHB) frohlockten die Verantwortlichen, denn nicht nur die Jungs aus Berlin hüpften nach der Schlusssirene vor Freude durch die Halle. Den Titel bei den Mädels heimste in Belgrad nämlich das Sächsische Landesgymnasium für Sport in Leipzig ein. „Ich gratuliere den neuen Weltmeisterinnen und Weltmeistern aus Leipzig und Berlin herzlich zu ihrem verdienten Erfolg“, sagte DHB-Präsident Andreas Michelmann: „Mädchen, Jungen und Trainerteams haben in den vergangenen Tagen auf großer Bühne auch die Leistungsfähigkeit unserer besten Handball-Schulen demonstriert.“ Michelmann ist „guter Hoffnung, einige der Talente auch in unseren Nationalmannschaften wiederzusehen“.

Auch Keeper Kull hätte da sicherlich nichts einzuwenden. Mit seiner eigenen Leistung im Turnier war der 18-Jährige, der das Handball-ABC beim TV Geroldsau gelernt hat und über die HSG Baden-Baden, Phönix Sinzheim und den TuS Helmlingen im Sommer 2019 bei den Füchsen gelandet ist, „sehr zufrieden. Ich hab‘ ganz gute Spiele gemacht“, sagt Kull fast schon bescheiden.

Weniger zurückhaltend ist er indes, wenn es um die konkreten Ziele für diese Saison geht. Nachdem er im vergangenen Juni an der Seite des etwas älteren Keeper-Kollegen Lasse Ludwig aus Helmlingen mit der Füchse-A-Jugend deutscher Meister geworden war, will er den Titel in dieser Runde verteidigen. Fünf Spiele, fünf Siege lautet die bisherige Bilanz in der Jugendbundesliga, doch Kull warnt: „In diesem Jahr ist die Konkurrenz mit den Rhein-Neckar Löwen und Bayer Dormagen extrem groß. Das wird nicht leicht werden.“

Ein zweiter DM-Titel ist allerdings noch Zukunftsmusik. Die Realität lautet: „Zweimal Training am Tag und natürlich Schule.“ Das gilt selbstredend auch für frisch gebackene Weltmeister. Die erste Schulstunde nach der Rückkehr mit der Goldmedaille: Informatik.

Souverän durch das Turnier marschiert: Das Schulteam der Berliner Füchse ist neuer Weltmeister. Auch dank Bob Hanning (rechts).Foto: Füchse Berlin

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Souverän durch das Turnier marschiert: Das Schulteam der Berliner Füchse ist neuer Weltmeister. Auch dank Bob Hanning (rechts).Foto: Füchse Berlin


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