Handel mit Kokain: Freiheitsstrafe auf Bewährung

Rastatt (mo) – Ein junges Paar musste sich vor dem Amtsgericht wegen schwunghaften Drogenhandels verantworten. Die beiden kam mit einer Bewährungsstrafe davon.

32 Straftaten innerhalb eines halben Jahres wurde dem Paar zur Last gelegt. Foto: av

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32 Straftaten innerhalb eines halben Jahres wurde dem Paar zur Last gelegt. Foto: av

Ein junges Paar aus Baden-Baden, der Mann 25, die Frau 21 Jahre alt, nahmen gestern wegen Drogengeschäften Platz auf der Anklagebank des Amtsgerichts Rastatt. Dabei ging es um immerhin 32 Straftaten im Zeitraum vom Oktober 2018 bis April 2019 (wir berichteten). Vorwurf: Handel mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge – es ging dabei um Kokain – und Beihilfe.

Die damalige Freundin und heutige Ehefrau soll den Mann bei zwei Fällen Beihilfe geleistet und mit dem Auto chauffiert haben. Weil sie zur Tatzeit erst 19 Jahre alt war, fand die Verhandlung nun vor dem Rastatter Jugendschöffengericht statt. Doch in ihrem Fall kam es am Ende der Beweisaufnahme zu keiner Verurteilung. Auf Antrag der Staatsanwältin wurde das Verfahren gegen sie mit der Auflage von 40 gemeinnützigen, unentgeltlichen Arbeitsstunden vorläufig eingestellt. Endgültig abgeschlossen ist der Fall für die Frau aber erst dann, wenn sie diese Stunden auch abgeleistet hat.

Der bisher nicht vorbestrafte 25-jährige Ehemann wurde wegen gewerbsmäßigen Handeltreibens mit Betäubungsmitteln, davon in fünf Fällen „in nicht geringer Menge“, zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten verurteilt. Die Strafe wurde auf zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Als Bewährungsauflage muss er 500 Euro zahlen. Doch weil durch die Rauschgiftgeschäfte Gewinne erzielt wurden, verfügte das Gericht außerdem die „Einziehung von Taterträgen“ in Höhe 5 720 Euro.

Verdeckte Ermittler im Einsatz

Beide zeigten sich vor Gericht in vollem Umfang geständig. Die damals 19-Jährige will nicht genau gewusst haben, um was es bei den Fahrten eigentlich ging. Sie verheimlichte aber nicht, geahnt haben, dass es dabei wohl nicht legal zugeht. Der Ehemann gab finanzielle Schwierigkeiten und „den falschen Freundeskreis“ an, der ihn mit Drogen in Berührung gebracht habe. Der Verkauf sollte Geldnöte lindern, aber auch seinen eigenen Konsum finanzieren. Die Erfahrung der Festnahme habe ernüchternd gewirkt. Er lasse die Finger von Drogen, habe einen Arbeitsplatz und lebe verantwortlich für seine mittlerweile kleine Familie mit einem Kind, sagte er.

Im Zuge umfangreicher Ermittlungen war das Pärchen Anfang vergangenen Jahres in Baden-Baden ins Visier geraten. Vor dem dortigen Kurhaus schnappte dann am 11. April 2019 die Falle zu, und der Angeklagte sowie der Zwischenhändler wurden festgenommen. Über 95 Gramm Kokain, was immerhin 2 695 Konsumeinheiten entspricht, wurden sichergestellt. Wie die Vorsitzende Richterin Dr. Annette Bock feststellte, wurden die letzten drei schwerwiegenderen Straftaten auch durch verdeckte Ermittler „angestoßen.“

Kokain gilt nicht als „weiche“, sondern als „harte“ Drogen. Der Konsument muss auch tiefer in die Tasche greifen. Daher kommt es auch, dass im Zusammenhang mit Kokain schon mal „von der Droge der Besserverdienenden“ gesprochen wird.


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