Handwerk bekommt Zuwachs

Karlsruhe/Baden-Baden (tas) – Die Zahl der Handwerksbetriebe im Kammerbezirk Karlsruhe wächst und auch bei den Ausbildungsverträgen gibt es ein Plus.

Viel zu tun: Die Auftragsbücher im Handwerk sind derzeit ordentlich gefüllt, auch in Sachen Nachwuchs schlagen sich die Unternehmen vergleichsweise gut. Foto: Maurizio Gambarini/dpa

© picture alliance/dpa

Viel zu tun: Die Auftragsbücher im Handwerk sind derzeit ordentlich gefüllt, auch in Sachen Nachwuchs schlagen sich die Unternehmen vergleichsweise gut. Foto: Maurizio Gambarini/dpa

Im Pandemiejahr zwei wächst die Zahl der Handwerksbetriebe weiter. Netto kamen 2021 knapp 350 neue Unternehmen im Bereich der Handwerkskammer Karlsruhe hinzu. Und auch in Sachen Ausbildung läuft es bei den Betrieben vor Ort ordentlich.

Etwas mehr als 20.000 Firmen zählte die Kammer zum Jahresende 2021, die meisten Neugründungen gibt es im zulassungsfreien Bereich – also ohne Meisterpflicht –, beispielsweise bei Gebäudereinigern oder Fotografen. In diesen Branchen wird häufig nebenberuflich gearbeitet. Aber auch in der Elektrotechnik, hier ist der Meisterbrief erforderlich, gebe es einige Neustarter, sagt Kammer-Hauptgeschäftsführer Walter Bantleon.

Mit dem Plus von 1,7 Prozent liegt die Karlsruher Kammer im landesweiten Trend. Auch in Baden-Württemberg stieg die Zahl der Handwerksunternehmen leicht auf insgesamt 139.476 Betriebe, wie der Baden-Württembergische Handwerkstag (BWHT) berichtet.

2.370 Berufsstarter

Bei den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen können die Karlsruher ebenso punkten. 2.370 Berufsstarter haben die Unternehmen im Gebiet der Kammer 2021 für sich gewonnen. Das ist zwar nur ein Zuwachs von zwölf Verträgen im Vergleich zum Vorjahr. Allerdings leiden die Firmen nach wie vor unten den geburtenschwachen Jahrgängen nach der Jahrtausendwende. Und das Problem werde sich in den kommenden Jahren weiter verschärfen. „Wir müssen noch mehr in den Wettbewerb um die besten Köpfe“, sagt Kammer-Präsident Joachim Wohlfeil. „Und das Werben um den Nachwuchs findet natürlich auch als Wettbewerb zwischen den einzelnen Gewerken statt.“

Mit ihrer Ausbildungsbilanz stehen die Handwerker im Vergleich zu Industrie, Gastgewerbe und Einzelhandel jedoch deutlich besser da. Für 2021 hatte die Industrie- und Handelskammer Karlsruhe deutliche Rückgänge bei den Ausbildungszahlen vermeldet. IHK-Präsident Wolfgang Grenke hatte durch die Corona-Pandemie verunsicherte Jugendliche als Grund angeführt. Statt eine duale Ausbildung zu beginnen, gingen viele lieber weiter zur Schule oder starteten ein Studium.

Stimmungslage je nach Branche unterschiedlich

Für das Handwerk scheint diese Argumentation jedoch nicht zu greifen. Corona habe gezeigt, welch essenzielle Bedeutung viele Branchen für die Bevölkerung, beispielsweise bei der Lebensmittelversorgung, hätten. Zudem greife das seit Jahren auf Bundesebene bestehende Werbekonzept des Handwerks, sagt Wohlfeil.

Die meisten neuen Ausbildungsverträge wurden im vergangenen Jahr im Landkreis Karlsruhe geschlossen, hier gab es mit drei Prozent Plus auch einen vergleichsweise großen Zuwachs. Zulegen konnten auch die Kreise Calw, Enz und Pforzheim, weniger neue Ausbildungsverträge gab es in der Stadt Karlsruhe und im Landkreis Rastatt. In Baden-Baden blieb die Zahl der neuen Verträge konstant.

Laut der Karlsruher Kammer konnten die Betriebe in der Region ihren Umsatz 2021 im Vergleich zum Vorjahr um zwei Prozent auf zusammen 15,7 Milliarden Euro steigern, für das laufende Jahr wird mit einem Plus von 3,5 Prozent gerechnet. Viel hänge dabei jedoch von den coronabedingten Engpässen bei Material und dem allgemeinen Preisauftrieb ab.

Je nach Branche ist die Stimmungslage im Handwerk sehr unterschiedlich. Während 90 Prozent der Betriebe im Baubereich laut Kammer für das letzte Quartal 2021 eine gute Geschäftslage meldeten, sieht es im gewerblichen Bedarf – Feinwerkmechanik, Maschinen- und Metallbau – mit rund 53 nicht ganz so gut aus. Bei den personenbezogenen Dienstleistern, beispielsweise Friseure, Kosmetiker, Schneider oder Uhrmacher, ist die Geschäftslage derzeit am schlechtesten. Hier bezeichneten nur 26 Prozent ihre Situation zuletzt als gut.


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.