Handwerkliches Können mit Sieg auf Bundesebene gekrönt

Rastatt (ema) – Eliza Frey zählt zu den besten Azubis Deutschlands. Beim Bundeswettbewerb des Deutschen Handwerks holte die Orthopädieschuhmacherin einen ersten Preis.

Eliza Frey (neben ihrem Vater) hält einen Prototyp des identischen Siegermodells in den Händen.Foto: Xenia Schlögl

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Eliza Frey (neben ihrem Vater) hält einen Prototyp des identischen Siegermodells in den Händen.Foto: Xenia Schlögl

Das kleine Orthopädie-Schuhtechnikgeschäft Frey befindet sich in der Schlosserstraße in Rastatt, fast unbemerkt von der Laufkundschaft. Seinem Bekanntheitsgrad tut das keinen Abbruch. Bereits in der dritten Generation stellt Orthopädie-Schuhmachermeister Wolfgang Frey Maßschuhe und Einlagen für geplagte Füße her. Alteingesessenen Rastattern ist der Betrieb wohlvertraut, der sich in den Anfangsjahren in der Rathausstraße befand und seit Mitte der 1970er Jahre an seinem jetzigen Standort zu finden ist.

Für Wolfgang Frey gibt es keinen schöneren Beruf. Mit seiner Arbeit helfe er Menschen mit Fußproblemen, wieder schmerzfrei gehen zu können. Umso mehr freut es ihn, dass dieser anspruchsvolle Handwerksberuf auch in der vierten Generation der Familie Frey seine Faszination nicht verloren hat.

Seine 21-jährige Tochter Eliza Frey bestand im Juli ihre Abschlussprüfung als Orthopädieschuhmacherin mit der Traumnote 1,1. Mit ihrem Gesellenstück, einem Paar orthopädischen Herrenstiefeletten, wurde sie nicht nur Kammersiegerin und Erste Landessiegerin 2020 im Leistungswettbewerb „Die gute Form im Handwerk“, sondern gewann auch in ihrer Wettbewerbskategorie den prestigeträchtigen Bundeswettbewerb des Deutschen Handwerks, der unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier steht. Ein großer Wermutstropfen bleibt: Alle offiziellen Feierlichkeiten fallen bisher aufgrund der Corona-Maßnahmen aus.

Als Kind schon in der Werkstatt

„Als Kind war ich oft in der Werkstatt und schaute meinem Großvater bei seiner Arbeit zu“, erzählt Eliza Frey, „er ließ mich auch immer kleine Arbeiten machen.“ Ein winziges geformtes Herz aus geschäumtem Gummi, das sie einst an der Schleifmaschine bearbeitete, liegt als Erinnerungsstück noch immer im Geschäft. „Wir haben früh erkannt, dass Eliza handwerkliches Geschick hat“, ergänzt Wolfgang Frey, „aber wir haben sie nicht gedrängt, in den gleichen Beruf einzusteigen.“

Als Eliza 2017 ihr Abitur ablegte, war sie sich zuerst unschlüssig, ob sie ein Studium im sozialen Bereich beginnen oder ein Handwerk erlernen sollte. Aber wie das Leben so spielt: Ihre Suche fand ein Ende, als sie sich für den Lehrberuf des Orthopädieschuhmachers entschied. „Beide beruflichen Aspekte, die mir wichtig sind, werden hier vereint“, betont sie, „ich kann Menschen mit meinem Handwerk helfen, ihre Mobilität wiederherzustellen und ihnen ein Stück Lebensqualität zurückzugeben.“

Es stand die Frage im Raum, wo Eliza Frey ihre dreijährige Ausbildung absolvieren würde. Bei ihrem Vater, der als Ein-Mann-Betrieb bisher noch nie einen Lehrling ausgebildet hatte, oder bei einem Kollegen. Wolfgang Frey ist ein akribischer Schuhhandwerker, der seine Ausbildung in Stuttgart-Feuerbach machte und bereits mit 23 Jahren erfolgreich seine Meisterprüfung ablegte. „Ich habe viel Lehrgeld gezahlt“, erklärt er im Rückblick, „wichtig ist von Anfang an, ein präzises Augenmaß zu entwickeln, um Fehlanfertigungen selbst im Millimeterbereich zu vermeiden.“

Dem hohen Anspruch ihres Vaters wollte sich Eliza Frey stellen und beschloss, bei ihm in die Lehre zu gehen. Doch zuvor gingen beide gemeinsam auf eine dreiwöchige Reise nach Indien, um mögliche Zweifel an einer Zusammenarbeit auszuräumen. Hat sich mit ihrer Berufswahlentscheidung das Vater-Tochter-Verhältnis verändert? „Nein“, sagt sie offen, „aber wir sind ein gutes Team geworden mit Respekt für die Leistung des jeweils anderen.“

In der Werkstatt riecht es angenehm nach Leder und Gummi, die Maschinen sind noch aus der Zeit des Großvaters Helmut Frey, und in den Regalen stehen Fußleisten aus Gips oder Holz. Die wichtigsten Utensilien für jeden Schuhmacher sind auch heute noch eine Zwickzange, ein Hammer und ein Messer. Ein Großteil der Kunden, die zu Wolfgang Frey kommen, haben Arbeits- oder Motorradunfälle hinter sich und benötigen orthopädische Maßschuhe, ein Paar kostet ab 1.500 Euro aufwärts. Die handgefertigten Modelle sind von herkömmlichen Sneakern oder eleganten Schuhen oftmals nicht mehr zu unterscheiden, wie das mehrfach prämierte Gesellenstück seiner Tochter eindrucksvoll zeigt.

Für Eliza Frey ist ihre berufliche Ausbildung noch nicht zu Ende. Seit Herbst macht sie eine dreijährige Zusatzausbildung zur Orthopädietechnik-Mechanikerin in Heidelberg bei einem bundesweit tätigen Unternehmen. Hier liegt der Fokus auf der Herstellung von Prothesen, künstlichen Gliedmaßen, Schienen oder Bandagen.

„Ich freue mich, mein Wissen zu erweitern“, so die ehrgeizige und sympathische junge Frau, die noch weitere Pläne für ihre berufliche Zukunft schmiedet. Es scheint, dass Eliza Frey ihren Weg gefunden hat.


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