Handwerkskammer Karlsruhe: Lutz blickt zurück, Bantleon nach vorn

Karlsruhe(vo) – Der Führungswechsel bei der Handwerkskammer Karlsruhe ist vollzogen, der neue Hauptgeschäfftsführer Walter Bantleon hat sich nun den Strukturwandel auf die Fahnen geschrieben.

Stabwechsel mit Kontinuität: „Eigengewächs“ Walter Bantleon (links) hat von Gerd Lutz die Geschäftsführung der Handwerkskammer übernommen. Foto: Jürgen Volz

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Stabwechsel mit Kontinuität: „Eigengewächs“ Walter Bantleon (links) hat von Gerd Lutz die Geschäftsführung der Handwerkskammer übernommen. Foto: Jürgen Volz

Für Gerd Lutz war die letzte Arbeitswoche vor dem Ruhestand eine sehr kurze und dauerte nur einen Tag: Am Montag sagte der langjährige Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Karlsruhe leise Servus – coronabedingt im kleinen Rahmen. Zuvor hatte sich der 66-Jährige zusammen mit seinem Nachfolger Walter Bantleon (45) zum Gespräch mit dem BT getroffen. „Es ist ein nahtloser und reibungsloser Übergang“, betont Lutz die für ihn wichtige Kontinuität und Verlässlichkeit an der Spitze der Kammer mit ihren aktuell 20.029 Betrieben zwischen Pforzheim und Bühl.

BT: Herr Lutz, Sie haben drei Jahrzehnte lang die Geschicke der Handwerkskammer Karlsruhe gelenkt. Gibt es rückblickend so etwas wie Meilensteine in dieser Zeit?
Gerd Lutz: Ja, davon gibt es einige. Beispielsweise waren wir eine der ersten Kammern in Deutschland, die schon Mitte der 90er-Jahre eine eigene Homepage hatte. Stolz sind wir auch darauf, dass uns die Wirtschaftszeitschrift „Impulse“ Anfang der 2000er-Jahre zur Wirtschaftskammer Nummer eins in Deutschland bezüglich der Förderung der Wirtschaft erklärt hat. Wir waren zudem bundesweit Vorreiter für die flächendeckende Installierung eines Starter-Centers, das die Anmeldeformalitäten für Existenzgründer durch weniger Bürokratie deutlich reduziert. Und wir waren die erste Kammer bundesweit, die für ihr Konzept zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie zertifiziert wurde. Homeoffice war also schon lange vor Corona bei uns ein Thema. Zuletzt war der Anstoß für eine neue Bildungsakademie sicherlich ebenfalls ein Meilenstein für die Kammer.

BT: Wie hat sich die Kammer über die Jahrzehnte aus Ihrer Sicht entwickelt?
Lutz: Insgesamt sehr positiv. Das lässt sich schon allein an der Zahl der Mitgliedsbetriebe ablesen, die sich fast verdoppelt hat, unter anderem getrieben von einem Existenzgründerboom. Grundsätzlich ist die Kammer von einer klassischen Behörde zu einem Dienstleistungsunternehmen geworden, das quasi rund um die Uhr für seine Mitglieder da ist. Gemeinsam mit unseren Betrieben haben wir in all den Jahren gelernt, wie sich Wirtschaft ständig weiterentwickelt und unsere Philosophie darauf ausgerichtet. Das heißt, immer den Blick zu haben für neue Entwicklungen, und das möglichst frühzeitig. Bestes Beispiel hierfür ist die Digitalisierung, die wir von Anfang an erfolgreich vorangetrieben haben.

BT: Was auffällt: Die Kammer ist in ihrer Arbeit politischer geworden.
Lutz: Richtig. Das liegt daran, dass Klappern heutzutage für das Handwerk unerlässlich ist, um auf sich und seine Interessen aufmerksam zu machen. Das heißt, es ist viel mehr Lobbyarbeit nötig als früher, und zwar nicht nur auf regionaler Ebene, sondern mehr noch auf Landes-, Bundes- und sogar europäischer Ebene. Auch eine Handwerkskammer braucht heutzutage ein internationales Netzwerk, weil auch viele unserer Betriebe inzwischen über die Grenzen hinaus agieren.

BT: Herr Bantleon, die Vollversammlung der Handwerkskammer hatte Sie schon im November 2020 zum neuen Hauptgeschäftsführer gewählt. Es blieb also genügend Zeit zur Einarbeitung. Ein Vorteil?
Walter Bantleon: Natürlich erleichtert es den Einstieg. Ich konnte mich jetzt mehr als ein Jahr lang in enger Zusammenarbeit mit Gerd Lutz darauf vorbereiten. Hinzu kommt, dass ich quasi als Eigengewächs schon über 16 Jahre bei der Handwerkskammer bin und entsprechende Erfahrungen sammeln konnte. Es ist daher ein Stabwechsel mit viel Kontinuität.

BT: Wo sehen Sie Ihre Schwerpunkte für die nächsten Jahre?
Bantleon: In erster Linie geht es darum, die Dinge zu Ende zu denken und rechtzeitig Zukunftsfelder zu besetzen. Gemeinsam mit dem Vorstand der Kammer wird hierzu eine Strategieplanung erarbeitet. Das Handwerk befindet sich im steten Wandel, und dem müssen wir als Dienstleister gerecht werden. Natürlich spielt aktuell die Digitalisierung eine zentrale Rolle, wo wir unsere Serviceleistungen über ein digitales Kundenportal weiter verbessern möchten. Daneben sind Themen wichtig, die uns schon über einen längeren Zeitraum hinweg beschäftigen, wie etwa die Sicherung und Gewinnung von Fachkräften. Hierzu gehört der unumgängliche Neubau der Bildungsakademie. Für die Zukunft des Handwerks von entscheidender Bedeutung ist auch die Frage der Betriebsnachfolge. In Baden-Württemberg sind 45 Prozent der Betriebsinhaber älter als 50. Mir persönlich besonders am Herzen liegt zudem die Stärkung des Ehrenamts im Handwerk. Es wäre schön, wenn zu den bereits etwa 2.000 Ehrenamtlichen in den verschiedenen Gremien noch weitere hinzukommen könnten. Außerdem gewinnt eine aktive Öffentlichkeitsarbeit für unsere Kammer immer mehr an Bedeutung. Über allem steht momentan jedoch die Unterstützung der Betriebe bei der Bewältigung der Corona-Pandemie. Hier konnten wir in der Vergangenheit schon sehr viel erreichen, aber das Thema wird uns sicherlich noch eine Weile begleiten.

BT: Stichwort Corona: Wie ist die aktuelle Lage in den Betrieben?
Lutz: Wirtschaftlich gesehen ist sie sehr stabil, das bestätigen uns die Rückmeldungen aus den Betrieben. Für das vergangene Jahr rechnen wir mit einem Wachstum zwischen zwei und drei Prozent, bei einem Gesamtumsatz von etwa 15,7 Milliarden Euro. Dies zeigt, dass das regionale Handwerk mit seinen rund 119.000 Beschäftigten relativ gut durch die Corona-Krise gekommen ist. Allerdings gibt es Branchen wie den Messebau, die Friseure oder das Nahrungsmittelhandwerk, die stärker betroffen sind. Unabhängig von Corona machen dem Handwerk zurzeit jedoch weitaus mehr die teilweise unterbrochenen Lieferketten und die gestiegenen Materialpreise zu schaffen. Beides trifft letztlich auch die Kunden.

„Machen uns für Verlängerung stark“


BT: Im Zusammenhang mit der Corona-Krise hat das Handwerk von den Wirtschaftshilfen des Bundes profitiert. Ist in der aktuellen Situation eine weitere Unterstützung vonnöten?
Bantleon: Aus unserer Sicht eindeutig ja. Wir haben in der Vergangenheit schon rund 11.000 Anträge unserer Mitgliedsbetriebe auf staatliche Hilfen für den Kammerbezirk abgewickelt. Nun geht es darum, dass beispielsweise ein erfolgreiches Instrument wie das Kurzarbeitergeld weitergeführt wird. Dies wäre für die Betriebe nach wie vor sehr wichtig. Wir machen uns als Handwerkskammer daher für dessen Verlängerung stark.

Ihr Autor

Jürgen Volz

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Erstellt:
31. Januar 2022, 20:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 54sec

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