Hannelore Stengel feiert runden Geburtstag

Bühl (wv) – Ehrenämter hat sie zur Genüge bekleidet. Allein 33 Jahre lang leitete Hannelore Stengel den Bühler Frauenbund. Sie feiert dieser Tage ihren 90. Geburtstag.

Auch mit 90 Jahren noch außerordentlich aktiv: Hannelore Stengel.  Foto: Werner Vetter

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Auch mit 90 Jahren noch außerordentlich aktiv: Hannelore Stengel. Foto: Werner Vetter

Ein großes Geburtstagsfest wird es wegen der Corona-Beschränkungen nicht geben, doch Hannelore Stengel hätte Grund genug zum Feiern: Heute vollendet die Ehrenvorsitzende des Bühler Frauenbundes ihr 90. Lebensjahr. Nicht nur um diesen hat sie sich in Ehrenämtern jahrzehntelang hohe Verdienste erworben.
Eines hat ihr sozusagen einen Adelstitel beschert: Im Volksmund wird sie „Königinmutter“ genannt, denn von 1986 an betreute sie 22 Jahre lang die Bühler Zwetschgenköniginnen als Ratgeberin und Begleiterin, immer mit Nadel und Faden für textile Notfälle bei den Auftritten der Majestäten ausgerüstet.

In Baden-Baden geboren, ist die Tochter von Josef und Johanna Ernst (geb. Wagner) dennoch eine waschechte Bühlerin. In der Zwetschgenstadt besuchte sie Volksschule und Höhere Handelsschule, die sie 1948 mit Mittlerer Reife abschloss. Weil die Lehrstelle für ihren Traumberuf Schneiderin besetzt und Lehrstellen insgesamt knapp gewesen seien, habe sie eine Ausbildung bei der Bühler Obstabsatzgenossenschaft begonnen, wodurch ihr Vater auch ihr Chef geworden sei. Sie habe bei der OAG als Kontoristin und „Mädchen für alles“ gearbeitet, blickt Stengel zurück.

Die Zuneigung zwischen Hannelore und ihrem Klassenkameraden Rolf hatte sich schon in der Handelsschule entwickelt. Sie heirateten 1953. Als Tochter Petra 1958 zur Welt kam, gab Hannelore ihre Berufstätigkeit auf. Die goldene Hochzeit im Kreise der Familie zu feiern, war den Eheleuten bei bester Gesundheit vergönnt. Schmerzlicher Verlust: Völlig unerwartet starb Rolf Stengel im Februar 2008, zwei Tage nach seinem 77. Geburtstag.

Hannelore Stengel war 1955 in den Ortsverein Bühl des Deutschen Hausfrauenbundes eingetreten und arbeitete sofort im Vorstand mit. Seit 1980 prägte sie als erste Vorsitzende 33 Jahre lang ideenreich und zupackend die Entwicklung des Vereins, der 2002 als Bühler Frauenbund eigenständig wurde. Dieser würdigte 2013 Stengels Verdienste mit der Ernennung zur Ehrenvorsitzenden. Als neue Vorsitzende wurde ihre Tochter Petra Häringer gewählt.

Oberbürgermeister Hans Striebel hatte 2008 bei der Überreichung der Landesehrennadel auch das Engagement Hannelore Stengels bei Zwetschgenfesten, Narrensuppenessen und Arbeitseinsätzen für Städtepartnerschaften gewürdigt. Auch in den Vorständen des DRK-Ortsvereins und des Fördervereins Stadtmuseum brachte sie sich ein.

„Einzige Frau im Kurs“

Fast 70 Jahre Fahrpraxis hat Hannelore Stengel hinterm Lenkrad gesammelt. 21 Jahre jung (damals gerade volljährig) hatte sie auf Wunsch des OAG-Vorstands die Führerscheinprüfung abgelegt. „Ich war die einzige Frau im Kurs“, erinnert sie sich an ihre für die damalige Zeit ungewöhnliche Emanzipation.

Eine kürzlich anstehende TÜV-Prüfung ihres Pkws war für sie Anlass, grundsätzlich über das „Wie-lange-kann-ich-noch-fahren?“ nachzudenken – mit dem Ergebnis: Ende November hat sie ihr Auto abgemeldet, obwohl sie sich auch mit ihren 90 Jahren noch völlig fahrtüchtig fühlt.

„Ich vermisse das Auto zwar, doch ich komme auch so zurecht“, ist sie sich sicher. Sie kocht begeistert, schreibt ihre Briefe am Computer, leistet im Stadtmuseum Dienst, hat sich im Internet die Filmchronik der Stadt Bühl des Jahres 1960 angeschaut, die ihr Ehemann Rolf einst gedreht hatte, und: Sie wird weiter an den Veranstaltungen „ihres“ Frauenbundes teilnehmen, wenn diese – nach dem Lockdown – wieder möglich sind.

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Erstellt:
4. Januar 2021, 11:00 Uhr
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