„Hannes und der Bürgermeister“ zu Gast in Bühl

Bühl (urs) – Nichts verlernt haben in der Corona-Zwangspause „Hannes und der Bürgermeister“: Endlich durften die beiden auch wieder in Bühl auftreten und begeisterten dort in gewohnter Manier.

Albin Braig (rechts) und Karlheinz Hartmann glänzen als „Hannes und der Bürgermeister“ im Bühler Bürgerhaus Neuer Markt. Foto: Ursula Klöpfer

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Albin Braig (rechts) und Karlheinz Hartmann glänzen als „Hannes und der Bürgermeister“ im Bühler Bürgerhaus Neuer Markt. Foto: Ursula Klöpfer

Endlich machten sie wieder in Bühl Station: der Querulant und sein schlitzohriger Amtsbote. Nachdem „Hannes und der Bürgermeister“ coronabedingt im vergangenen Jahr mit ihrem Programm „Herrgott, no hilf mr halt nuff!“ ausfallen musste, versetzten die beiden bekannten Fernsehstars am Montag- und Dienstagabend die Zuschauer im Bürgerhaus Neuer Markt in Hochstimmung.

Hemmungsloses Lachen, Losprusten und Schnappatmung inklusive: Das bekannte schwäbische Duo hat auch in der allgemeinen Kultur-Zwangspause nichts von seinem Humor und seiner Publikumsnähe eingebüßt und ist mit seinen Inhalten dazu noch am Puls der Zeit geblieben. So ist nicht nur Corona mit einem „Goschlappen“ in des Deutschen beliebtester Amtsstube eingezogen, sondern auch die Gender-Diskussion, Natur- und Artenschutz-Debatten sowie das Thema Wahlkorruption („Wer zahlt, gewinnt“, so der Schultes).

Nach wie vor lassen sich bei den beiden die großen und kleinen Probleme des „Läbens“, mit einem „Schnäpsle“ beheben. Ein Ritual, das zum Programm des spitzbübischen Hannes und dem cholerischen Dorfschulze gehört wie „Herrn Stumpfes Zieh & Zupf Kapelle“, die sich wie immer als traditionsverbundene und professionelle Musiker entpuppten.

Beeindruckende schauspielerische Leistungen

Hat man Albin Braig und Karlheinz Hartmann einmal live auf der Bühne erlebt, weiß man, woher ihr Kultstatus rührt. Immer wieder beeindruckend sind die schauspielerischen Leistungen von Albin Braig und Karlheinz Hartmann, der in seiner Paraderolle als Bürgermeister wie eh und je glänzte. Mit Leidenschaft brüllt, zetert und donnert er gegen alles und jeden. Aber vor allem Albin Braig begeisterte an diesem Abend in seiner Rolle als Schlawiner. Er stottert, stammelt und scheint die richtigen Worte kaum zu finden. Dann prusten Bürgermeister und Hannes los. Kalkül oder Spontanität? Dem Zuschauer bleibt diese Antwort verborgen, verfehlt aber seine Wirkung nicht. Gelächter und spontaner Applaus steigern im Nu das Stimmungsbarometer.

Der Bürgermeister betritt seine Amtsstube – und sofort ist man drin im alltäglichen Wahnsinn des plump vertraulichen Amtsboten und seines stets gereizten, polternden Chefs. So hat Widersacher Schlotterbeck eine Intrige gegen den Rathauschef angezettelt und sägt an seinem Stuhl. Betrunken auf allen vieren kriechend sei der Schultes des Nachts aus dem Wirtshaus „Ochsen“ herausgekrabbelt. Untragbar für die Stadt. Dabei wollte der Bürgermeister nach eigenen Aussagen „nur volldesinfiziert den Straßenbelag in Augenschein nehmen“. Hannes verbringt seinen Urlaub dagegen in „Karaoke“ (Quarantäne). Sein Rezept gegen die überbordende Virenlast ist simpel: Einreiben mit 70-prozentigem Vorlauf. „Der brennt allerdings ein wenig am Hotspot.“

Von Schnecken und „Schneggle“ – und „Schnäpsle“

In fünf verschiedenen Szenen verblüfft der naseweise Hannes seinen Dienstherrn immer aufs Neue. Lösungen hat er immer parat. Gegen die Käferplage im Rathaus trägt er stets ein „Käferschächtele“ in der Hosentasche, jeder seiner neu entworfenen Werbeslogans für das Land Baden-Württemberg treibt Lachtränen in die Augen. Auch seine Heiratspläne sind mehr als skurril, denn um Steuern zu sparen, würde er sogar den Bürgermeister ehelichen. Zu guter Letzt bleibt nur eine Option offen: Hannes ehelicht seine gute Seite, die ja jeder in sich trage. Ob Hashtag oder Heckmeck, Herrein oder Fraurein, der Bürgermeister und sein Hannes verdrehen Inhalte, Worte und Gegebenheiten. So bringen den Rathaus-Chef die unzähligen Schnecken in seinem Salat, den Hannes die „Schneggle“ um den Verstand. „Die Nacktschneggle oder die mit Häusle?“, fragt der Bürgermeister prompt. Hannes stöhnt: „Die mid de Strumpfhosen.“ Seine Fangstrategie ist wie immer haarsträubend: „I däd mi sogar als Salat verkleide, wenn ich eines der Schneggle anlocken würd. Mein Geist ist schwach, mein Fleisch ist willig.“

So gibt es für einen Griff in die rechte untere Ecke des Schreibtisches immer einen „vernünftigen Grund“, denn ein Schnäpsle hilft (fast) gegen alles. Während also auf der Bühne jede Menge geschnäpselt wird, lechzen die Kehlen im Zuschauerraum nach Flüssigkeit. „Eine etwas trockene Veranstaltung“, witzelte ein Besucher, denn aufgrund der Corona-Verordnung durfte in der Pause immer noch kein Ausschank im Foyer des Bürgerhauses stattfinden.

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Erstellt:
6. Oktober 2021, 14:00 Uhr
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