Hans Peter Maisch aus Bühl sammelt Fastnachtsschätze

Bühl (BNN) – Ein Jäger und Sammler der Fastnachtsschätze: Hans Peter Maisch war 28 Jahre lang Zunftmeister der Narrhalla und dokumentiert seit 1972 das Geschehen.

Eineinhalb Kilogramm: So viel wiegt der Orden, den Hans-Peter Maisch zum Abschied aus dem Amt des Narrhalla-Zunftmeisters erhalten hat. Foto: Wilfried Lienhard

© pr

Eineinhalb Kilogramm: So viel wiegt der Orden, den Hans-Peter Maisch zum Abschied aus dem Amt des Narrhalla-Zunftmeisters erhalten hat. Foto: Wilfried Lienhard

Masken, Orden, Bilder: Hans-Peter Maisch hat zahllose Bühler Exemplare gesammelt. Der frühere Narrhalla-Zunftmeister ist Fastnachter durch und durch – kein Wunder angesichts der Umstände seiner ersten Erdenstunden.

Hans-Peter Maisch musste ein Fastnachter werden, anders kann es nicht sein. Seinen ersten Schrei tat er an einem Mittwoch vor dem Schmutzigen Donnerstag, seine ersten Erdentage waren Fastnacht, Fastnacht und noch mal Fastnacht. Und als ob es noch eines Beweises bedurft hätte, kramt Maisch ein Bild heraus, nicht irgendein Bild, sondern das erste, das von ihm an jenem 20. Februar 1952 aufgenommen wurde: Mutter Frieda wiegt in den Armen den Sohnemann, auf dessen Kopf bereits eine kleine Narrenmütze prangt. „Die kam vom Krankenhaus“, sagt Maisch heute, 70 Jahre später.

Dass die Fastnacht in der Familien-DNA angelegt ist, hat die närrische Laufbahn wohl nicht minder festgelegt. Maischs Vater war Gründungsmitglied, als die Narrhalla 1961 zum Verein geworden ist, und viele Jahre ihr Vize-Zunftmeister, auch noch, als der Sohn sich per Ultimatum Zugang in den erlauchten Narrhalla-Kreis verschaffte. Als Jugendlicher habe er geholfen, den Friedrichsbau in ein närrisches Gewand zu bringen, aber zur Fastnacht durfte er des Jugendschutzes wegen vor dem 18. Geburtstag nicht mit. Noch am 20. Februar 1970 erklärte der Sohn dem Vater: „Entweder nimmst Du mich jetzt mit in den Narrhalla-Keller, oder ich gehe zu den Hexen.“

28 Jahre an der Spitze der Zunft

Hans Maisch öffnete dem Sohn die Tür zur Narrhalla – und bescherte dieser ein neues Mitglied, das die Zunft über viele Jahre prägen sollte – nach außen und innen. 1986 trat Hans-Peter Maisch an die Spitze der Zunft: „Ich bin einmal zu spät zur Zunftsitzung gekommen, da hatten sich die Herren schon auf mich geeinigt“, lacht er. 28 Jahre blieb er im Amt. Eine andere Aufgabe hatte er schon viel früher übernommen, und noch heute erfüllt er sie mit Hingabe: 1972 wurde er zum Chronisten der Narrhalla. So nüchtern der Satz da steht, so untertrieben ist die Formulierung: Maisch, der sich selbst als „Jäger und Sammler“ apostrophiert, sammelt und dokumentiert alles, was mit der lokalen Fastnacht zu tun hat, auch mit der eigenen Kamera, und auch das übrige Geschehen in der Stadt hat er im Auge. So entstehen Jahr für Jahr dicke Bände: „Da kommen schon mal 1.700 oder 1.800 Seiten zusammen.“ Sie werden im Stadtgeschichtlichen Institut verwahrt.

Das zeigt, worum es Maisch geht: das Wissen und die Tradition zu bewahren, ihre Objekte zu erhalten. „Ich habe bei anderen Vereinen gesehen, was alles verschwindet. Das wollte ich nicht.“ Den Narrenräten sagte er: „Ihr seid nicht vereinstauglich, wenn ihr die Geschichte nicht kennt.“ Natürlich sorgte er dafür, dass sie die Geschichte kennenlernten.

Orden, Masken und Narrenbücher

Sein Zuhause machte Maisch zu einer Art Fastnachts-Museum. Masken, Orden, Zeremonienstäbe – jedes einzelne Stück weiß seine ganz eigene Geschichte zu erzählen, und Maisch kennt sie alle. Da ist der Zeremonienstab von 1927, jenem Jahr, als die Narrhalla mit einjähriger Verspätung – 1926 hatte sie wegen schwerer wirtschaftlicher Zeit und Not auf eine größere Feier verzichtet – ihr vermeintliches 100-Jähriges feierte, vermeintlich deswegen, weil mittlerweile bekannt ist, dass die Narrhalla-Geschichte schon ein bisschen länger andauert.

Da sind die Orden der Narrhalla: seit 1951, als es gleich drei verschiedene gab, lückenlos dokumentiert. Zuletzt hat die Sammlung Zuwachs erhalten, aus den Jahren 1927 und 1938, ein weiterer muss ähnlich alt sein, ist aber nicht exakt zu datieren. Besonders am Herzen liegen Maisch die Hausorden von 1961. Genau 33 Stück gibt es, und Maisch weiß, wo jeder einzelne ist und wer ihn gerade trägt – sie werden nach der aktiven Zeit weitergegeben.

Und da waren die Masken fast aller Bühler Zünfte. Zwei fehlten, weil Maisch die Zünfte noch nicht alt genug erschienen, den Allda-Esel wiederum gab es nicht, weil niemand aus der Gruppe die Maske zu Hause haben darf: „Da kann es für mich natürlich keine Ausnahme geben.“ Da waren die Masken – Vergangenheitsform, weil Maisch nach einem Umzug nur noch begrenzt Platz hat. Viele Fastnachts-Utensilien hat er zur Lagerung an Georg Friedmann übergeben, und irgendwann soll ihr Platz im Stadtgeschichtlichen Institut sein. Die Jagd aber hat Maisch noch nicht aufgegeben. Das zweite Bühler Narrenbuch in Händen zu halten, das wäre (nicht nur) für ihn wie ein Sechser im Lotto. Aber noch hält sich der heilige Gral der Bühler Fastnacht verborgen.

Die verschiedenen Bühler Narrenbücher

Das erste Bühler Narrenbuch haben die Jesuiten in Ottersweier verbrannt. „Sie hatten die unflätigsten Stellen zuvor geschwärzt“, erzählt Hans-Peter Maisch lachend. „Am Ende war dann so viel schwarz, dass sie es verbrannt haben.“ Bevor die Jesuiten zündelten, fertigten sie eine Abschrift des Buches an, also der noch übrigen weißen Stellen. Diese Abschrift gilt als zweites Bühler Narrenbuch und ist heute das Objekt der Narrhalla-Begierde. Die Suche führt durch halb Europa, auch nach Rom in die Vatikanischen Archive und das Archiv der Jesuiten. Bislang ist die Fahndung erfolglos.

Das dritte Narrenbuch von 1826 ist, solange sein Vorgänger nicht wieder ans Licht kommt, das älteste Exemplar. Es ist anders als heute kein Protokollbuch, es listet Verfehlungen der Bühler Bürger auf. Maisch erinnert an den geflügelten Ausspruch: „Wenn d‘ nitt uffbasch, kommsch ins Narrebuch.“

Das vierte (bis 1986) und fünfte (seither) sind bereits Kinder der Moderne. Roland J. Meixel führt es aktuell und hat dabei auch den Wirkungskreis auf die Zünfte des ehemaligen Kreises Bühl erweitert. „Deren Geschichte darf auch nicht verloren gehen“, sagt Hans-Peter Maisch.

In eigener Sache

Das Badische Tagblatt und die Badischen Neuesten Nachrichten bündeln ihre journalistischen Kräfte und erweitern damit das umfangreiche Leseangebot in Mittelbaden. Noch arbeiten die beiden Redaktionen getrennt, tauschen jedoch schon gegenseitig Inhalte aus. Davon sollen vor allem die Leser profitieren – durch mehr Hintergründe, Reportagen und mehr Service. Deshalb werden auf badisches-tagblatt.de auch Artikel von BNN-Redaktionsmitgliedern veröffentlicht.

Ihr Autor

BNN-Redakteur Wilfried Lienhard

Zum Artikel

Erstellt:
21. Februar 2022, 08:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 4min 05sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.