Hans Schindler will endlich wieder Gäste bewirten

Baden-Baden (tas) – Seit Wochen kein einziger Gast – das geht vielen Restaurant- und Hotelbetreibern an die Nieren. Die Branche hofft nun auf einen konkreten Zeitplan für Lockerungen im Südwesten.

Hans Schindler in seinem (noch) leeren Biergarten: „Das Thema Hygiene ist für uns Gastronomen eines der obersten Gebote.“ Foto: Zeindler-Efler

© Monika Zeindler-Efler

Hans Schindler in seinem (noch) leeren Biergarten: „Das Thema Hygiene ist für uns Gastronomen eines der obersten Gebote.“ Foto: Zeindler-Efler

Wenn es nach Hans Schindler geht, könnte er in ein bis zwei Tagen starten. „Die Menschen warten sehnsüchtig darauf, wieder einmal ausgehen zu können. Sie haben einen großen Nachholbedarf“, sagt der Chef des Gasthauses Auerhahn in Geroldsau. „Wenn man uns lässt, sind wir gewillt, viel zu bewegen.“
Seit Wochen ist der Gastronom und Erste Vorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga im Stadtkreis Baden-Baden zum Nichtstun verdammt. „Wir haben renoviert, einiges in Ordnung gebracht und uns um andere Kleinigkeiten gekümmert“, sagt Schindler. „Aber man kann nicht acht Wochen lang den Keller aufräumen.“

Nun warten die 24 Mitarbeiter und der Chef des Auerhahns darauf, wieder Menschen in Hotel, Restaurant und Biergarten bewirten zu können. Stattdessen ist der Betrieb wie leergefegt. „Der Laden ist tot, es ist eine Katastrophe“, sagt Schindler.

Der Lockdown kam laut dem Gasthaus-Inhaber zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Januar und Februar seien für Gastronomen die schwächsten Monate des Jahres. „Danach sind die Kassen in der Branche schon relativ leer. Und in dieser Situation wurde uns der stärkste Monat – nämlich der Mai mit vielen Feiertagen, Veranstaltungen und dem Start der Außensaison – weggenommen.“ Existenzen, die sich viele Gastronomen über Jahrzehnte erarbeitet hätten, stünden nun vor dem Ruin.

Trotz allem bewertet der Mittelständler die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie und die Hilfen des Staates als richtig. „Wir sind sehr dankbar dafür, was mit dem Land Baden-Württemberg an Unterstützungen verhandelt wurde.“ Die Unternehmen könnten damit erst einmal über die Runden kommen. Aber: „Die Kredite müssen verzinst zurückgezahlt werden.“ Um das zu erwirtschaften müsse das übliche Umsatzniveau wie vor der Corona-Krise her. „Wenn die Einnahmen aber auf 30 bis 40 Prozent einbrechen, wird das natürlich schwierig.“

Die Stimmung in der Gastronomiebranche bezeichnet Schindler derzeit als explosiv. Die Branche warte mit Ungeduld auf einen handfesten Öffnungsbeschluss. „Wenn heute oder morgen nichts Konkretes kommt, gehen die Gastronomen auf die Barrikaden.“

Eigentlich hatte sich die Branche nach der Videokonferenz der Regierungschefs der 16 Bundesländer mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am Mittwoch einen belastbaren Zeitplan für eine Lockerung in der Gastronomiebranche erhofft. Doch die Pläne blieben an diesem Tag noch wage – zumindest im Südwesten. Schon zuvor hatten Bundesländer wie Mecklenburg-Vorpommern oder Niedersachsen ihre Lockerungspläne bereits vorgestellt.

Immerhin konkretisierte Baden-Württembergs Tourismusminister Guido Wolf (CDU) am Donnerstag seine Vorstellungen etwas – Eröffnung der Außengastronomie am 18. Mai, der Innenräume der Restaurants am 25. Mai und der Hotels am 30. Mai. Doch diese Idee bezeichnet Schindler als das „Äußerste der Gefühle“, und fordert: „Wir brauchen klare Vorgaben, an die wir uns halten werden. Was passiert beispielsweise bei einem Gewitter in Öffnungsphase eins? Darf ich die Gäste des Biergartens dann in den Innenraum lassen?“

Der Gasthaus-Betreiber bittet die Politik hier auch um Vertrauen. „Es ist vollkommen klar, dass wir über die Vorgaben hinaus selbst noch an kleinen Schrauben drehen können, um für noch mehr Sicherheit zu sorgen. Das Thema Hygiene ist für uns Gastronomen ja ohnehin eines der obersten Gebote.“

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Erstellt:
8. Mai 2020, 06:00 Uhr
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ca. 2min 34sec

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