„Harold und Maude“ ab dem 15. Oktober im Theater Baden-Baden

Baden-Baden (co) – Sie sind absolut ungleich. Aber es ist eine Liebe, die inniger denn je ist. „Harold und Maude“ feiert am 15. Oktober Premiere im Theater Baden-Baden.

Rosalinde Renn und Lukas-Samuel Juranek verkörpern das Liebespaar Harold und Maude. Foto: Conny Hecker-Stock

© co

Rosalinde Renn und Lukas-Samuel Juranek verkörpern das Liebespaar Harold und Maude. Foto: Conny Hecker-Stock

Mit der Inszenierung von „Harold und Maude“, die am Freitag und Samstag, 15. und 16. Oktober, Premiere feiert, bringt das Theater eine Liebesgeschichte voller Poesie, Charme und Tiefgang auf die Bühne, deren Thema in der Gesellschaft immer noch nicht wirklich angekommen ist.

In den 70er Jahren war „Harold und Maude“ der Filmklassiker schlechthin. Es ist die Geschichte einer zarten und doch so intensiven ersten und letzten Liebe, die in den Augen der Gesellschaft wegen des immensen Altersunterschiedes nicht sein darf. Denn der verschrobene, weltfremde, schüchterne Harold ist gerade volljährig geworden, während die extrovertierte Maude, die voller Temperament und Freiheitsliebe ihr Leben intensiv auskostet, kurz vor ihrem 80. Geburtstag steht.

Der depressive Harold ist technisch versiert und hat bereits mehrfach seinen eigenen Tod inszeniert, weshalb auch sein Darsteller Lukas-Samuel Juranek auf der Bühne einige Male sterben muss. Um echte Emotionen zu erleben, besucht er immer wieder fremde Beerdigungen. Dabei lernt er die lebensfrohe und völlig unkonventionelle Maude kennen, verkörpert von Rosalinde Renn, die dem Jungen Raum gibt und ihn zurück ins Licht führt.

Provozierendes Thema mit viel Poesie

Regisseurin Jenke Nordalm fühlte sich von dem provozierenden Thema angesprochen, in dem neben den makabren Anteilen sehr viel Poesie mitschwingt: „Meist wird eine solche Verbindung, die niemandem schadet, mit gehässigen Kommentaren belegt, während die Beziehung eines älteren Mannes zu einer jungen Frau von der Gesellschaft toleriert wird.“ Maudes Entschluss, an ihrem 80. Geburtstag freiwillig von der Weltbühne abzutreten, sieht sie ebenfalls als aktuelles Thema in Hinblick auf selbst gewählten Suizid.

Maude kostet ihr Leben aus und entscheidet dann selbst, es ist genug. Doch zuvor gelingt es ihr, Harolds eingefrorene Seele zu erreichen „du willst gar nicht sterben, du weichst nur vor dem Leben zurück“. Als Mutter von zwei Teenagern, die „mittelheile“ durch die Corona-Zeit gekommen sind, kann sich Regisseurin Nordalm besonders gut in den Theaterstoff und Harolds Probleme einfühlen. Die fehlenden Kontakte in einer Lebensphase, in der Cliquenbildung als tragende Säule sozialen Lebens so wichtig ist, würden gerade jetzt eine ganze Generation prägen. Der, ähnlich wie Harold, „wieder auf die Füße geholfen werden muss“. Dramaturgin Miriam Fehlker verspricht ein spannendes, gefühlvolles und trotzdem urkomisches Stück über Sehnsucht, Wahrheit und zarte Liebe „im besten Fall wird es eine Achterbahnfahrt“.

Die beiden Hauptdarsteller empfinden nach eigenen Worten ein sich erkennen, eine Liebe voller Vertrauen und Zärtlichkeit mit einer besonderen Form von Intimität. Vesna Hiltmann hat dazu eine Rauminstallation aus zwei drehbaren Flügeln entwickelt. Man kann hineingehen in das Zimmer von Harolds wohlhabender Familie, eine Drehung versetzt in Maudes Erinnerungsraum, die rückwärtigen Flügel symbolisieren ebenso eine Kirchenwand wie den Friedhof. Die weiteren Rollen, wie etwa Harolds Therapeut oder seine unnahbare Mutter, werden teils als Karikaturen ihrer selbst dargestellt. Wobei Miriam Fehlker zum Abschluss des Pressegesprächs zu Recht sinnierte: „Die sich finden, sind vielleicht gar nicht die Schrägen, sondern die anderen drum herum.“

Zum Artikel

Erstellt:
6. Oktober 2021, 07:02 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 32sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.