„Hauptsache, Papa ist bei der Geburt dabei“

Rastatt/Baden-Baden (for/naf) – Unterschiedliche Regelungen rund um die Entbindung verunsichern derzeit viele werdende Eltern. Eine Frage ist besonders im Fokus: Darf der Vater mit in den Kreißsaal?

Die gemeinsame Zeit ist rar: Nach der Geburt dürfen Väter aufgrund der Corona-Krise in vielen Krankenhäusern nicht lange bei ihren Familien bleiben. Foto: Waltraud Grubitzsch/dpa

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Die gemeinsame Zeit ist rar: Nach der Geburt dürfen Väter aufgrund der Corona-Krise in vielen Krankenhäusern nicht lange bei ihren Familien bleiben. Foto: Waltraud Grubitzsch/dpa

Der erste laute Schrei, kleine Beine, die wild strampeln und der Blick einer erschöpften Mutter, die überglücklich ihr Neugeborenes in den Armen hält. Für die meisten Väter ist dieser Moment einer der schönsten in ihrem Leben und mit kaum einem anderen Erlebnis zu vergleichen. Die Corona-Pandemie kann die Vorfreude allerdings trüben. Viele werdende Eltern sind unsicher, wie die Geburt unter diesen außergewöhnlichen Umständen ablaufen wird. Eine Frage steht dabei ganz besonders im Fokus: Darf der Vater mit in den Kreißsaal?

„Großes Ereignis in meinem Leben“

Christian Rapp aus Sulzbach befindet sich gerade in dieser Situation. Voraussichtlich im März wird er zum ersten Mal Vater. Die Freude ist riesig, ähnlich groß ist aber auch die Unsicherheit, ob er – wenn es soweit ist – überhaupt bei der Geburt seines Sohnes dabei sein kann, denn die weitere Entwicklung der Corona-Pandemie und der damit einhergehenden Schutzmaßnahmen in den Kliniken sind derzeit nur schwer einzuschätzen. „Für mich ist die Geburt meines Kindes auf jeden Fall ein großes Ereignis in meinem Leben“, betont Rapp. Und insbesondere beim ersten Kind sei die Aufregung groß. Dass seine Partnerin ohne seine Unterstützung im Kreißsaal liegt, während er möglicherweise mehrere Stunden im Auto verharren muss, unwissend, was hinter den verschlossenen Kliniktüren gerade passiert – daran möchte Rapp eigentlich nicht denken.

Regeln können sich ständig ändern

Ähnlich unsicher sind auch Sarah Reuter und Sandra Glatt aus Plittersdorf. Die beiden sind schon seit längerer Zeit befreundet und beide zur gleichen Zeit schwanger. Reuter erwartet ihr Kind voraussichtlich Mitte April, Glatt Anfang Juni. Wo und vor allem unter welchen Bedingungen die Geburt ablaufen soll, darüber haben sich die Frauen noch nicht im Detail informiert. „Schließlich können sich die Regeln bis April ja ohnehin schon wieder geändert haben“, befürchtet Reuter. Was heute gilt, könne morgen schon wieder veraltet sein, weiß auch Rapp.

Keine Maskenpflicht während Press-Phase

Einheitliche Vorgaben des Landes, welche Schutzvorkehrungen bei einer Geburt in Corona-Zeiten vorgenommen werden müssen und welche Regeln dann für die Väter gelten, gibt es laut dem Sozialministerium in Baden-Württemberg nicht. „Das liegt daran, dass die Gegebenheiten und Abläufe in den Krankenhäusern zu unterschiedlich sind“, erklärt Pressesprecher Pascal Murmann. Wie die Abläufe bei der Geburt gestaltet werden, entscheide deshalb jedes Krankenhaus im Rahmen seines Hygienekonzepts individuell. „Der Infektionsschutz hat dabei aber immer Priorität“, betont er.

Lediglich die Vorgabe, dass alle Patienten einen Mund-Nasen-Schutz tragen müssen, gelte für alle Krankenhäuser, ergänzt Andreas Müller, Klinikdirektor beim Städtischen Klinikum Karlsruhe (SKK). Aber: „Das ist nicht in allen Phasen der Geburt umsetzbar“, weiß er. Während der Presswehen können die Schwangeren im SKK ihre Masken abnehmen. „Einen Sauerstoffmangel unter der Geburt habe ich zwar noch nie erlebt“, berichtet Müller, das Maskentragen während der gesamten Geburt „muten wir den Frauen aber nicht zu“.

Isolierte Räume für Corona-Infizierte

Generell muss jeder Patient sowie jeder Besucher, der das Klinikum betritt, angeben, ob er an Corona-Symptomen leidet oder kürzlich in einem Risikogebiet war. Ist das der Fall, entscheidet der diensthabende Arzt, wie vorgegangen wird. Schwangere werden bei der Aufnahme zusätzlich auf das Virus getestet. Sind sie Corona-positiv, gibt es isolierte Räume im Kreißsaal und auf den Wochenstationen, die mit besonderen Ausrüstungen für das Personal entsprechend vorbereitet sind. Für die Schwangeren selbst ändert sich – bis auf die Isolation – kaum etwas.

Unterschiedliche Besucherregelungen

Zurück zum Kreißsaal: Dort kann der Mann die ganze Zeit unterstützend zur Seite stehen. Geht es nach der Geburt auf die Wochenstation, gelten für ihn die normalen Besuchsregeln – im SKK kann der Vater zwischen 15 und 19 Uhr eine Stunde lang bleiben. Besuchen darf nur die Begleitperson, die bei der Entbindung dabei war.

Im Klinikum in Balg ist das ähnlich. Das Familienzimmer bleibt unbenutzt und pro Tag kann ein Besucher zwischen 12 und 19 Uhr eine Stunde lang vorbeischauen. „Wir versuchen, so familienfreundlich wie möglich zu sein“, betont Susanne Baus. Die leitende Hebamme lässt die Frauen „extra länger im Kreißsaal“, um den Vätern etwas mehr Zeit mit ihren Neugeborenen zu geben. Im Gegensatz zum SKK dürfen Männer in Balg aber erst ab Geburtsbeginn in den Kreißsaal. „Leichte Kontraktionen und ein Blasensprung bedeuten nicht, dass es gleich losgeht“, erklärt Baus. Bis es so weit ist, sollen sie in greifbarer Nähe warten.

Anders sieht es bei den ViDia-Kliniken in Karlsruhe aus, zu denen das Diakonissenkrankenhaus und die Vincentius-Klinik gehören. Zwar darf der Vater auch dort bei der Geburt dabei sein, kann Frau und Kind danach jedoch nicht besuchen. „Wie in allen Bereichen der ViDia-Kliniken gilt das generelle Besuchsverbot zum Schutz der Patienten auch auf unseren Entbindungsstationen“, klärt Pressesprecherin Melanie Barbei auf.

Schwangerschafts-Yoga mithilfe von Youtube-Videos

Weil ihr Präsenzkurs coronabedingt nicht stattfindet, greifen Sarah Reuter (links) und Sandra Glatt beim Schwangerschafts-Yoga auf Youtube-Anleitungen zurück. Foto: privat

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Weil ihr Präsenzkurs coronabedingt nicht stattfindet, greifen Sarah Reuter (links) und Sandra Glatt beim Schwangerschafts-Yoga auf Youtube-Anleitungen zurück. Foto: privat

Glatt und Reuter äußern wie viele Schwangere den Wunsch, ihre Männer im Kreißsaal bei sich zu haben. „Dass mein Mann mich derzeit nicht zu den Ultraschall-Untersuchungen begleiten darf, ist zwar schade, aber zu verkraften. Hauptsache, Papa ist dann bei der Geburt dabei“, hofft Glatt. Eingeschränkte Besuchszeiten auf der Wochenstation stören die beiden Frauen aber kaum: „Ich finde es gar nicht schlecht, die ersten Tage in Ruhe mit dem Baby verbringen zu können“, sagt Reuter.

Bis es so weit ist, bereiten sich die beiden körperlich schon ein wenig auf die Geburt vor: Zweimal in der Woche treffen sie sich zum Schwangerschafts-Yoga – allerdings nicht wie ursprünglich geplant im Präsenzkurs, sondern im Wohnzimmer mithilfe von Youtube-Videos. Auch Geburtsvorbereitungskurse werden derzeit online angeboten. „Das funktioniert auch wirklich gut und kann manchmal echt witzig sein“, sagt Rapp und schmunzelt. Neben ihm nehmen noch viele weitere Väter an den Onlinekursen teil und ähnlich wie er hoffen sie alle, ihren Partnerinnen dann auch im entscheidenden Moment zur Seite stehen zu dürfen.


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