Haus Benedikt: Gravierende Mängel

Rastatt (ema) – Das Landratsamt hat gegenüber dem Pflegeheim Haus Benedikt eine Teiluntersagung des Betriebs wegen gravierender Mängel verhängt. Mehrere Bewohner wurden verlegt.

16 von 29 Bewohnern des Hauses Benedikt in der Badener Straße wurden umgesiedelt. Foto: Frank Vetter

© fuv

16 von 29 Bewohnern des Hauses Benedikt in der Badener Straße wurden umgesiedelt. Foto: Frank Vetter

Als OB Hans Jürgen Pütsch im August letzten Jahres zur Eröffnung des Hauses Benedikt in der Badener Straße seine Aufwartung machte, war die notwendige Schaffung von Vertrauen ein Aspekt seiner Begrüßungsrede. Dieses Vertrauen ins Pflegeheim scheint erst mal grundlegend erschüttert zu sein. Die Heimaufsicht im Landratsamt Rastatt hat eine Teiluntersagung des Betriebs verhängt – mehr als die Hälfte der Bewohner ist verlegt worden.

Die Behörde sei nach Beschwerden von Bewohnern, Angehörigen und des Personals aktiv geworden und habe die ohnehin engmaschige Kontrolle des Hauses im vergangenen Vierteljahr intensiviert, sagte Landkreis-Pressesprecher Benjamin Wedewart dem BT. Obwohl man dem Betreiber, der Römergarten Residenzen mit Zentrale in Schifferstadt, Hinweise gegeben habe, hätten sich die Zustände nicht verbessert. Es habe „unmittelbare Gefahr für Leib und Leben“ bestanden, bringt der Landkreis-Sprecher den Ernst der Lage auf den Punkt; die Behörde zog deshalb die Reißleine.

Wedewart spricht von einem „Sammelsurium an Verfehlungen“, die dazu führten, dass man sogar eine Komplettschließung erwogen habe. Davon habe man letztlich Abstand genommen, weil einige Bewohner aus dem Umfeld mit persönlichen Bindungen nicht herausgerissen werden wollten.

Lange Mängelliste

Die Liste der „gravierenden Defizite“ ist nach Schilderung des Landkreis-Pressesprechers lang: Mängel wurden festgestellt bei Grund- und Behandlungspflege, Wundversorgung, Medikamentengabe, Dokumentation und Hygiene. „Auf dem Papier“ habe der Betreiber zwar ausreichend Personal; dennoch seien die Schichten nicht angemessen besetzt gewesen. Konsequenz: Demente Bewohner seien teilweise sich selbst überlassen gewesen; Angehörige hätten keinen Ansprechpartner gefunden. Unter den Mitarbeitern gebe es eine starke Fluktuation; neue Kräfte hätten nicht entsprechend eingearbeitet werden können.

Auf 34 Seiten hat die Heimaufsicht in dieser Woche dem Betreiber dargelegt, warum die Behörde sich zur Teiluntersagung entschloss. Die Römergarten Residenzen, die mit dem Haus Barbara im Dörfel noch ein zweites Heim in Rastatt betreiben, haben nun einen Monat Zeit, auf die Anordnung des Landratsamts zu reagieren. Wedewart sagte, dass je nach Entwicklung auch eine Komplettschließung noch möglich sei. Von den 29 Bewohnern – das Pflegeheim hat insgesamt 90 Plätze – sind laut Landratsamt 16 in andere Einrichtungen in der Region umgesiedelt worden. Betroffen seien Senioren mit Pflegestufe 4 und 5 sowie einige mit Pflegestufe 3.

Auf BT-Frage, wie es zu den von der Heimaufsicht kritisierten Zuständen kommen konnte, antwortet man bei den Römergarten Residenzen, die in drei Bundesländern 13 Pflegeheime betreiben, ausweichend. Andres Kupfer von der operativen Leitung des Konzerns bezeichnet die Personalbesetzung mit „gut 30 Mitarbeitern“ als „jederzeit ausreichend“. Um die Versorgung sicherzustellen, habe man auch Leiharbeiter beschäftigt. Die Behebung der Defizite habe begonnen. Kupfer sieht die Teiluntersagung des Landratsamts als „Chance, unsere Mitarbeiter weiterhin intensiv zu schulen und mit ihnen eine belastungsfähige Struktur für die Zukunft zu schaffen“, heißt es in seiner schriftlichen Stellungnahme. Dazu werde man auch einen unabhängigen Pflegegutachter einschalten.


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.