Haus- und Sperrmüllaufkommen gestiegen

Stuttgart (bjhw) – Manche Folgen der Pandemie lassen sich am Müllaufkommen ablesen. Die Abfallbilanz 2020 zeigt: Die Menge an Hausmüll in Baden-Württemberg ist gestiegen.

Braun, grau, grün, gelb: Auf die richtige Mülltrennung kommt es an. Foto: Bernd Weißbrod/dpa

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Braun, grau, grün, gelb: Auf die richtige Mülltrennung kommt es an. Foto: Bernd Weißbrod/dpa

Verbunden mit dem Appell, Müll grundsätzlich anders zu bewerten als bisher, hat Umweltstaatssekretär Andre Baumann (Grüne) die Abfallbilanz 2020 präsentiert. Die wolle er ebenfalls unter das Thema Klimaschutz stellen.

„Früher war Abfall etwas, was auf Deponien verbracht wurde“, so Baumann, „heute geht es um Kreislaufwirtschaft, und das heißt Abfall zu vermeiden oder als Wertstoff zu nutzen.“

Gewaltige Fortschritte in Baden-Württemberg

Hier habe Baden-Württemberg gewaltige Fortschritte gemacht und zugleich noch einiges vor bei der energetischen Verwendung. Als Beispiel nannte er die häuslichen Bioabfälle, die inzwischen zu 57 Prozent in Energie umgewandelt würden, neun Prozentpunkte mehr als 2019. Der Rest gehe in die Kompostierung.

Wie hat sich das Abfallaufkommen insgesamt verändert?
2020 ist pandemiebedingt ein besonderes Jahr. Homeoffice, Fernunterricht, Essen to-go oder Online-Shopping auf der einen und der Verzicht auf Restaurantbesuche, Ausflüge oder Urlaubsreisen auf der anderen Seite haben die Bilanz stark beeinflusst. Das Haus- und Sperrmüllaufkommen stieg auf gut vier Millionen Tonnen, im Landesdurchschnitt ein Plus von 13,5 Kilogramm pro Kopf auf rund 368 Kilo. Deutlich näher gekommen ist Baden-Württemberg dem vom Umweltministerium im Abfallwirtschaftsplan ausgegebenen Ziel, 60 Kilogramm pro Kopf und Jahr Biomüll zu sammeln. Immerhin waren es im Vorjahr – möglicherweise allerdings auch vor allem durch Corona – 55 Kilogramm. Allerdings landet noch immer zu viel Plastik in der Biotonne, unter anderem, weil die Reste, die verwelkten Blumen oder die verschimmelten Bananenschalen falsch gesammelt werden. Baumann selbst verwendet Zeitungspapier. Weil es im Kampf gegen Ekel aber keine Chance gebe, sagt er, habe das Land ein Projekt gestartet, um herauszufinden, um die als biologisch abbaubar angebotenen Tüten dem Versprechen der Hersteller genügen.

Wiederverwertung von unvermeidbarem Abfall

Warum ist Mülltrennung so wichtig?
Die Landeregierung will erreichen, dass – mit ganz wenigen Ausnahmen – möglichst der unvermeidbare Abfall komplett wiederverwertet wird. Die Fachleute im Ministerium meinen, dass außer Babywindeln, Katzenstreu, Staubsaugerbeutel und mit dem Kehrbesen Zusammengekehrtem überhaupt kein Müll in die Restmülltonne gehört. Mit einer einzigen Bananenschale kann eine LED-Lampe 30 Minuten betrieben werden. Grün-Schwarz macht sich auf Bundesebene für die Einführung einer Wertstofftonne stark, bisher ohne Erfolg. „Wir hoffen auf die neue Bundesregierung“, so Baumann. Gesammelt würden die Kunststoffe und Metalle gemeinsam, weil die leicht zu trennen sind. Im Land gibt es freiwillige Angebote, die allerdings aufgrund schwieriger vertraglicher Konstruktion mit den Entsorgern – privat oder öffentlich-rechtlich – unter Druck sind. Bedauerlich findet es der Staatssekretär, dass die Wertstoffsammlung in Karlsruhe gerade beendet wird.

Energie im Gebäude halten

In welcher Abfallart stecken die größten Potenziale?
Im Koalitionsvertrag von Grünen und CDU hat sich die Landesregierung verpflichtet, dem ressourceneffizienten und recyclinggerechten Bauen einem Schub zu geben. Der Grüne, früher NABU-Landeschef und neuerdings Landtagsabgeordneter für den Wahlkreis Schwetzingen, weiß um Vorbehalte bei Bauherren, etwa bei Verwendung von Recycling-Beton.
Auch deshalb will das Land Vorbild sein und geht bei öffentlichen Gebäuden nach dem Kreislaufwirtschaftsgesetz vor, um „die gewaltigen Mengen“, die beispielsweise beim Abriss von Gebäuden anfallen, sinnvoll weiterzuverwenden. Versucht wird auch, Energie im Gebäude zu halten, also nicht abzureißen, sondern eine Sanierung vorzuziehen. Der Beförderung von Aushub kann durch Niveauanhebungen begegnet werden. „Wir sind Vorreiter im Prozess“, so Baumann, im Übrigen stünden viele Möglichkeiten erst am Anfang.

Wie reagiert die Landesregierung auf die Kritik an steigenden Müllgebühren?
Zuständig sind Kreise und Kommunen. Der Staatssekretär mahnt, die Dimension im Auge zu behalten. Die Gebühren, die ein Vier-Personen-Haushalt aktuell für die Abfallentsorgung zahlen muss, betragen im Landesschnitt 171,64 Euro – fast sechs Euro mehr als 2020. „Im Vergleich zur allgemeinen Preisentwicklung liegen die Abfallgebühren im Land unter dem Niveau der Inflation“, stellt Baumann klar, „das sind zwei Bier, und dafür funktioniert eine wunderbare Müllentsorgung.“

Ihr Autor

BT-Korrespondentin Brigitte J. Henkel-Waidhofer

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Erstellt:
2. August 2021, 19:15 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 55sec

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