Hebammen haben alle Hände voll zu tun

Baden-Baden/Rastatt (naf) – Mitarbeiterinnen des Geburtshauses Rastatt stellen fest, dass die Nachfrage nach ambulanten Geburten in Corona-Zeiten zunimmt.

Während der normalen Untersuchungen müssen die Schwangeren im Geburtshaus von Sabine Klarck (rechts) eine Maske tragen, bei der Entbindung allerdings nicht. Foto: Nadine Fissl/Archiv

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Während der normalen Untersuchungen müssen die Schwangeren im Geburtshaus von Sabine Klarck (rechts) eine Maske tragen, bei der Entbindung allerdings nicht. Foto: Nadine Fissl/Archiv

Sie haben immer einen Tipp parat, helfen kurz vor der Verzweiflung und weichen nicht von der Seite einer Frau, wenn sie die wohl größten Schmerzen ihres Lebens erträgt: Hebammen leisten auch – oder gerade – zu Corona-Zeiten einen wichtigen Job. Niemand sonst weiß so gut, was Schwangere während der Pandemie bedrückt. Ihre Arbeit ist unersetzbar, auf die AHA-Regeln kann dabei nicht immer geachtet werden.

Sabine Klarck hat alle Hände voll zu tun. Fast jeden Tag bekommt sie Anrufe von Frauen, die noch an einem ihrer Kurse teilnehmen wollen. Fast jeden Tag muss sie ihnen absagen. „Wir können mindestens ein Drittel weniger aufnehmen“, sagt die Hebamme, „zeitlich bekommen wir das ansonsten nicht hin.“ Neben dem ganzen Stress betreuen sie und die anderen Hebammen der Praxis die Geburten „irgendwie zwischendrin“, schmunzelt Klarck.

Weiterhin Präsenzkurse im Rastatter Geburtshaus

Ihr Geburtshaus in Rastatt ist ein Ort von wenigen, an dem noch Präsenzkurse angeboten werden, und „die Frauen haben ein großes Interesse daran“, weiß sie. Die Atmosphäre sei sehr viel lockerer, es sei persönlicher und die Teilnehmer hätten einen ganz anderen Austausch miteinander. Wegen der Infektionsgefahr finden die Kurse allerdings nur mit bis zu vier Frauen statt. Ob die Schwangeren dann auch im Geburtshaus entbinden wollen, liegt ganz bei ihnen, erklärt Klarck.

Hohe Nachfrage nach ambulanten Entbindungen

Die Nachfrage nach ambulanten Entbindungen, wie es sie das Geburtshaus anbietet, sei allerdings „wesentlich höher als vor der Pandemie“. Das Interesse an Hausgeburten wachse ebenfalls. „Viele denken, dass die Regeln da nicht gelten“, berichtet die Hebamme. Doch auch im eigenen Heim dürfen nur die werdenden Eltern anwesend sein, und alle müssen Masken tragen. „Auch wir haben unsere Vorgaben“, sagt Klarck. Diese erlauben aber zumindest, dass Schwangere ihre Masken während der Geburt abziehen dürfen.

Getestet werden die Paare vor der Entbindung zwar nicht, sollte aber bekannt sein, dass eine Schwangere Corona-positiv ist und sie Krankheitssymptome aufweist, so muss Klarck sie in die Klinik schicken. Das sei bisher aber noch nicht vorgekommen.

Angst, bei der Geburt alleine zu sein

Wirklich Angst vor einer Infektion mit dem Coronavirus hätten die wenigsten Frauen. Viel mehr Sorgen bereiten laut Klarck die Bestimmungen und die Angst davor, dass die werdenden Väter möglicherweise nicht mehr bei der Entbindung dabei sein dürften.

Das weiß auch Julia Janson. „Die meisten Schwangeren sind relativ entspannt und haben selten Angst vor dem Virus“, erzählt die Vorsitzende des Hebammenkreisverbands Rastatt/Baden-Baden. „Eher davor, bei der Geburt allein zu sein. Im bisherigen Verlauf der Pandemie durften die Männer aber immer mit dabei sein“, gibt sie Entwarnung.

Virtuelles Stillcafè kommt gut an

Die freiberufliche Hebamme bietet ihre Online-Kurse bereits seit dem ersten Lockdown an. „Das funktioniert auch relativ gut“, resümiert Janson. Das Kontakte-Knüpfen komme zwar etwas zu kurz, dafür „müssen die Gruppen nicht so klein sein, und die Männer können dazu kommen“. Selbst das Online-Baby-Stillcafè werde mit bis zu 17 Teilnehmerinnen sehr gut angenommen. „Die Frauen freuen sich, dass überhaupt etwas stattfindet“, das wurde Janson schon oft bestätigt. Die Zoom-Konferenzen seien zwar nur ein schwacher Ersatz, der werde allerdings dankbar angenommen.

Hausbesuche finden weiterhin statt

Ganz kann die Hebamme aber nicht auf Hausbesuche verzichten. „Nach der Geburt, wenn man das Kind wiegen und die Frau untersuchen muss“, seien diese besonders wichtig. „Da muss man einfach Hand anlegen. Danach wird dann eben etwas mehr desinfiziert als sowieso schon.“ Ihre FFP2-Maske zieht sie während dieser Besuche nie ab.

Arbeitgeber sind vorsichtiger

Trotz der ganzen zusätzlichen Schutzmaßnahmen kann Jenson der Situation sogar etwas Gutes abgewinnen. „Dass die Frauen auf den Wochenstationen kaum Besuch empfangen dürfen, wirkt sich sehr positiv aus“, das hat Jenson nun schon einige Male erlebt. „Die Mutter kann sich viel besser auf ihr Kind konzentrieren, mit dem Stillen klappt es besser, und junge Familien haben einfach etwas mehr Zeit für sich.“ Zu viele Besucher würden eine gewisse Unruhe verbreiten.

„Außerdem sind Arbeitgeber vorsichtiger“, erzählt die Hebamme. Schwangere werden schon früher „aus der Schusslinie“ genommen und könnten sich früher auf ihre bevorstehende Aufgabe vorbereiten. Auf die Unterstützung ihrer Hebamme könnten sie bauen.


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