Hebel-Preis an streitbare Erfolgsautorin Sibylle Berg

Baden-Baden/Stuttgart (cl) – Die streitbare Schriftstellerin Sibylle Berg (57) mit Wohnsitz in Zürich erhält den Johann-Peter-Hebel-Preis des Landes Baden-Württemberg. Die Erfolgsautorin sei eine Aufklärerin im besten Sinne und stehe damit in der Tradition Hebels, wie Kunststaatssekretärin Petra Olschowski in Stuttgart mitteilte. Verliehen werden soll die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung wegen der Corona-Pandemie erst im Mai 2021.

Scharfzüngige Analytikerin und beliebter Talkgast: Sibylle Berg erhält den Hebel-Preis des Landes Baden-Württemberg, weil sie mit ihrer Ironie und dem konfrontativen Stil in der Tradition des alemannischen Autors steht.  Foto: Stache/dpa

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Scharfzüngige Analytikerin und beliebter Talkgast: Sibylle Berg erhält den Hebel-Preis des Landes Baden-Württemberg, weil sie mit ihrer Ironie und dem konfrontativen Stil in der Tradition des alemannischen Autors steht. Foto: Stache/dpa

Die deutsche Schriftstellerin Sibylle Berg mit Wohnsitz in Zürich ist eine Erfolgsautorin, eine der meistgelesenen Kolumnistinnen Deutschlands, Romanschreiberin, Dramatikerin und Reporterin. Erbarmungslos direkt und genauso humorvoll ist nicht nur ihre Literatur, auch in Interviews sagt die streitlustige Denkerin ungeschminkt ihre Meinung über Missstände in Politik und Gesellschaft. Provokativ rätselt sie in ihren Essays darüber, „wie Männer es immer wieder schaffen, an die Spitze zu kommen, nur weil sie es wollen“ und verhandelt Sex als „Geschlechtsverkehr“.

Im vergangenen Jahr legte Berg mit ihrem neuen Buch „GRM. Brainfuck“, einer Geschichte über vier junge Verlierer auf den Straßen Londons, einen der interessantesten Romane über ein Post-Brexit-Europa vor.

Jetzt hat ihr das Land Baden-Württemberg den Johann-Peter-Hebel-Preis 2020 zuerkannt – der ihr in Corona-Zeiten erst 2021 persönlich übergeben werden kann. „Mit ihrer seismographischen Wachheit, ihrem schonungslosen Blick, mit ihrer aufrüttelnden Wut und ihrem menschenfreundlichen Humor ist Sibylle Berg eine Johann-Peter-Hebel-Preisträgerin auf der Höhe der Zeit“, fasste die Freiburger Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer bei der Bekanntgabe des Preises die Begründung der Jury zusammen. Die Jury um Schäfer setzt sich zusammen aus Wissenschaftlern, Autoren und Literaturkritikern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.


Preisverleihung wegen Corona erst im Mai 2021


Der Hebel-Preis, einer der wichtigesten Literaturpreise des Landes, ist mit 10 000 Euro dotiert und wird normalerweise alle zwei Jahre im Rahmen des Hebelfests in südbadischen Hausen im Wiesental vergeben. Berg soll ihn wegen der Corona-Pandemie erst im Mai 2021 erhalten, wie das Kunstministerium gestern in Stuttgart mitteilte.

„Wie kaum eine andere zeitgenössische Autorin hat Sibylle Berg eine außergewöhnliche Sensibilität für den gesellschaftlichen Zustand unserer Zeit“, lobte Kunststaatssekretärin Petra Olschowski das Werk der bereits vielfach prämierten 57-jährigen Schriftstellerin. Literatur werde so „zur Erfahrung eines bestimmten Blicks auf die Wirklichkeit unserer Gesellschaft“. Als Aufklärerin im besten Sinne stehe die für ihre Ironie und ihren konfrontativen Stil bekannte Berg damit in der Tradition Hebels.

Ein gutes Dutzend erfolgreicher Romane und ebenso viele Theaterstücke hat die in Weimar geborene Sibylle Berg geschrieben. Seit 1995 lebt sie in Zürich. Bergs erster Roman „Ein paar Leute suchen das Glück und lachen sich tot“ erschien 1997 im Reclam-Verlag Leipzig – und verkaufte sich rasch über hunderttausend Mal. In der Folge veröffentlichte Berg zahlreiche Romane bei verschiedenen Verlagen. So erschienen bei Hanser „Der Mann schläft“ (2009), „Vielen Dank für das Leben“ (2012) und „Der Tag, als meine Frau einen Mann fand“ (2015). Mit „GRM. Brainfuck“ (2019) landete sie ihren bisher größten Bestsellererfolg (Kiepenheuer & Witsch). In diesem Jahr folgte beim selben Verlag das Buch „Nerds retten die Welt“, in dem sie Interviews mit Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen veröffentlichte. Diese Interviews entstanden während den Vorbereitungen für ihr Buch „GRM. Brainfuck“. Bergs Werke sind in 34 Sprachen übersetzt.


Ihre Theaterstücke an großen Bühnen von Zürich bis Wien uraufgeführt


Ihre Theaterstücke wurden an den großen Bühnen im deutschsprachigen Raum, von Zürich bis Wien, uraufgeführt. Die Stücke „Helges Leben“ (2000) und zuletzt „Wonderland Ave.“ (2019) wurden zu den renommierten Mülheimer Theatertagen eingeladen. Auch Co-Regie hat Berg schon geführt: bei der Uraufführung ihres Dramas „Angst“, das sie 2013 am Schauspiel Stuttgart gemeinsam mit dem damaligen Intendanten Hasko Weber inszenierte.

In diesem Jahr ist Sibylle Berg auch der Grand Prix ihrer Wahlheimat Schweiz zuerkannt worden sowie der Bertolt-Brecht-Literaturpreis, 2019 erhielt sie den Nestroy-Preis, den Wiener Theaterpreis.

Traditionell wird der baden-württembergische Literaturpreis am 10. Mai beim Hebelfest in Hausen zum Geburtstag des Theologen und Dichters Johann Peter Hebel (1760-1826) vergeben. Dort wuchs der in Basel geborene Hebel („Alemannische Gedichte“) auf. Ausgezeichnet werden Schriftsteller, Medienschaffende oder auch Wissenschaftler, die der Literatur des alemannischen Sprachraums oder dem Werk Hebels verbunden sind. Zu den Preisträgern zählten zuletzt der vor kurzem gestorbene Christoph Meckel sowie Lukas Bärfuss, Arnold Stadler, Arno Geiger und Elias Canetti.

Homepage von Sibylle Berg


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