Heimatsuche unter Apfelbäumen

Baden-Baden (wyst) – Die zweiteilige Romanverfilmung „Altes Land“ mit Iris Berben erzählt deutsche Geschichte aus dem Blickwinkel von drei Frauengenerationen.

Iris Berben spielt die betagte Vera Eckhoff. Foto: Mathias Bothor/ZDF

© ZDF und Mathias Bothor

Iris Berben spielt die betagte Vera Eckhoff. Foto: Mathias Bothor/ZDF

Wochenlang führte Dörte Hansens Roman „Altes Land“ 2015 die Bestsellerlisten an: Die Familiensaga erzählt die Geschichte der Bundesrepublik aus der Sicht weiblicher Heldinnen und faszinierte schon zigtausend Leser. Das ZDF hat aus dem Epos jetzt einen zweiteiligen Fernsehfilm mit Starbesetzung gemacht – „Altes Land“ (15. und 16. November, 20.15 Uhr) dreht sich um drei Frauengenerationen einer Familie und ihre Suche nach Heimat. Die moderne Botschaft der TV-Saga: 1945 waren zahlreiche Deutsche Flüchtlinge im eigenen Land – und so, wie viele Schutzsuchende heute, hofften sie darauf, die Chance auf ein besseres Leben zu bekommen.

Zweigleisige Story

Regisseurin Sherry Hormann („Wüstenblume“) schrieb das Drehbuch auf Basis der Romanvorlage und erzählt die Story zweigleisig. In der Rahmenhandlung spielt Iris Berben die betagte Vera, die auf einem heruntergekommenen Hof im Alten Land bei Hamburg als Einsiedlerin haust. Die Landwirtin lässt niemanden an sich heran, ihr einziger menschlicher Kontakt ist ihr Nachbar und Jugendfreund Hinni (Peter Kurth).

Als Vera eines Tages einen Brief von ihrer Halbschwester Marlene (Nina Kunzendorf) erhält, werden Erinnerungen an ihr früheres Leben wach – der Film schildert sie in ausführlichen Rückblenden: 1945, als der Zweite Weltkrieg gerade zu Ende geht, strandet Vera gemeinsam mit ihrer Mutter als Kriegsflüchtling auf dem Hof in Norddeutschland, die ostpreußische Adelsfamilie ist vor der Roten Armee geflohen.

Die kleine Vera (Emilia Kowalski, links) erreicht mit ihrer Mutter Hildegard von Kamcke (Birte Schnöink) den zugewiesenen Hof im Alten Land. Foto: Boris Laewen/ZDF

© ZDF und Boris Laewen

Die kleine Vera (Emilia Kowalski, links) erreicht mit ihrer Mutter Hildegard von Kamcke (Birte Schnöink) den zugewiesenen Hof im Alten Land. Foto: Boris Laewen/ZDF

Die Besitzerin des Hofs hasst die vielen Flüchtlinge, die hier stranden – anders ihr vom Krieg traumatisierter Sohn Karl: Er heiratet die Frau aus Ostpreußen und bekommt mit ihr ein weiteres Kind, Marlene. Eines Tages lässt Veras Mutter die Familie im Stich, sie zieht mit Marlene nach Hamburg – Vera und Karl bleiben auf dem Hof zurück. An diesen Flecken Land, der für sie Heimat und Sicherheit bedeutet, klammert sich Vera für den Rest ihrer Tage.

In der Gegenwart ist die idyllische Gegend zwischen alten Apfelbäumen und Pferdekoppeln längst von hippen Großstädtern wie dem Aussteiger Burkhard Weißwerth (Matthias Matschke) bevölkert – Vera hat für die Latte-Macchiato-Fraktion nur Verachtung übrig. Als plötzlich die Stadtpflanze Anne (Svenja Liesau) vor der Tür steht, die Tochter ihrer Halbschwester Marlene, reagiert die alte Dame anfangs schroff und abweisend, erkennt in der jungen Musiklehrerin dann aber eine verwandte Seele.

Dreharbeiten auf dem mehr als 400 Jahre alten Harmshof in Niedersachsen

Leser des Buchs „Altes Land“ von Dörte Hansen müssen sich darauf gefasst machen, dass die zweiteilige Verfilmung sich stark auf einige Figuren und Aspekte der Vorlage fokussiert. Anderes wie etwa die farbige Schilderung des Lebens auf dem Land tritt in den Hintergrund. „Die Verfilmung eines erfolgreichen Romans ist immer schwer“, sagt Hauptdarstellerin Iris Berben.

„Ich hoffe, dass die Zuschauer sehen, dass wir versucht haben, diesem großartigen Buch, das so viele Leser gefunden hat, einen adäquaten Film entgegenzusetzen“, betont die 70-Jährige. Gedreht wurde der Zweiteiler unter anderem auf dem mehr als 400 Jahre alten Harmshof in Niedersachsen, der als eine der am besten erhaltenen alten Hofanlagen im Alten Land gilt.

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Erstellt:
15. November 2020, 10:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 33sec

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