Heimaufsicht prüft derzeit nur nach Beschwerde

Rastatt (mak) – Coronabedingt hat die Heimaufsicht ihre Regelprüfungen seit März ausgesetzt. Die Prüfer kommen derzeit nur bei Beschwerden. Man reagiere zeitnah und unangemeldet.

Seit Mitte Juni gehen vermehrt Beschwerden bei der Heimaufsicht ein, auf die man zeitnah reagiere, unter anderem im Bereich Hygiene und Pflege. Symbolfoto: Angelika Warmuth/dpa

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Seit Mitte Juni gehen vermehrt Beschwerden bei der Heimaufsicht ein, auf die man zeitnah reagiere, unter anderem im Bereich Hygiene und Pflege. Symbolfoto: Angelika Warmuth/dpa

Die Heimaufsicht des Landkreises überprüft regelmäßig 37 Alten- und Pflegeheime sowie Einrichtungen für Menschen mit Behinderung. Seit Mitte März sind die Regelprüfungen jedoch ausgesetzt, laut Anweisung des Sozialministeriums noch bis zum 20. September. Während des coronabedingten Besuchsverbots erreichten die Prüfer so gut wie keine Hinweise von Angehörigen. Der Lockdown erhöhte allerdings den Beratungsbedarf: Innerhalb von sechs Wochen gingen rund 400 Anfragen bei der Heimaufsicht ein.
Bei diesen Anfragen ging es unter anderem um Quarantänemaßnahmen in Pflegeheimen (Untersagung des Zutritts, Besuchsregelung, Schutzmaßnahmen und -ausrüstung) und um freiheitsentziehende Maßnahmen aufgrund der quarantänebedingten Situation, erläutert Kathrin Liebscher von der Heimaufsicht auf BT-Anfrage.

„Überprüfungen vor Ort waren und sind derzeit lediglich aufgrund von Beschwerden unter strengen Schutzvorschriften möglich.“ Im Juli fanden zwei anlassbezogene Heimbegehungen statt.

Der Besuch durch Angehörige oder externe Dritte (Krankengymnasten, Podologen, Ehrenamtliche) sei in der Zeit des Lockdowns weitestgehend untersagt gewesen, sodass das Team der Heimaufsicht kaum Informationen und Beschwerden erhielt. Seit Mitte Juni gehen jedoch vermehrt Beschwerden ein, auf die man zeitnah reagiere und unangemeldet in die Einrichtungen gehe, erläutert Liebscher.

Helferplattform eingerichtet

Vereinzelt gab es „gravierende Beschwerden“ im Bereich Hygiene und bei der Pflege von Bewohnern. So kam es beispielsweise in mehreren Fällen zu Druckstellen, in einem Fall wurde der Katheter viel zu spät gewechselt und es bestand einmal der Verdacht, dass ruhigstellende Medikamente ohne klare ärztliche Verordnung verabreicht wurden, führt Katharina Liebscher weiter aus. Im Zuge einer anderen Beschwerde wurde bemängelt, dass die Mitarbeiter der Einrichtung ohne Mund-Nasen-Schutz pflegten, was sich bei einer Überprüfung auch so bestätigte.

Im Zuge der Corona-Pandemie hat die Heimaufsicht außerdem eine „Helferplattform“ eingerichtet, um Pflegepersonal (vor allem Tagespflege) zur Unterstützung in stationären Pflegeheimen zu gewinnen. Ein weiterer Schwerpunkt lag in der Koordination der Zusammenarbeit von Heimen und Gesundheitsamt, der telefonischen und rechtlichen Beratung von Einrichtungs- und Pflegedienstleistungen sowie Angehörigen zu den Corona-Verordnungen (insbesondere den Besuchs- und Ausgangsregelungen).

„Bei Bewohnern mit demenziellen Erkrankungen ergab sich die Schwierigkeit, dass sich diese nicht an die vom Gesundheitsamt angeordnete Quarantäne halten wollten“, berichtet Liebscher. Auch in solchen Fällen wurden die Pflegeeinrichtungen von der Heimaufsicht unterstützt.

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Erstellt:
18. August 2020, 17:09 Uhr
Lesedauer:
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