Heimspiel des leidenschaftlichen Fußballers

Steinmauern (ema) – Toni Hoffarth hat seinen ersten öffentlichen Auftritt als Bürgermeisterkandidat absolviert. Knapp 60 Zuhörer kamen.

„Es geht immer um Steinmauern“: Toni Hoffarth spricht vor knapp 60 Zuhörern. Foto: Egbert Mauderer

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„Es geht immer um Steinmauern“: Toni Hoffarth spricht vor knapp 60 Zuhörern. Foto: Egbert Mauderer

Als Toni Hoffarth zum Finale ansetzt und an diesem Abend auch dem Letzten klar wird, dass hier ein Steinmauerner für Steinmauern antritt, erntet der Mann am Stehpult seinen ersten Applaus. „Es geht immer um Steinmauern, es geht immer um die Sache“, ruft der 34-Jährige in den Saal des „Buon Gusto“. Um in der Sprache eines seiner Lieblingshobbys zu sprechen: Der „leidenschaftliche Fußballer“ hat Anlauf genommen und einen Treffer versenkt.
Es ist ein Heimspiel des Bürgermeisterkandidaten, knapp 60 Bürger sind gekommen. Hoffarth präsentiert sich strukturiert, kündigt vier Blöcke seines Vortrags an. Und auch wenn die freie Rede (noch) nicht sein Ding ist, weiß er um das Element der Dramaturgie. Klar, dass der seit 2019 amtierende Gemeinderat aus den Reihen der CDU die großen kommunalpolitischen Themen durchmisst: die Notwendigkeit der Umgehungsstraße, der Erhalt der Infrastruktur, die Entwicklung des Goldkanals („für unsere Bürger attraktiv machen, nicht zwingend für Touristen aus Pforzheim“), die Erweiterung des Neubaugebiets und Ausdehnung des Gewerbegebiets, weil die Gewerbesteuer die wichtigste Einnahmequelle sei. Er spannt den Bogen weiter. Bei der KJG sei er jüngst gewesen und könne sich einen Jugendgemeinderat vorstellen. Die Älteren dürfe man natürlich auch nicht vergessen mit einem Seniorenheim. Schließlich die Digitalisierung, deren Defizite in Steinmauern momentan viele schmerzt wegen der schlechten Internetverbindung. Und im Rathaus könne man „Prozesse optimieren“ und besser kommunizieren.

Kandidat will sich in Sachen Verwaltung fortbilden

Bewusst für den Schluss hebt sich Hoffarth zwei Vorschläge auf, die die Freizeit der Menschen beeinflussen könnten: die Reaktivierung des Eisplatzes bei der Turnhalle, eventuell in Verbindung mit einem Weihnachtsmarkt. Und den Bau einer Grillhütte.

Mehrmals betont der Kandidat, dass rund 90 Prozent der kommunalen Themen mit Finanzen zu tun hätten. Dafür sei er als studierter Betriebswirt in Diensten des Rastatter Benz-Werks gerüstet. Dass er nicht aus dem Verwaltungsfach kommt, wolle er durch Weiterbildungen wettmachen, kündigt Hoffarth an. Er wirbt mit seiner Erfahrung aus der freien Wirtschaft, mit seinen 34 Jahren könne er eine Basis für eine „langfristig orientierte Politik“ legen. Ja, der Abschied von Bürgermeister Siegfried Schaaf bedeute einen „harten Schnitt“, aber er wolle auch „frischen Wind“ entfachen.

Warum er sich das als Benzler überhaupt antue, fragt ihn ein Bürger, dieser „Schleudersitz“, auf dem man „viel auf die Ohren“ kriegt? „Eine berechtigte Frage“, erwidert Hoffarth. Er habe einen „sehr guten Job bei Daimler“, aber er sei schon immer bestrebt gewesen, sich in der Gesellschaft zu engagieren. Einem Bürger ist das dann an „Schlagworten“ doch zu viel, er wolle Konkretes hören. Hoffarth weicht aus. Der heutige Abend eigne sich nicht „für fertige Lösungsansätze“, lautet seine Antwort.

Die Umgehungsstraße interessiert einen anderen Bürger. Hoffarth weiß um die ökologische Sensibilität und die drei Trassenvorschläge. Es sei ein „schwieriges Thema“, man müsse dranbleiben. Dass das Mehrgenerationenhaus angeblich seinen Zweck nicht erfüllt, darauf will der Kandidat „nicht rumreiten“. Man müsse es künftig besser machen, sagt er. Zur Kritik am öffentlichen Busverkehr erklärt er, dass die Taktung und die Zahl der Bushaltestellen erhöht werden müssten. Für die Aufwertung der Murgmündung solle man das Gespräch mit den neuen Bürgermeistern von Mothern und Münchhausen suchen, die Anregung für eine Asphaltierung des Murgdamms will er aufgreifen. Beim Hinweis auf die Trennung zwischen Siedlung und altem Ortskern erwidert Hoffarth, dass bereits Konzepte vorliegen.

Nach knapp einer Stunde ist der Fragebedarf gestillt. Das Schweigen durchbricht Hoffarths Ehefrau Nadine, die dazu ermuntert, den vor jedem liegenden Notizblock und Kugelschreiber doch mitzunehmen. Zufriedenes Murmeln an den Tischen.


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