KSC: Verhalten von Heise sorgt für Unverständnis

Karlsruhe (ruf) – Hat KSC-Verteidiger Philip Heise trotz einer Corona-Infektion seine Kinder in die Kita geschickt? Der Fußball-Zweitligist dementiert und stellt sich vor seinen Spieler.

Über das Vorgehen von KSC-Außenverteidiger Philip Heise während seiner Corona-Infektion herrscht Unklarheit. Foto: Frank Molter/dpa

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Über das Vorgehen von KSC-Außenverteidiger Philip Heise während seiner Corona-Infektion herrscht Unklarheit. Foto: Frank Molter/dpa

Ein Anruf bei der Kindertagesstätte „Glückskinder“ in Meerbusch bei Düsseldorf. Am Apparat ist die Leiterin, Sabrina Hess. Die bedauernswerte Frau hat schon einige Anrufe entgegengenommen – und alle wollen das gleiche wissen: Trifft es zu, dass zwei Kinder des KSC-Verteidigers Philip Heise das Coronavirus in die Einrichtung gebracht haben und dass die seither geschlossen ist? „Ich darf und werde mich dazu nicht äußern. Sie wissen ja, der Datenschutz“, antwortet sie darauf. Sie habe aber eine gute Nachricht: „Am Mittwoch öffnen wir zumindest wieder für eine Gruppe, am Freitag dann vollständig.“ Man werde dann allerdings nur noch Kinder mit negativem Testergebnis in die Kita lassen.

Fakt ist, dass in der Kita drei Kinder und zwei Erzieherinnen infiziert waren oder sind, darunter auch die beiden Kinder des KSC-Verteidigers, der zwischen seinem Arbeitsplatz Karlsruhe und dem Wohnort seiner sechsköpfigen Familie am Niederrhein pendelt. Weniger klar scheint, dass es seine Kinder waren, die das Virus eingeschleppt haben. Und zumindest beim KSC wird zudem vehement dementiert, dass Heise seine Kinder in die Einrichtung geschickt habe, obwohl er bereits von seinem eigenen positiven Testergebnis gewusst hatte.

Eimer: „Das ist unverantwortlich“

Genau das hatte allerdings der Vorsitzende des Trägervereins der erst vor einem Jahr eröffneten Einrichtung, Jürgen Eimer, gegenüber der „Rheinischen Post“ behauptet. Heise habe seine Kinder in die Einrichtung gebracht, obwohl sie bereits Symptome wie Schnupfen aufgewiesen hätten und er selbst seit Ende März von der eigenen Infektion gewusst habe. Die 19-köpfige Gruppe, in der auch die Heise-Kinder sind, sei daraufhin vom Gesundheitsamt zum Test aufgefordert worden. „Selbst da kamen von 19 Kindern aus der Gruppe nur neun Kinder zum Test“, ärgert sich Eimer, dessen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter alle mit Mundschutz arbeiten und alle bereits mindestens einmal geimpft worden sind. „Das ist doch wirklich unverantwortlich, und man kann darüber nur den Kopf schütteln.“

Tatsächlich, heißt es beim KSC, wurde Heise am Montag, dem 29. März, positiv auf Corona getestet. Der Zweitwert sei dann allerdings mit einem CT-Wert von über 30 so hoch ausgefallen, dass eine Ansteckung extrem unwahrscheinlich erschienen sei. Zumindest war das die Einschätzung vor Ort, wo man zuvor bereits mehrere „falsch positive“ Testergebnisse zu verzeichnen hatte. Tests also, die positiv angeschlagen, sich aber bei der Nachtestung als „blinder Alarm“ herausgestellt hatten. Auch bei Heise fiel der darauffolgende Test am Dienstag negativ aus, erst ein dritter brachte dann am Mittwoch ein positives Ergebnis. Dass Heise nicht schon am Montag – nach dem ersten Schuss vor den Bug – seine Kinder aus der Kita herausgenommen hat, ist im Nachhinein ein Fehler, den sich der 29-Jährige ankreiden lassen muss. Am Mittwoch, nach dem endgültigen positiven Befund, tat er es dann allerdings – deutlich zu spät, wie nicht nur Jürgen Eimer aus Meerbusch findet.

Debatte über „Corona-Trainingslager“ dürfte Fahrt aufnehmen

Dass Heise zuerst seine Kinder angesteckt und die dann das Virus in der Kita verbreitet hätten, hält man im Badischen allerdings für unmöglich. Es sei wohl eher so gewesen, dass Heises Kinder sich die Infektion in der Einrichtung eingefangen und danach den Vater infiziert hätten. Auch bei anderen Vereinen aus der ersten und zweiten Liga hört man dieser Tage, dass sich ihre Spieler in den vergangenen Wochen häufig über ihre eigenen Kinder angesteckt hätten.

Die Debatte, ob diese Spielzeit zu Ende gespielt werden kann, ohne dass die Spieler für die letzten Wochen mit ihren Teams in Mannschaftsquarantäne („Corona-Trainingslager“) geschickt werden, dürfte nicht zuletzt durch den Fall Heise erneut Fahrt aufnehmen.

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Erstellt:
13. April 2021, 20:00 Uhr
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