Heizölnachfrage bricht drastisch ein

Baden-Baden/Mannheim (tas) – 2020 haben die Deutschen ihre Heizöltanks bis oben gefüllt, das macht sich in diesem Jahr beim Absatz bemerkbar.

Hatten im ersten Halbjahr viel weniger zu tun: Die Heizölhändler rechnen nach dem Sommer aber wieder mit einer steigenden Nachfrage.Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa

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Hatten im ersten Halbjahr viel weniger zu tun: Die Heizölhändler rechnen nach dem Sommer aber wieder mit einer steigenden Nachfrage.Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa

Nach dem kontinuierlichen Anstieg der Heizölpreise in den vergangenen Monaten rechnet der Verband für Energiehandel (VEH) Südwest-Mitte aus Mannheim in der kommenden Zeit eher mit einer Seitwärtsbewegung. Verbraucher sollten dabei aus Sicht von Verbandsgeschäftsführer Hans-Jürgen Funke die Entwicklung genau beobachten.

Wie im Jahr 2019 gebe es auch 2021 wieder Chancen auf Rücksetzer beim Heizölpreis, sagt Funke. Beispielsweise könnte die vierte Corona-Welle die weltweite Rohölnachfrage und damit auch den Endpreis des Heizöls dämpfen. Oder aber die jüngste Aufforderung von US-Präsident Joe Biden an die OPEC-Länder, die Erdölförderung weiter zu steigern, um den aktuellen Preisauftrieb im Konjunkturaufschwung zu bremsen.

Laut dem Internet-Vergleichsportal Easyoil kosteten 100 Liter Heizöl (normal schwefelarm) in Mittelbaden gestern zwischen 67 und 70 Euro – bei einer Abnahmemenge von 3.000 Litern, Anfang April mussten dafür im Schnitt nur um die 60 Euro bezahlt werden.

Der VEH vertritt laut eigenen Angaben rund 400 Brennstoffhändler in fünf Bundesländern: Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz, Thüringen und Saarland. Damit deckt der Verband etwa ein Drittel des deutschen Marktes ab. Viel vom Geschäft der Mitgliedsunternehmen spielt sich im Bereich Heizöl ab. Der Energieträger ist vor allem in Baden-Württemberg mit einem Heizungsanteil von rund 33 Prozent in den Privathaushalten und etwa 917.000 Anlagen beziehungsweise Hessen (knapp 35 Prozent, 492.000 Anlagen) auch heute noch wichtiger als Erdgas. Bundesweit existieren circa 5,4 Millionen Ölheizungen, der Anteil an allen Heizarten liegt bei 25 Prozent.

Tanks bis zur Oberkante gefüllt


Das Geschäft der Mineralölhändler läuft in diesem Jahr deutlich verhaltener – nachdem die Branche in den ersten sechs Monaten 2020 mehr als acht Millionen Tonnen Heizöl verkauft hatten, waren es im gleichen Zeitraum ein Jahr später nur halb so viel. Ursache für den Boom waren im vergangenen Jahr vor allem die drastisch gesunkenen Energiepreise – die Verbraucher füllten ihre Tanks bis zur Oberkante. Dementsprechend brach das Geschäft zum Jahreswechsel ein. Der VEH rechnet zu Beginn der neuen Heizperiode allerdings wieder mit einer steigenden Nachfrage.

Im Rahmen der Diskussionen um die Energiewende in Deutschland plädiert der VEH für einen technologieoffenen Ansatz. „Wir brauchen verschiedene Energiepfade und dürfen nicht nur einen Weg gehen“, sagt Funke. Ansonsten sei die Energiesicherheit in der Republik in Gefahr. Funke sieht in diesem Zusammenhang eine Bevorzugung von elektrischen Heizsystemen, beispielsweise der Wärmepumpe. Dabei hätten flüssige Energieträger auch in Zukunft eine Berechtigung.

„Eine Wärmepumpe stellt an sich kein erneuerbares System dar, vor allem wenn sie mit Strom aus einem Kohlekraftwerk betrieben wird“, sagt Andreas Mahlberg vom Institut für Wärme und Mobilität (IWO) in Hamburg. „Nicht der flüssige Energieträger ist das Problem, sondern ob eine Energie aus fossilen oder regenerativen Quellen stammt.“

Das IWO arbeitet aktuell an Projekten, um den eigentlich fossilen Energieträger Heizöl klimaverträglicher zu machen. Dazu zählen beispielsweise Brennstoffe, die aus Biomasse oder Abfallstoffen gewonnen werden genauso wie die sogenannten E-Fuels. Das sind synthetische Kraftstoffe, die über Strom aus Wasser und Kohlenstoffdioxid (CO2) hergestellt werden. Sie sollen dem Heizöl beigemischt werden und so zu einer Dekarbonisierung des Brennstoffs führen.


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