Helfer für Amphibienschutz gesucht

Rastatt/Kuppenheim (sawe) – Der Naturschutzbund (NABU) sucht freiwillige Helfer für den Amphibienschutz. Der Vorsitzende des Ortsvereins Rastatt, Karl-Ludwig Matt, regt ein Gesamtkonzept zur nachhaltigen Sicherung der Laichgewässer in Favorite an und will eine Jugendgruppe gründen.

Das Plakat am Krebsbach an der L 67 bei Kuppenheim weist auf die Krötenwanderung hin. Im Hintergrund links hinten der grüne Amphibienzaun. Foto: Wenzke

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Das Plakat am Krebsbach an der L 67 bei Kuppenheim weist auf die Krötenwanderung hin. Im Hintergrund links hinten der grüne Amphibienzaun. Foto: Wenzke

Das ist wie Weihnachten und Ostern zugleich“, lässt Karl-Ludwig Matt seiner Begeisterung freien Lauf, nachdem er durch den Matsch zu einer wenig zugänglichen Stelle gestapft ist: In einem Gewässer an der Gemarkungsgrenze zwischen Kuppenheim und Niederbühl nahe des Schlossparks Favorite sind nicht nur Algen auszumachen, die in der Märzsonne schimmern, sondern auch viele glitschige Klumpen, die tags zuvor noch nicht sichtbar waren: Laichballen, aus denen einmal Tausende von Fröschen werden. Da hüpft das Herz des Umweltschützers vor Freude.

Der Vorsitzende des NABU-Ortsvereins Rastatt ist jeden Tag im Schlosspark und beim Krebsbach in Kuppenheim an der L 67 unterwegs. Am dortigen Amphibienschutzzaun sammeln NABU-Mitglieder und weitere freiwillige Helfer jeden Morgen und jeden Abend die Amphibien aus den Eimern ein, die in die Erde eingegraben sind, und bringen sie sicher über die Straße. Bevor dieser Zaun erstmals vor einigen Jahren aufgestellt wurde, gab es hier „viel Kröten- und Fröschematsch“, erinnert sich Matt noch mit Grausen an ein ganz anderes Straßenbild. Bei zehn Autos in der Stunde hätten Amphibien eine Überlebenschance von 20 Prozent, erläutert der Umweltschützer. Und die L 67 ist viel befahren.

Früh und in ungewöhnlich großer Zahl unterwegs

Kröten, Frösche und Molche sind nach NABU-Informationen in diesem Winter früh und in ungewöhnlich großer Zahl unterwegs. Am Rhein und seinen Nebenflüssen haben Spring- und Grasfrösche teils bereits abgelaicht. Das Einsammeln der Amphibien erfolgt von Mitte Januar bis Mai nach einem von Matt erstellten Einsatzplan. Auch die Pfadfinder in Kuppenheim machen am Wochenende mit, freut er sich über dieses Engagement.

Etwa zwölf Mitstreiter sind es zurzeit insgesamt, manche machen sogar mehrmals in der Woche Dienst. Daher werden dringend weitere Helfer gesucht, die die Eimer leeren, aber auch die Amphibien auflesen und über die Straße tragen. Das ist vor allem auf der Strecke zwischen Gernsbach und Nachtigall erforderlich, denn dort sei es aus topografischen Gründen nicht möglich, einen Zaun zu stellen, erläutert Matt.

Lob zollt der NABU-Ortsvereinsvorsitzende der Stadt Kuppenheim, die vor einigen Jahren seiner Bitte folgte und nach Absprache mit dem Forst mehrere Gumpen als Laichgewässer anlegen ließ, wie Bürgermeister Karsten Mußler bestätigt. Sie werden von mehreren Quellen aus der Vorbergzone gespeist, führen daher auch in wärmeren Monaten noch das lebensnotwendige Nass für die Tiere und werden von diesen gut angenommen.

Einblicke in den Naturschutz

Das sieht einige Meter weiter im Schlosspark schon ganz anders aus. Zwar haben die Tiere in den Schlossgewässern eine Zuflucht, doch trocknen diese schnell aus, wenn das Barometer erst einmal steigt, zeigt Matt das Problem auf. Für die Kaulquappen bedeutet dies den sicheren Tod, wenn kein Wasser nachkommt. „Bis Juni brauchen sie das Wasser, dann sind sie durch und haben es geschafft“, sagt Matt. Zwar könnte man das Wasser in den Laichgewässern mit einfachen Mitteln (ein bisschen Erde und Zweige) leicht stauen, um einen Abfluss zu verhindern, sieht der Ortsvereinsvorsitzende eine Möglichkeit zur Verbesserung. Besser als nurmehr punktuelle Maßnahmen wäre es jedoch, wenn die zuständigen Behörden ein Gesamtkonzept mit entsprechenden Maßnahmen zur nachhaltigen Sicherung der Laichgewässer erstellen würden, sieht Matt hier die Notwendigkeit für den Amphibienschutz. „Eine Fachfirma sollte das alles einmal in den Fokus nehmen“, regt er an.

Um den Fortbestand der NABU-Ortsgruppe und deren Arbeit für Natur und Umwelt zu gewährleisten, will der Vorsitzende zudem eine Jugendgruppe ins Leben rufen, wie er in einem Schreiben an die Mitglieder bereits angekündigt hat. Mit den vielen Projekten des NABU – angefangen vom Amphibienschutz über Betreuung eines naturbelassenen Grundstücks bis hin zu Exkursionen –  können Kinder und Jugendliche Einblick in die Naturschutzarbeit erhalten, rührt er schon einmal die Werbetrommel. Unter Betreuung soll das selbstständige Denken und Handeln gefördert werden.

Dafür werden noch Betreuer aus dem NABU-Kreis gesucht, wobei diese nicht ins kalte Wasser geworfen werden, verspricht Karl-Ludwig Matt: „Wir stehen ihnen zur Seite, ebenso gibt es Schulungen vom NABU.“ Wer Interesse an der Arbeit des NABU hat, sich als Helfer im Amphibienschutz betätigen oder Laichgewässer anlegen will, kann sich an Matt wenden unter (01 76) 78 45 64 28, oder E-Mail: Nabu-Karl-LudwigMatt@gmx.de.

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Erstellt:
19. März 2020, 11:00 Uhr
Lesedauer:
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