Herantasten an den Spielbetrieb

Baden-Baden (co) – Die kommende Spielzeit am Stadttheater Baden-Baden wird in vielerlei Hinsicht eine außergewöhnliche Herausforderung. Zwei Soireen haben erste Eindrücke und Erfahrungen gebracht.

•Nadine Kettler und Holger Stolz in einer Szene aus „Die Notlüge“ – mit der Uraufführung der Theaterfassung soll die neue Spielzeit am 26. September eröffnet werden. Foto: Conny Hecker-Stock

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•Nadine Kettler und Holger Stolz in einer Szene aus „Die Notlüge“ – mit der Uraufführung der Theaterfassung soll die neue Spielzeit am 26. September eröffnet werden. Foto: Conny Hecker-Stock

Für die Schauspieler, Regisseure, Dramaturgen und Bühnenbildner ebenso wie für die Besucher. Dass das Publikum jedoch fest gewillt ist, seinem Musentempel in diesen harten Zeiten die Treue zu halten, zeigten die zwei abendlichen Soireen zum Spielzeitmotto „Zusammen/Halt“.
Das Thema wirkt gerade topaktuell und wie ein Gebot der Stunde, es war aber bereits vor Corona geboren. Intendantin Nicola May, die ja bekanntlich ein Sabbatjahr nimmt und die Verantwortung solange in die Hände der bisherigen Chefdramaturgin Kekke Schmidt legt, war nach eigenen Worten nach der langen Schließung des Hauses bei der Veranstaltung am Freitagabend „aufgeregt wie selten“. Sie sei „total froh“, in die vielen erwartungsvollen Gesichter zu blicken, und gleichzeitig traurig über die den Anforderungen geschuldeten leeren Plätze. May freute sich sichtlich über das langsame Herantasten an einen „normalen“ Spielbetrieb und appellierte eindringlich: „Bleiben Sie bei uns und halten Sie das mit uns zusammen aus.“

Nur zwei Ensemblemitglieder live auf der Bühne

Auch Kekke Schmidt verwies auf das Spielzeitmotto und warb damit um Solidarität: „Wir sind auf Ihre Unterstützung angewiesen und derzeit alle im Probenmodus, wie wir das die nächsten Monate hinbekommen“, sagte sie. Wobei der Schrägstrich im Motto „Zusammen/Halt“ auf Bedrohungen von außen hinweise, bis hin zu antidemokratischen Kräften und Spaltungstendenzen in der Bevölkerung.

Nadine Kettler und Holger Stolz waren die einzigen Ensemblemitglieder, die live auf die Bühne durften und einen kleinen Einblick in die österreichische Komödie „Die Notlüge“ präsentierten. Die Uraufführung um den gefährdeten familiären Zusammenhalt soll die Spielzeit am 26. September eröffnen.

Die beiden Auszubildenden für Veranstaltungstechnik, Moritz Salk und Mario Meier, stellten in einem Filmbeitrag unter der Konzeption von Désirée Ly die weiteren Szenen zusammen. Im „Mephisto“ ist der Zusammenhalt der Theaterfamilie trügerisch, denn Sebastian Mirow verrät deren Mitglieder für seine Solokarriere an die Nationalsozialisten. „Jugend ohne Gott“ thematisiert ein Zeltlager der 30er Jahre, bei dem sich die Jugendlichen durch Diebstahl und Mord auseinanderdividieren. Einen narrativen Liederabend verspricht „Stadt Land Oos“, mit dem Michael Uhl den Weg von „Welterben“ fortsetzt, wozu er auch Baden-Badener auf die Bühne holt oder virtuell einblenden wird.

Opern-Aufführung als Koproduktion

„Gespenster“ dreht sich um die Familie und den zehnten Todestag des Gatten, wobei Pastor Michael Laricchia ein schlechtes Gewissen schürt, die Angetraute hätte in Demut ihr Kreuz zu tragen gehabt statt ihren Mann zu verlassen.

Als Koproduktion mit dem Festspielhaus und den Berliner Philharmonikern steht die Opernproduktion „Des Simplicius Simplicissimus Jugend“ Ende März anlässlich der Osterfestspiele auf dem Programm, Oliver Jacobs weckte hierfür Interesse. Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek deckt in witzigen Wortspielen die unschönen Seiten von Globalismus, glitzernder Modewelt und Billigklamotten in „Das Licht im Kasten“ auf.

Ganz in seinem Element dürfte Max Ruhbaum bei dem Freilicht-Lustspiel „Krach in Chiozza“ sein, vorgestellt mit allerhand Silbenverdrehungen.

Zu den Premieren im Spiegelfoyer zählt unter anderem ein Liederabend. Als Weihnachtsmärchen sind die „Bremer Stadtmusikanten“ in einer Fassung von Philipp Löhle geplant, und auch das junge Theater wird Präsenz zeigen, unter anderem mit „Wutschweiger“ und „Die Konferenz der Tiere“. Alles unter Vorbehalt natürlich.

Ihr Autor

Conny Hecker-Stock

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Erstellt:
8. Juni 2020, 07:09 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 34sec

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