Hercynia wird 160 Jahre alt

Baden-Baden (vr) – Hercynia ist einer der ältesten Gesangvereine und wird 160 Jahre alt. Die Jubiläumsfeier soll nachgeholt werden, sobald es wieder möglich ist.

Das letzte große Konzert der Hercynia fand am 11. Mai 2014 im Lichtentaler Löwensaal statt. Foto: GV Hercyni

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Das letzte große Konzert der Hercynia fand am 11. Mai 2014 im Lichtentaler Löwensaal statt. Foto: GV Hercyni

Seit seiner Gründung 1861 ist es dem Gesangverein (GV) Hercynia in Lichtental gelungen, alle schweren politischen und gesellschaftlichen Stürme zu überstehen. Das war unter anderem nur deshalb möglich, weil seine Konzerte weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt und bis heute immer von besonderer Qualität geprägt waren.

Trotz aller Tradition ist der Gesangverein Hercynia mittlerweile ein moderner, gemischter Chor unter der Leitung des Dirigenten Bernd Müller. „Es ist nicht einfach, einen Gesangverein erfolgreich in die Zukunft zu führen, selbst wenn die Vergangenheit noch so ruhmreich ist“, sagt Vorsitzender Joachim Weggler. Die Nachwuchssorgen würden auch vor Hercynia nicht Halt machen. Aktuell 58 Mitglieder, darunter 16 aktive – zehn Frauen und sechs Männer –, seien auf Dauer zu wenig. So gab es vergleichsweise zum 90-jährigen Bestehen noch einen Männerchor mit 86 Sängern, ein Frauenchor mit 46 Sängerinnen wurde gegründet, und 1967 sogar ein eigener Kinder- und Jugendchor.

Vielfalt im „geistlichen Konzert“

Damals konnten noch große Festkonzerte gegeben werden wie 1971 das im Kurhaus mit dem Zyklus „Di Jahreszeiten“ von Haydn unter der Mitwirkung des Symphonie- und Kurorchesters Baden-Baden und namhafter Solisten. Oder 1980 das „Strauß-Konzert“ zusammen mit dem Chor „Aurelia Hohenbaden“ und dem Baden-Badener Orchester im ausverkauften Weinbrennersaal des Kurhauses. Wie Perlen an einer Kette reihten sich die musikalischen Highlights des GV Hercynia aneinander. Im Jubiläumsjahr 1986 war allein der Kinderchor mit 60 Stimmen so umfangreich, dass in zwei Abteilungen geprobt werden musste.

Besonders viel gesungen wurde laut Vereinschronik beim zünftigen Neujahrsschoppen 1957. Er soll von 10 Uhr morgens bis 20 Uhr abends gedauert haben. „So viel gesungen und getrunken wurde in diesem Verein nie zuvor und nie mehr danach“, erzählt Weggler lachend.

Die Vielfältigkeit des GV Hercynia zeigte sich unter anderem auch in dem „geistlichen Konzert“ mit Orgelstücken, das der Chor 1996 zugunsten der Kirchenrenovierung der St. Bonifatiuskirche gab. Auch Konzertreisen wie 1998 nach Menton fanden statt.

Nachwuchs gesucht

Doch die Zeiten änderten sich. Bei der Jahreshauptversammlung im April 2006 fasste man für das Jahreskonzert den spätestmöglichen Termin im November ins Auge, weil einige langjährige aktive Chormitglieder nicht mehr mitsingen wollten und nur zum Teil durch Neuzugänge kompensiert werden konnten. Deshalb musste das Jahreskonzert letztendlich auf Frühjahr 2007 verschoben werden.

Ab 2010 fanden keine größeren Auftritte mehr statt, und 2014 gab es nur noch 74 Mitglieder, davon 18 Aktive. In den Genuss eines der letzten Gesangsauftritte von Hercynia im Juli 2019 kam der Sängerbund 1869 Sandweier anlässlich seines 150-jährigen Bestehens. In diesem Jahr hätte der GV Hercynia sein 160-jähriges Jubiläum gefeiert. Corona hat alle Pläne zunichtegemacht. „Aber wir geben die Hoffnung nicht auf, die Feier nachholen und zeigen zu können, dass es uns noch gibt“, betont Weggler. Und: „Wenn jeder wüsste, wie gesund Singen für Leib und Seele ist, und dass nahezu jeder im Chor singen kann, egal, in welchem Alter, könnten wir uns wahrscheinlich vor neuen Mitgliedern gar nicht retten.“ Außerdem habe ihr engagierter Dirigent Bernd Müller erst vor knapp zwei Jahren seine Ausbildung zum Chorleiter absolviert, und diese soll sich schließlich lohnen.

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Erstellt:
29. März 2021, 14:00 Uhr
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