Herder: Ein Verleger will in den Landtag

Freiburg (kli) – Die Hoffnung der CDU in Freiburg ruht auf einem Promi: Manuel Herder. Der Verleger des gleichnamigen Verlags tritt für die Landtagswahl an. Was motiviert ihn dazu?

Manuel Herder will in den Landtag.   Foto: privat

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Manuel Herder will in den Landtag. Foto: privat

Er hat die Päpste Benedikt XVI. und Franziskus verlegt, hat ein großes Netzwerk an Kontakten, nun zieht es ihn in die Politik. Der Verleger Manuel Herder tritt für die CDU als Kandidat für den Wahlkreis Freiburg-Ost an und möchte in den Landtag. Was bewegt ihn dazu, in die Landespolitik wechseln zu wollen? „Ich will mich für unser Land und für unsere Gesellschaft einsetzen“, sagt er auf seiner Homepage.

Seine Vorfahren gründeten 1801 den renommierten Verlag, er selbst stieg früh ins Unternehmen ein, übernahm im Jahr 2000 die Leitung. Nun sucht er eine neue Herausforderung. Ganz überraschend kommt die Neuorientierung nicht. Politik fand er immer schon spannend. Herder erinnert an seinen Großvater, der in den 70er Jahren im Bundestag saß. Der habe immer gesagt, Politik sei nicht schön, wenn man sich hineintraut, aber es lohne sich, sich für das Land einzusetzen. Manuel Herder will es ihm nun gleichtun – zumindest strebt er in den Stuttgarter Landtag. Und macht seit seiner Nominierung im September ganz neue Erfahrungen. „Wahlkampf ist für mich eine ganz neue Welt. Komplett anders als meine bisherige Welt als Verleger. Die ist inhaltlich geprägt, es geht um Themen, Autoren, Bücher. Eine in sich geschlossene Welt. Jetzt geht es zwar auch um Inhalte, aber es ist anders, die Leute im Wahlkreis haben einen Anspruch an mich, kommen mit Anliegen auf mich zu“, sagt er im BT-Gespräch.

Sein Wahlkreis, der bis in den Hochschwarzwald reicht, war bei der letzten Wahl in grüner Hand. Der Grünen-Kandidat Reinhold Pix gewann den Wahlkreis 2016 mit 39 Prozent, der damalige CDU-Bewerber holte 25,5. Dieses Mal sei es ein offenes Rennen. Vor allem gegen die Grüne Daniela Evers. Pix tritt nun im anderen Freiburger Wahlkreis an. Eine Chance für Newcomer Herder.

Klimaschutz, aber anders als die Grünen

Was will er inhaltlich im Landtag bewegen? Herder setzt auf Klimaschutz, aber anders als die Grünen. „Mein wichtigstes Anliegen: wie wir die Soziale Marktwirtschaft um die ökologische Dimension ergänzen. Darum ringt die CDU schon seit Jahren. Es geht darum, den Verbrauch von Luft und Wasser in Rechnung zu stellen, als Kosten in die wirtschaftliche Wertschöpfung einzupreisen.“ Das Thema bewegt ihn sehr. Herder ist leidenschaftlicher Fahrradfahrer, wenn es geht, fährt er von seinem Heimatort Buchenbach im Dreisamtal in den Verlag nach Freiburg und zurück. „Unser blauer Planet ist ein Sanierungsfall“, erklärt er. „Das Pariser Klimaabkommen ist wichtig, aber es wird nicht reichen, nur auf die Reduktion zukünftiger Emissionen zu setzen.“ Was genau Herder vorschlägt? Er setzt auf Wissenschaft und Forschung. „Wissenschaftler haben mir erklärt, dass es Technologien gibt, CO2 zu binden. Ich möchte ein demokratisches Mandat dafür, dass unsere Top-wissenschaftlichen Einrichtungen im Land das erforschen und prüfen. Da ist mehr möglich als gedacht“, glaubt er. „Die ökologische Dimension der Sozialen Marktwirtschaft ist mein übergeordnetes Thema. Wettbewerb fördert Innovation. Das unterscheidet uns als CDU massiv von den Mitbewerbern, die auf Dirigismus und Beschränkung setzen.“

Dem 54-jährigen Neueinsteiger in die Politik ist auch wichtig, dass Unternehmer ihre Erfahrungen in die Politik einbringen. „Ich finde es wichtig, dass Politik eine Gemeinschaftsaufgabe bleibt. Es sollen sich Leute aus allen Teilen der Bevölkerung zur Verfügung stellen“, wünscht er sich. Früher habe es beispielsweise mehr Professoren in der Politik gegeben. „Heute kommen zu viele Berufsgruppen gar nicht auf die Idee, sich politisch zu engagieren.“

Wenn er in die Landespolitik wechseln sollte, will Herder aber weiter Verleger bleiben. Er hat das operative Geschäft aber bereits abgegeben. „Verleger bleibt man ein Leben lang. Auch nach einem möglichen Wechsel in die Landespolitik. Aber ich habe den Verlag so aufgestellt, dass er in guten, jüngeren Händen liegt.“

„Viele sagen: Das passt zu Dir

Als er sich im Sommer als Bewerber für seinen Wahlkreis meldete, hat er unterschiedliche Reaktionen aus seinem Umfeld erhalten. „Die meisten waren zunächst überrascht. Viele finden es interessant, manche sogar unterhaltsam, dass ich kandidiere. Und viele sagen: Das passt zu Dir.“

Herder geht mit Ehrgeiz in das offene Rennen, er nimmt den Wahlkampf sportlich. Was, wenn es schiefgeht und er nicht gewählt wird? „Dann geht es nicht schief“, antwortet er. „Das ist Demokratie. Sie braucht immer mehr Kandidaten, als es Plätze gibt. Ich mache mir da keinen Kopf. Die Wähler entscheiden, ob ich in die Politik gehe oder nicht.“

Ihr Autor

BT-Redakteur Dieter Klink

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Erstellt:
12. Februar 2021, 08:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 16sec

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