Hermann unterstützt Prämie für Lastenräder

Baden-Baden (vn) – Die Grünen wollen privat genutzte Cargo-Bikes mit Bundesmitteln fördern. Die Rede ist von je 1.000 Euro für eine Million Lastenräder. Das Thema entwickelt sich zum Wahlkampfhit.

Da passt ordentlich was drauf: Lastenräder gibt es auch mit Anhänger. Foto: Martin Schutt/dpa

© Martin Schutt

Da passt ordentlich was drauf: Lastenräder gibt es auch mit Anhänger. Foto: Martin Schutt/dpa

Wahlkampfthemen werden manchmal aus dem Nichts heraus zu Hits. So ist es auch mit einem Vorschlag der Grünen vom Wochenende: Der Bund soll den Kauf privat genutzter Lastenräder mit einer Milliarde Euro fördern. Während die politische Konkurrenz mit Häme reagiert, können Verkehrsexperten der Idee viel abgewinnen. Fahrradhändler wissen ohnehin, dass Kunden die elektrisch betriebenen Kraftpakete zunehmend zu schätzen wissen.
„Für junge Familien können Lastenräder eine Alternative zum Auto sein“, sagt beispielsweise Thomas Fuhr von Zweirad Fuhr in Sinzheim. „In großen Städten kann ihr Einsatz Parkplatzprobleme lösen und den Schadstoffausstoß verringern.“ Die Nachfrage bei Zweirad Fuhr entwickle sich ständig, aber noch auf niedrigem Niveau. Das Angebot beginne ab etwa 3.500 bis 5.500 Euro.

Öffentliche Förderung für Lastenräder gibt es bereits – für Firmen, Vereine, Freiberufler, gemeinnützige Organisationen oder Kommunen. In Baden-Württemberg können bis zu 2.500 Euro pro Rad über die L-Bank bezuschusst werden. Für Privatpersonen gilt das Programm aber nicht, teilt das Verkehrsministerium mit.

„Größerer Klimaschutzhebel“

„Das bringt mehr für den Klimaschutz, denn im Gewerbe kann man Kleintransporter überflüssig machen, zum Beispiel bei der Paketzustellung“, erläutert Bundesumweltministerin Svenja Schulze den von der Regierung gewählten Fokus. „Der Klimaschutzhebel ist dort am größten.“

Eine Million neue Lastenräder mit jeweils 1.000 Euro Zuschuss vom Bund – das will der Bundestagsabgeordnete Sven-Christian Kindler (Grüne). Er wiederholt damit eine Forderung von 2018. Anders als bislang sollten privat genutzte Lastenräder einbezogen werden. „Saubere Mobilität gibt es nicht zum Nulltarif“, argumentiert Kindler. Lastenrädern komme eine wesentliche Bedeutung in der Mobilitätswende zu. Handwerker und Kleinunternehmer könnten Dienstleistungen und Fahrten mit E-Lastenrädern anbieten. Für sie gebe es aber zu wenig Fördermittel. Gleiches gelte für Leihsysteme für E-Lastenräder und für Familien, die sich ein Lastenrad anschaffen wollten.

Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock unterstützt Kindlers Vorstoß und verweist auf die bestehende Förderung von 6.000 Euro für Elektroautos. Da dürfe es keine „absolute Ungleichheit“ geben.

Kritik von CDU, FDP und Linken

CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak kritisiert die Vorschläge Kindlers hingegen als „abstrus und weltfremd“ . Für Menschen im ländlichen Raum, gerade für Handwerker, seien Lastenräder eben nicht die perfekte Lösung. Ähnlich ablehnend äußert sich die Linke. FDP-Vize-Fraktionschef Christian Dürr unterstellt den Grünen, „mit dem Geld der Steuerzahler Klientelpolitik zu betreiben“.

Im vergangenen Jahr sind nach Angaben des Zweirad-Industrie-Verbands rund 103.200 Lastenräder in Deutschland verkauft worden. Im selben Zeitraum wurden insgesamt mehr als fünf Millionen Fahrräder und E-Bikes verkauft.

Nach Angaben des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) haben einige Kommunen Programme für den privaten Bedarf aufgelegt. Für einen Überblick empfiehlt der ADFC das Portal „cargobike.jetzt“. Im Südwesten sind das neben anderen Städten Heidelberg, Karlsruhe, Heidelberg, Lahr und Mannheim. Je nach Wohnort kann die Förderung mehrere Hundert Euro extra bringen.

Ihr Autor

BT-Redakteur Volker Neuwald

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Erstellt:
25. August 2021, 05:00 Uhr
Lesedauer:
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