Herrenstraße: Neue Einbahnregelung umstritten

Rastatt (ema) – Die Stadt will die Herrenstraße zwischen Lyzeum- und Engelstraße umbauen und damit auch Gefahrensituationen entschärfen – eine Entscheidung, die politisch umstritten ist.

Schulbusse vor der Pestalozzi-Schule: Sie dürfen nach dem Umbau der Herrenstraße als einzige auch entgegen der künftigen Einbahnstraßenrichtung fahren. Foto: Frank Vetter

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Schulbusse vor der Pestalozzi-Schule: Sie dürfen nach dem Umbau der Herrenstraße als einzige auch entgegen der künftigen Einbahnstraßenrichtung fahren. Foto: Frank Vetter

Kernpunkt der Neuerung, die der technische Ausschuss des Gemeinderats jetzt nach intensiver Diskussion knapp mit 7:5 Stimmen befürwortet hat: Die Einbahnstraßenregelung der Herrenstraße wird bis zur Engelstraße fortgesetzt. Die Verwaltung hält diese Anordnung für sinnvoll, weil es an der unübersichtlichen Kreuzung Herrenstraße/Lyzeumstraße immer wieder zu brenzligen Situationen kommt. Zum einen sind Radfahrer gefährdet, die die Lyzeumstraße entgegen der Einbahnrichtung nutzen dürfen (prominentes Unfallopfer im vergangenen Jahr war der radelnde OB Hans Jürgen Pütsch).

Zum andern bereiten den Verkehrsexperten die Autofahrer Sorgen, die von Richtung Engelstraße kommen und wegen der unübersichtlichen Lage sich sehr weit in die Lyzeumstraße hineintasten müssen, ehe sie nach links oder rechts abbiegen können. Dies wäre künftig mit der neuen Einbahnstraßenregelung nicht mehr möglich. Einzige Ausnahme: Die Fahrer der Kleinbusse, die die Pestalozzi-Schüler bringen und holen, dürfen entgegen der Einbahnrichtung fahren.

Farradstellplätze vor der Stadtbibliothek

Im Zuge der Bauarbeiten will man außerdem die Kreuzungen behindertengerecht ausbauen, den Gehweg bei der Stadtbibliothek um eine geschützte Fläche am Eingang mit 14 Fahrradstellplätzen ausbauen und die Gehwege in rotem Betonpflaster anlegen.

Man verspreche sich von der verkehrlichen Neuordnung auch eine Entlastung von Herren-, Schiff-, Rappen- und Kaiserstraße, sagte der Fachbereichsleiter Tiefbau und Wasserwirtschaft, Markus Fraß. Die Praxis, dass Autofahrer diese Achsen „missbrauchen“, um die historische Innenstadt zu durchqueren (etwa um einen Parkplatz zu suchen), werde nun deutlich unattraktiver. Und auch die sogenannten Poser, die gerne mit röhrendem Motor in der Schiffstraße unterwegs sind, hofft man nun etwas ausbremsen zu können, hieß es am Ratstisch.

Und es wird in diesem Sinne nicht die letzte Maßnahme sein, um eine Entlastung zu erreichen, deutet die Verwaltung in den Sitzungsunterlagen weitere Überlegungen zur Verkehrslenkung und -beruhigung an. Fraß könnte sich zum Beispiel vorstellen, dass die Herrenstraße zur Fahrradstraße qualifiziert wird. Bereits jetzt hat man bei einer Zählung im Sommer festgestellt, dass auf der Achse 30 Prozent der Verkehrsteilnehmer Radfahrer sind.

Gegner der Maßnahmen argumentierten am Ratstisch, dass sich der Verkehr bei der neuen Einbahnstraßenregelung in die Engelstraße Richtung Krankenhaus verlagere. Umstritten ist auch die Konfliktsituation, wenn sich Linienbusse durch die enge Herrenstraße zwängen. Die Verwaltung will prüfen, inwieweit Längsparkplätze dort geopfert werden, um die Situation zu entzerren.

Der Umbau soll im Laufe des kommenden Jahres umgesetzt werden. Die Kosten werden auf rund 300.000 Euro geschätzt.


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