Herrenwies: Relikt aus Zeit der Flößer

Forbach (mm) – Das Wasser des Schwarzenbachs rauscht durch zwei Öffnungen in einer Sandsteinmauer der Herrenwieser Schwallung. Sie ist ein Relikt aus der Zeit der Flößer.

Zwei Öffnungen hat die Staumauer der Herrenwieser Schwallung. Foto: Markus Mack

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Zwei Öffnungen hat die Staumauer der Herrenwieser Schwallung. Foto: Markus Mack

So ganz wird mancher Wanderer gar nicht realisieren, dass es keine normale Brücke ist, die er gerade überschreitet. Doch ein grünes Schild gibt Auskunft über ein Bauwerk, das an längst vergangene Zeiten erinnert.
Es ist ein idyllisches Fleckchen Schwarzwald zwischen der Schwarzenbach-Talsperre und dem Forbacher Höhenortsteil Herrenwies, wo sich das historische Bauwerk befindet. Und in jenem Areal wird auch der erste Friedwald im Landkreis Rastatt errichtet. Auf einer Fläche von rund 50 Hektar entsteht der Friedwald „Badener Höhe“. Die Gemeinde Forbach wird – gemeinsam mit der Murgschifferschaft als Eigentümerin des Geländes und der Friedwald GmbH als Betreiberin – diese Bestattungsalternativen ermöglichen. Im Juni soll die Eröffnung sein.

Staudamm aus Buntsandstein

Die Schwallung ist ein Staudamm aus Buntsandstein. Erbaut wurde sie von 1844 bis 1847 unter der Leitung des Weisenbacher Steinmetzmeisters Johann Belzer.

Viel Präzision war beim Behauen der erforderlichen Steine erforderlich, diese sind ohne Bindemittel gesetzt. Das Bauwerk ist durch passgenaue Schlusssteine abgeschlossen. Der Steindamm steht auf einer Höhe von rund 700 Metern, ist 67 Meter lang und misst am Mauerfuß rund 20,5 Meter, ist auf dem grünen Schild zu lesen. Bis zu 25.000 Kubikmeter Wasser konnten dahinter aufgestaut werden.

Schwallungen waren wichtige technische Einrichtungen in der Zeit der Flößerei. Die Baumstämme wurden von ihren Fällorten mit Pferden in die davor liegenden „Floßstuben“ transportiert und dort gesammelt.

Letzte Trift
im Jahr 1856

Durch rasches Öffnen der Schleuse schwammen die Stämme auf und wurden mit dem Wasserschwall in Richtung Murg transportiert, „Triften“ nannten dies die Flößer – eine gefährliche Arbeit. Die letzte Trift war 1856. Die Stämme waren als Baustoffe begehrt und wurden bis nach Holland transportiert. Die „Holländertannen“ waren imposante Bäume mit einer Länge von 102 und mehr „Schuh“, das sind mehr als 30 Meter. Die Stärke betrug mindestens 48 Zentimeter am dünnen Ende, wie auf der Infotafel am Bauwerk zu lesen ist.

Murgabwärts, bei Gernsbach und Hörden, wurden sie zu Flößen, den Gestören, gebunden, zum Rhein geflößt, dort zu Großflößen mit 200 bis 400 Metern Länge und 40 bis 60 Metern Breite verbunden und bis nach Holland gebracht. Der „Unterbau“ konnte aus bis zu 1.700 Stämmen, die „Oberlast“ aus bis zu 2.000 Stämmen bestehen. Zur Steuerung waren 400 bis 600 Mann nötig, sie lebten Wochen- und monatelang auf den Flößen, in dort errichteten Unterkünften. Selbst Wäschereien, Bäckereien und Viehställe waren auf den Rheinflößen zu finden (Quelle: Landeskunde Online).

Die Flößerei war in sogenannten Schifferschaften organisiert. Die Murgschifferschaft als Waldgenossenschaft besteht heute noch und hat ihren Sitz in Forbach. Sie ist die älteste noch bestehende deutsche Holzhandelsgesellschaft. Der geschichtliche Ursprung der Vereinigung von Waldbesitzern, Flößern (Schiffern) und Holzhändlern reicht ins 15. Jahrhundert zurück. Als historischer erster Nachweis gilt eine Urkunde über die Floßordnung für die Murg von 1488.

Ihr Autor

BT-Redakteur Markus Mack

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Erstellt:
9. April 2021, 18:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 27sec

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