Herrenwieser wollen bei Mobilfunk mitreden

Forbach (uj) – Die Bewohner von Herrenwies sind sauer. Die Mobilfunkversorgung in dem Ortsteil von Forbach brennt ihnen unter den Nägeln. Sie wollen mitreden. Deshalb wenden sie sich an den Gemeinderat.

Mittels einer Fotomontage wollen die Herrenwieser zeigen, dass der Mast nach ihrer Auffassung nicht an den vorgesehenen Standort passt. Foto: privat

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Mittels einer Fotomontage wollen die Herrenwieser zeigen, dass der Mast nach ihrer Auffassung nicht an den vorgesehenen Standort passt. Foto: privat

Am Montag gab es aus diesem Grund ein Treffen in der kleinen Kirche in Herrenwies. Rund 25 Interessierte waren gekommen, berichtet einer der Initiatoren, Ralf Steinhoff. Der Forbacher Ortsteil zählt nach seinen Angaben rund 60 Einwohner, darunter auch mehrere Kinder. Die Teilnehmer formulierten einen offenen Brief, der jetzt an den Forbacher Gemeinderat geschickt wird. Unter anderem heißt es in dem Schreiben: „Seit vielen Monaten plant die Gemeinde Forbach einen Mobilfunkmast in Herrenwies, befindet sich in fortgeschrittener Planung mit der Telekom und es werden bereits Bauunternehmen angefragt, nur mit den Betroffenen, den Bürgern vor Ort, spricht keiner. Das ist bedauerlich und so nicht hinnehmbar!“

In großer Mehrheit hielten die Herrenwieser eine Mobilfunkversorgung für sinnvoll und würden sich den Möglichkeiten der digitalen Welt nicht verschließen. Sie wüssten, dass nicht nur die Gäste, und zwar aus guten Gründen, mobile Kommunikation brauchten. „Aber eine bedarfsgerechte Planung sieht anders aus“, monieren sie.

„Unser einzigartiges Hochtal ist nicht umsonst vom Nationalpark umschlossen und als Flora-Fauna-Habitat nach EU-Richtlinie ausgewiesen.“ Das Herrenwieser Hochtal sei in seiner Art im Nordschwarzwald einzigartig und vielleicht nicht weniger schön als die Karseen in der Nähe. Zugleich sei es „eine Kulturlandschaft mit historisch wertvollen Magerwiesen und ihren seltenen und geschützten Pflanzen, die wir pflegen und bewahren“. Und so seien dieser Mobilfunkmast von 43 Meter Höhe und sein Standort keine optimale Lösung, auf FFH-Gebiet direkt am Ortsrand, 100 Meter von der Wohnbebauung entfernt, weithin im Tal dominant sichtbar, zehn Meter neben einem von Spaziergängern viel frequentierten Weg Richtung Herrenwieser See, direkt oberhalb einer Quelle und eines der letzten intakten Habitate von Arnika Montana.

Die Schönheit des Orts und der Landschaft in Herrenwies seien etwas Besonderes, und es sei aller Mühen wert, sie zu schützen. Es seien Werte, die auch Gerichte als relevant anerkennen, meinen die Herrenwieser: „Wenn wir es hier nicht schaffen, diese Werte zu bewahren, dann klappt es nirgends!“

Als Anrainern sei ihnen bei der Bürgerfragestunde am 28. Juli in der Gemeinderatssitzung in Forbach auf die Frage, ob bei der Standortauswahl Belange des Naturschutzes und des Landschaftsschutzes berücksichtigt wurden, Folgendes sinngemäß und knapp erklärt worden: „Die Telekom habe diesen Standort angefragt und die Gemeinde war erfreut über die Anfrage und stimmt dem Standort zu. Mehr gäbe es dazu nicht zu sagen.“ Laut Ingo Reinhardt, Mitarbeiter der Telekom, sei „guter Empfang im Radius von einem Kilometer bei Sichtverbindung garantiert“. Alles darüber hinaus werde sich erst zeigen, wenn der Standort in Betrieb ist. Bürgermeisterin Katrin Buhrke hatte in der Sitzung deutlich gemacht, dass der Standort des künftigen Funkmasts vom Anbieter Telekom mit Blick auf eine optimale Netzabdeckung gewählt worden sei. Hier sei wegen der Topografie keine Alternative möglich. Andere Anbieter oder die Nutzung der künftigen Glasfaserleitung seien für die gewünschte Netzabdeckung im Mobilfunk nicht in Betracht gekommen.

Bewohner plädieren für einen besseren Mast-Standort

Mit diesen Aussagen wollen sich die Herrenwieser nicht zufriedengeben. In dem offenen Brief heißt es unter anderem: „Wir fordern den Gemeinderat eindringlich auf, die vorliegende Planung kritisch zu hinterfragen und kurzfristig gemeinsam mit uns, mit dem Nationalpark und mit der Telekom einen besseren Standort und eine optimierte technische Lösung zu finden. Die Frage, wo und wofür wir am Ort Mobilfunkabdeckung brauchen, umfasst deutlich mehr als das Ausbauziel der ,Landesstraßenversorgung (L 83)‘.“ Es gebe unabhängige Spezialisten, die ihnen „bei der funktechnischen Optimierung zur Seite stehen können und die mit den Planern der Telekom auf Augenhöhe reden können“. Eine zielgenaue Bedarfsplanung sei kein Zauberwort, sondern schlichte Notwendigkeit.

Die Zeit dränge, denn der Bauantrag befinde sich bereits in der Bearbeitungsphase. Deshalb bitten die Herrenwieser alle Beteiligten um zeitnahe Rücksprache und Kontaktaufnahme. Sie hoffen, „dass die Gemeinde die Weiterleitung des Bauantrags an das Landratsamt kurzfristig aussetzt, um Raum für den Dialog zu schaffen und dazu einzuladen“.

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Erstellt:
11. August 2020, 20:00 Uhr
Lesedauer:
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