Heuernte wie früher in Reichental

Gernsbach (ueb) – Die Viertklässler der Naturparkschule Hilpertsau sind bei der Heuernte in Reichental im Einsatz. Mitglieder des Obst- und Gartenbauvereins zeigen ihnen, wie das früher ging.

Mit vollem Einsatz bei der Heuernte: Die Viertklässler der Naturparkschule Hilpertsau lernen unter Anleitung des OGV, wie anstrengend diese Arbeit früher war. Foto: Dagmar Uebel

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Mit vollem Einsatz bei der Heuernte: Die Viertklässler der Naturparkschule Hilpertsau lernen unter Anleitung des OGV, wie anstrengend diese Arbeit früher war. Foto: Dagmar Uebel

In jedem Schuljahr bekommen die Hilpertsauer Naturparkschüler durch Naturerfahrungen in besonderer Weise das Einzigartige ihrer heimatlichen Region vermittelt. In Form mehrerer Module will die Schule den Kindern zusammen mit außerschulischen Partnern Wertschätzung der Natur nahebringen. In diesem Schuljahr waren es sieben Module, in denen die Schule ihrem Anspruch an naturverbundenes Lernen gerecht wurde.

Mit Detektoren war die vierte Klasse im September Fledermäusen auf der Spur. Im Oktober machte sie aus selbst geernteten Äpfeln Saft und die Schüler der zweiten Klasse begleiteten Förster durch den herbstlichen Wald. Vor wenigen Tagen waren die Erstklässler bei „Die Wiese lebt“ mit Entdeckerwesten samt Becherlupe, Pinzette und Bestimmungstafeln unterwegs. Aus ausgesuchten Wiesenkräutern machten die Zweitklässler bei „Kräuter der Wiese“ Kräuterbutter und Kräutersalz, die Klasse drei erfuhr beim Besuch eines Imkers, wie wichtig Insekten sind.

Am Mittwoch stand die „Heuernte in Reichental“ auf dem Stundenplan der Klasse vier. Zur Freude der Kinder ein ganz besonderes Unterrichtsfach im Freien, das einem „Zeitsprung rückwärts“ glich. Um das freiwillig und aus eigener Kraft zu tun, was Kinder früherer Generationen schon von Kindesbeinen an können mussten: Gras mähen und Heu wenden.

Arbeit mit dreizinkigen Heugabeln und hölzernen Rechen

Dazu hatten Brigitte Seiser, die frühere Leiterin der Hilpertsauer Schule, und die Referendarin Janina Bender den Vorsitzenden des Reichentaler Obst- und Gartenbauvereins, Udo Janetzki, und Bernhard Wieland, den ehemaligen Bademeister des Reichentaler Schwimmbads, eingeladen. Treffpunkt war am „Freibad im Grünen“, die Betätigungswiese für die Schüler nur wenige Schritte entfernt.

Schon auf dem Weg dahin war einiges an Wissen gefragt – und manches auch vorhanden, als es zum Beispiel darum ging, kleine gelbe, weiße oder lila Blümchen beim Namen zu nennen, zwischen Blutwurz, Thymian, Löwenzahn und Schafgarbe zu unterscheiden.

An einer ehemaligen Heuhütte angelangt, stellte Janetzki alle für die Heuernte erforderlichen Gerätschaften vor. Mit dreizinkigen Heugabeln und hölzernen Rechen begonnen, folgten Tragetücher aus Sackleinen und auch eine Kötze, eine hölzernen Rückentrage zum Heutransport. Auf Udo Janetzkis Frage, was die Mädels und Jungs über Sensen wüssten, streckten sich viele Finger in die Luft. Dabei reichten die Antworten von „ein großes, gebogenes Teil“, über „spitz, glatt, scharf“ bis hin zu durchaus sachkundigen Antworten.

Gebannt verfolgten die Kinder den richtigen Zusammenbau der Sense, deren Blatt zunächst mit Wetzstein und Wasser aus dem nahen Bach geschärft werden musste. Mucksmäuschenstill dabei und fast etwas ehrfürchtig wegen der Größe und Schärfe des Geräts verfolgten die Viertklässler Janetzkis Erklärungen, als es um den richtigen Winkel ging, in dem das gebogene Sensenblatt am Sensenbaum sicher befestigt werden müsse.

Gemeinsames Toben im trockenen Heu

Doch danach gab es für die Mädels und Jungs kein Halten mehr, wollten alle endlich selbst Heu wenden und natürlich an den beiden Sensen ihr Geschick ausprobieren. Und das erwies sich als gar nicht so einfach, erfordert es doch einiges an Kraft, Schwung und richtiger Schräglage beim Führen des Sensenblatts. Nach einigen Minuten „Tandem-Sensen“ piksten nur noch wenige Sensenspitzen in Maulwurfshügel.

Danach folgte ein echter Höhepunkt: Das gemeinsame Toben im trockenen Heu. Bei der Frage, ob sie mit Gleichaltrigen vor vielleicht 100 Jahren tauschen wollten, kam ein eindeutiges „Nein“ bei Ida und von Louis: „Als Spaß ja, auch mal für ein paar Tage, aber über Stunden schlaucht so was. Da leiden Freundschaften, Hobbys und auch die Schule drunter.“ So vernünftig können Viertklässler sein.

Udo Janetzki, Vorsitzender des OGV Reichental, geht mit kräftigem Beispiel voran. Foto: Manfred Vogt

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Udo Janetzki, Vorsitzender des OGV Reichental, geht mit kräftigem Beispiel voran. Foto: Manfred Vogt


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