Hilfe aus Malsch für Flutopfer im Ahrtal

Malsch (yd) – In Dernau im Ahrtal herrscht noch immer Ausnahmezustand: Michael Schwall aus Malsch-Sulzbach hat eine Hilfsaktion für die Flutopfer gestartet und packt regelmäßig vor Ort selbst mit an.

Auch Futter für eine ganze Schafherde haben Michael Schwall (rechts) und seine Helfer mitgebracht. Foto: Michael Schwall

Auch Futter für eine ganze Schafherde haben Michael Schwall (rechts) und seine Helfer mitgebracht. Foto: Michael Schwall

Als Feuerwehrmann ist es Michael Schwall aus Malsch-Sulzbach durchaus gewohnt, dem Grauen ins Gesicht zu blicken. Aber das, was der 45-Jährige im Ahrtal erlebt hat, treibt auch ihm immer wieder die Tränen in die Augen. Seit Anfang August fährt Schwall mit Freunden regelmäßig ins Hochwassergebiet und hilft beim Aufräumen und Wiederaufbau. Vergangene Woche war er zum fünften Mal dort.

In Dernau im Ahrtal herrscht noch immer Ausnahmezustand. Helfer und Arbeitsgerät werden dringend gebraucht. Foto: Michael Schwall

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In Dernau im Ahrtal herrscht noch immer Ausnahmezustand. Helfer und Arbeitsgerät werden dringend gebraucht. Foto: Michael Schwall


Aber auch in der Zwischenzeit, daheim in Sulzbach, sind Schwall und sein Helferteam im Einsatz: Gerätschaften, die für die Arbeiten im Ahrtal wichtig sind, werden organisiert, allesamt finanziert durch Spenden. Als sein Kamerad Dennis Walschburger, der unmittelbar nach der Hochwasserkatastrophe mit der Feuerwehr offiziell im Ahrtal im Einsatz war, berichtete, wie es dort ausschaut, beschloss Schwall, zu helfen. „Die Firma Knirsch aus Karlsruhe, ein Scania-Händler, hat uns spontan einen nagelneuen Lkw zur Verfügung gestellt für zwei Wochen. Ich habe Urlaub genommen und bin hingefahren. Der Wagen lief quasi rund um die Uhr.“ Denn Arbeit gibt es genug in Dernau, einem Ort, direkt an der Ahr gelegen, in dem seit dem Jahrhunderthochwasser in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli nichts mehr so ist wie zuvor. „Von 650 Haushalten dort sind 570 komplett abgesoffen. Anders kann man es einfach nicht sagen“, meint Schwall. Von frühmorgens bis teilweise nachts um 2 Uhr sind er und sein Hilfstrupp vor Ort im Einsatz. Geschlafen wird im Gemeindehaus. Ein Video, das der 45-Jährige gedreht hat, zeigt das ganze Ausmaß der Schäden. Brücken, die nur noch zur Hälfte stehen, Häuser, die zur Hälfte von den Fluten weggerissen wurden, Uferstraßen, die eher an eine Geröllstrecke in den Anden denn an eine idyllische Promenade erinnern. Von den menschlichen Schicksalen ganz zu schweigen: Da ist zum Beispiel die Geschichte von der Mutter, die ihre zwei Kinder in der Flut verlor. Vom Vater, der nur noch kurz das Lieblingskuscheltier des Sohns im Erdgeschoss holen wollte und dabei fast ums Leben kam oder von der Familie, die die 94-jährige Oma mittels Seil einen Hang hinauf hievte, um sie zu retten und dort die ganze Nacht ausharren musste – das Haus, das von den Fluten zerstört wurde, immer im Blick. „Jeder in Dernau hat so eine Geschichte zu erzählen.“ Als er einige davon wiedergibt, hat selbst Michael Schwall, ein Bär von einem Mann, Tränen in den Augen.

„Die Leute sagen mir, was gebraucht wird“.

Inzwischen ist der 45-Jährige in der rheinland-pfälzischen Gemeinde gut vernetzt – und fährt deshalb auch nie mit leeren Händen nach Dernau. „Die Leute sagen mir, was gebraucht wird.“ Die Infrastruktur sei dort noch immer nicht wieder aufgebaut. Die Verpflegung der Menschen erfolgt über Feldküchen, Imbisswagen und Lebensmittelspenden. Der Sulzbacher hat sich jedoch darauf spezialisiert, Werkzeuge und andere Materialien mitzunehmen. Akkuschrauber, Schlagbohrer, Baulampen, Schweißgeräte oder Hochdruckreiniger, die Liste ist lang. „Am besten funktioniert einfach der kurze Dienstweg“, sagt er. Über Facebook gibt er regelmäßig bekannt, was benötigt wird – und wird auch meistens fündig. Selbst, wenn es sich um ungewöhnliche Anfragen, wie etwa Heuballen geht. „Einer der Männer, die wir im Ahrtal kennengelernt haben, hat eine Schafherde – und die Flut hat ihm die Futtervorräte genommen. Innerhalb weniger Tage war genug beisammen. Eins muss ich nämlich sagen: Ich kann nur so gut sein, weil es so viele Menschen gibt, die mir helfen und zur Seite stehen.“ Zu denen gehören auch Steffi Schnepf und ihr Mann Mathias. Das Ehepaar aus Muggensturm hatte von Schwalls Engagement gehört und kurzerhand einen Kuchenverkauf organisiert. An einem Tag kamen so 3.400 Euro zusammen – demnächst soll die Aktion in Bietigheim wiederholt werden. Und auch bei IPEtronic in Baden-Baden, dem Arbeitgeber von Mathias Schnepf, wurde Kuchen verkauft – die Firma verdoppelte die Summe kurzerhand und stellte ihrem Mitarbeiter ein Fahrzeug zur Verfügung, damit er ebenfalls am vergangenen Wochenende ins Ahrtal fahren konnte. Spenden in ganz unterschiedlicher Art kamen aber auch von OBI in Sinzheim, von der Gemeinde Muggensturm, vom Turnverein Muggensturm, der Freiwilligen Feuerwehr oder der Firma Weßbecher Bau.

Spielzeug für kleinen Jungen

Neben Bautüren, Gerüstmaterial und Trockengeräten bringt Schwall aber auch manchmal etwas mit nach Dernau, was den Empfängern ein ganz besonderes Leuchten in die Augen zaubert: Dem fünfjährigen Mats etwa, der sein ganzes Spielzeug verloren hat und dennoch meinte „die Hauptsache ist, es geht uns gut“, hat er neulich einen Traktor und einen Spielzeugbagger geschenkt. Und für den kleinen Jungen, der es dem Wasserwerfer der Polizei nachmachte und die Straßen seines Heimatdorfs mit seinem Trettraktor und einem ziemlich ramponierten Mini-Gülleanhänger vom Schlamm befreien wollte, gab es ein neues Wasserfass auf Rädern. „Jeder von uns macht, was er kann. Gemeinsam schaffen wir das schon“, sagt der Sulzbacher und strahlt viel Zuversicht aus – noch so etwas, was die Menschen an der Ahr momentan gut brauchen können.

Hofflohmarkt und Kuchenverkauf

Familie Schnepf aus Muggensturm, die zu Michael Schwalls Helferkreis gehört, hat sich bereits die nächste Aktion zugunsten der Flutopfer an der Ahr einfallen lassen: Am Freitag, 1. Oktober, soll von 14.30 bis 17.30 Uhr ein Hofflohmarkt in der Muggensturmer Schillerstraße und anderen Teilen des Altdorfs stattfinden. Außerdem veranstalten die Schnepfs und ihre Helfer am Samstag, 9. Oktober, 10 bis 16 Uhr, einen Kuchenverkauf am Bürgerhaus „Alter Farrenstall“ in Bietigheim (Leopoldstraße 2). Die Einnahmen beider Aktionen werden komplett den Flutopfern zur Verfügung gestellt.

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Erstellt:
17. September 2021, 14:00 Uhr
Lesedauer:
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