Hilfe für notleidende Marokkaner

Bühlertal (eh) – Ilse Kohler unterstützt seit 25 Jahren bedürftige Notleidende in Marokko und Nomaden im Atlas-Gebirge. Die Bühlertälerin hat ein stabiles Netzwerk, auch unter schwierigen Bedingungen.

Diese Pistenstraße entstand, als Kohler einen Brunnen in einem Gebirgsdorf bauen ließ. Sie wurde im Winter durch Starkregen beschädigt.  Foto: Ilse Kohler

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Diese Pistenstraße entstand, als Kohler einen Brunnen in einem Gebirgsdorf bauen ließ. Sie wurde im Winter durch Starkregen beschädigt. Foto: Ilse Kohler

In vielem ausgebremst ist derzeit auch Ilse Kohler mit ihrer Marokkohilfe. Doch die große Erfahrung, die sie mit dieser ehrenamtlichen Tätigkeit gesammelt hat, ist der entscheidende Trumpf: Die Bühlertälerin hat in Deutschland wie auch in Marokko ein stabiles, funktionierendes Netzwerk, das es ihr auch unter diesen schwierigen Bedingungen ermöglicht, die Armen zu unterstützen.

„Seit 25 Jahren unterstütze ich bedürftige Notleidende in Marokko und die Nomaden im Atlas-Gebirge“, erzählt Kohler. Dank ihres Netzwerkes ist sie auch immer auf dem aktuellen Stand, was gerade in dem nordafrikanischen Land passiert. Im Januar gab es sehr viel Schnee im Atlas-Gebirge. Über eine Woche hatte es in vielen Gebieten Marokkos stark geregnet. Viele Berberfamilien wurden obdach- und mittellos, da ihre Hütten sowie Tierherden vom Wasser weggerissen wurden. „Die Bilder und Videos tun mir in der Seele weh. Ich habe an etliche Familien Geld verteilen lassen, damit sie das Nötigste kaufen konnten“, so Kohler.

Damit dieses auch bei den Betroffenen ankommt, kann sie auf bewährte Helfer zählen wie Rachid Farina. Er steht Ilse Kohler seit 15 Jahren als Dolmetscher und Helfer vor Ort zur Seite. Daneben steht sie über soziale Netzwerke auch in engem Kontakt zu zwei Bergführern des Atlas-Gebirges, die sie bereits etliche Jahre von ihren Touren kennt. „Ich kann mich wirklich auf diese Leute verlassen“, so ihre Erfahrung. Die Geldempfänger würden ihr Sprachnachrichten senden, mit der sie sich bedanken. Eine Marokkanerin, die in Bühlertal wohne, übersetze ihr diese aus dem Arabischen.

Einfachste und ärmlichste Verhältnisse

Da sie letztes Jahr wegen der Pandemie nicht mit ihren Helfern selbst nach Marokko reisen konnte, verteilte Farina gemeinsam mit den Bergführern die geschickten Hilfsgüter noch vor Wintereinbruch: Über 200 Kilogramm warme Kleidung, Winterschuhe und Socken erreichten so die Nomaden, die auf 3.000 Meter Höhe unter einfachsten und ärmlichsten Verhältnissen wohnen. Die Sendung wurde von Eva Petras und Ruth Schuster gepackt und von einem Spediteur gefahren. „Zum Glück wurden die Fähren kurzfristig geöffnet, sodass alles noch vor Wintereinbruch ankam. Derzeit gibt es, bis auf die Royal Air Maroc, keinerlei Fähr- oder Flugverbindungen nach Marokko. Bis mindestens 15. April sind alle Grenzen dicht“, erzählt Kohler. Sobald die Spediteure wieder fahren dürften, würden die derzeit fertig gepackten Hilfsgüter verschickt und von Rachid Farina verteilt.

Kohler berichtet weiter: „Eine Freundin fragte Anfang November bei mir nach, ob ich von meinem Kleidervorrat etwas für Flüchtlinge abgeben könnte. Ich sagte zu und packte mit Eva Petras und Ruth Schuster 20 Pakete. Diese wurden von einer Organisation in der Nähe von Stuttgart abgeholt und sind bei den Flüchtlingen angekommen.“

Auch finanziell wurden in Marokko einige Familien, die durch Corona derzeit kein Einkommen mehr haben, unterstützt. Kohler weiß: „Alle Hotels sind geschlossen, die Touristen fehlen. Die einfachen Leute haben keinerlei Unterstützung. Das ist krass.“ Zwei Kinder, die in einem Heim leben, brauchten dringend eine Operation. Kohler hat sich an den Kosten beteiligt und Bilder erhalten, dass alles gut geklappt hat.

Durch Starkregen und Schnee wurde im Bergdorf Tadmamt, wo sie vor Jahren den Bau eines Brunnens finanzierte, eine kleine Pistenstraße beschädigt. Diese wurde in Eigenarbeit wieder erneuert. Sie überwies Geld für Material und Maschinen.

Hoffnung auf baldige Reise

„Ein herzliches Dankeschön richte ich an alle, die mich in meiner Arbeit unterstützen und besonders auch für die großzügigen Sach- und Geldspenden. Ohne das wäre es nicht möglich, den Ärmsten zu helfen“, ist Kohler stolz auf die Hilfen. Nun hofft die Bühlertälerin darauf, dass sie vielleicht im Spätherbst mit ihrem Team und Freunden wieder nach Marokko reisen kann. Dort seien die Impfungen, die zum Glück kostenlos seien, sehr viel weiter fortgeschritten als bei uns. Doch derzeit könne noch absolut nichts geplant werden.

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Erstellt:
12. März 2021, 14:00 Uhr
Lesedauer:
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