Hilfe in der letzten Phase des Lebens

Rastatt (vgk) – Eine Ausbildung zur ambulanten Hospizhelferin: Veronika Gareus-Kugel stellt sich der Herausforderung und berichtet in einer Serie fürs BT über das Thema, die Beweggründe und Inhalte.

Veronika Gareus-Kugel stellt sich der Herausforderung und lässt sich für den Einsatz am Bett sterbender Menschen vorbereiten. Symbolfoto: Felix Kästle/dpa

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Veronika Gareus-Kugel stellt sich der Herausforderung und lässt sich für den Einsatz am Bett sterbender Menschen vorbereiten. Symbolfoto: Felix Kästle/dpa

Normalerweise ergreift der moderne Mensch reflexartig die Flucht, wenn es um Sterben und Tod geht. Doch es gilt: Alles was lebt, muss einmal sterben. Doch welche Motivation treibt jene Frauen und Männer an, die sich nach einer Ausbildung zur ambulanten Hospizhelferin oder Hospizhelfer in diesem Themenfeld engagieren? Sterbende Menschen in der letzten Phase ihres Lebens zu begleiten.

Was ist also die Antriebsfeder für mich und meine fünf Mitstreiterinnen, sich in dieses schwierige Thema einzubringen? Das nötige Rüstzeug, für die neue Aufgabe zu erwerben.

Über die Beweggründe meiner „Kolleginnen“, mit denen ich seit Februar – unterbrochen durch die Corona-Pandemie – vom Hospizdienst Rastatt/Hospizgruppe Murgtal-Gernsbach gemeinsam auf den Einsatz am Bett Sterbender vorbereitet werde, darf ich nichts in dieser Serie preisgeben. Alles, was während des Seminargeschehens gesprochen wird, unterliegt der Schweigepflicht. Also kann ich nur von mir selbst berichten.

Als vor vier Jahren mein Ehemann starb, war für mich ein Mitwirken im Hospizdienst noch kein Thema. Zu nah war mir damals der plötzliche und doch nicht ganz so plötzliche Tod meines Mannes, der alles bisher Dagewesene auf den Kopf stellte. Ein Mensch, mit dem man viele Jahre gemeinsam unterwegs war, schöne und chaotische Stunden verbrachte, Katastrophen durchlitt und Glück erleben durfte, war einfach nicht mehr da.

Ich war allein und hätte mir Hilfe gewünscht

Zugeben: In den letzten drei Jahren seines Lebens war mein Mann sehr stark auf meine Hilfe angewiesen. Doch wie viele Frauen oder Männer in meiner Situation, sagte ich mir: „Ich schaffe das!“ Doch dem war nicht so. Vieles blieb während dieser Zeit auf der Strecke, nicht wenige Male das Verständnis für die Situation, in der mein Mann steckte. Nachdem die Gefühlswelt wieder einigermaßen im Lot war, setzte sich in mir ein Gedanke fest: Ich war allein und hätte mir Hilfe gewünscht. Gleichwohl kam es mir nicht in den Sinn, Hospiz-Hilfe anzunehmen. Dann hätte ich mich mit seinem Tod beschäftigen müssen.

Großer Fehler! Dies ist eine Erkenntnis, die sich in den zurückliegenden Monaten und im Rahmen des ersten Seminars, bei mir einstellte. Erst jetzt kann ich vieles besser einordnen.

Bislang will ich nicht für mich vom Finden einer sinnfüllenden Tätigkeit sprechen, auch nicht darüber, wie viel Positives ich für mich aus den später entstehenden Situationen mitnehmen kann, dafür weiß ich noch zu wenig. Zunächst habe ich mich, ebenso wie meinen fünf Mitstreiterinnen, den Herausforderungen der Qualifizierungskurse zu stellen, die einiges an Zeit erfordern.

Vier Blockseminare sind zu absolvieren, hinzu kommt ein vierzigstündiges Praktikum in einer Palliativeinrichtung, in einem Hospiz oder Seniorenheim. Zwischen den Blöcken eingestreut liegen Themenabende, die Titel tragen wie „Grundbegriffe der Pflege“, „Spiritualität am Lebensende“ oder „Besuch beim Bestatter“.

Beschäftigung mit der eigenen Vergänglichkeit

Schon der erste Kursblock, das Orientierungsseminar, hatte es sich in sich. Galten die ersten Kursstunden eher dem gegenseitigen Kennlernen, drehte es sich am nächsten Tag, um die persönlichen Ängste und Bedenken, die gründlich aufgearbeitet wurden. Für mich war diese Kurseinheit hart, denn die Beschäftigung mit der eigenen Vergänglichkeit, der Endlichkeit des Lebens und der Trauer um den verstorbenen Partner kostete Kraft. Die Gemeinschaft fing mich auf und trug mich.

Wer also in diese Richtung gehen möchte, muss sich seiner eigenen Biografie stellen, mit allem ,was dazu gehört. Auch habe ich meine persönlichen Erfahrungen mit Sterben und Tod offenzulegen.

Ich habe zu lernen, wenn ich mich auf Begegnungen und Gespräche mit sterbenden Menschen einlasse, dass auch Schweigen richtig sein kann. Was zwischen zwei Menschen als selbstverständlich betrachtet werden kann, reden und erzählen, gilt in diesem Zusammenhang nicht mehr.

So ist unter anderem die Individualität des Sterbenden uneingeschränkt zu respektieren, ebenso wie die Tatsache, dass wir nur als Begleiter gefragt sind und keinen therapeutischen Auftrag haben. Es wird viel über Krisen, in allen Formen gesprochen, über schmerzhafte seelische Zustände, aber auch über die verschiedenen Arten der Sterbehilfe, durch seelischen und praktischen Beistand. Eine aktive Hilfe zum Sterben ist nicht Teil des Hospizgedankens.

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Erstellt:
14. August 2020, 11:21 Uhr
Lesedauer:
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