Hilfsbereitschaft nach Brand in Greffern

Rheinmünster (ar) – Nach dem Feuer in Greffern haben die betroffenen Hausbewohner alles, was noch brauchbar ist, gesichert. Aktuell laufen Ermittlungen gegen einen der Bewohner.

Ghiasaddin Khadim sucht in seiner in Mitleidenschaft gezogenen Wohnung nach noch verwendbaren Haushaltsgegenständen. Foto: Anne-Rose Gangl

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Ghiasaddin Khadim sucht in seiner in Mitleidenschaft gezogenen Wohnung nach noch verwendbaren Haushaltsgegenständen. Foto: Anne-Rose Gangl

Wenn Menschen in Not sind, rollt eine Welle der Hilfsbereitschaft durch ganz Rheinmünster. Dies durften auch die Bewohner des Wohnhauses in der Mittelstraße im Rheinmünsteraner Ortsteil Greffern erfahren, die nach dem Wohnungsbrand am Abend vor dem dritten Adventssonntag auf der Straße standen.

Der Bewohner der Erdgeschosswohnung und die sechsköpfige Familie aus dem ersten Obergeschoss hatten das Haus bereits verlassen, als die Rettungskräfte an der Brandstelle eintrafen. Schnell war klar, ein junger Mann war noch in der brennenden Dachgeschosswohnung und musste gerettet werden. Der 28-Jährige aus Sri Lanka, der seit einem Jahr in Greffern lebt, wurde mit leichten Verletzungen zur Behandlung in ein Krankenhaus gebracht. Gegen ihn ermittelt nun die Polizei, da er möglicherweise für den Brand verantwortlich sein könnte (siehe hierzu „Zum Thema“).

„Ich kam erst nach dem Brand zurück“

Ein Stockwerk über dem Dachgeschoss, in der Mansardenwohnung, wohnte Ghiasaddin Khadim. Der aus Afghanistan Stammende kam vor fünf Jahren nach Deutschland und lebt seit drei Jahren in Rheinmünster. „Ich war mit einem Freund in Schwarzach und kam erst eine halbe Stunde nach dem Brand zurück nach Greffern“, erzählte Khadim. Vor zwei Jahren hat er die Mansardenwohnung angemietet und sich gemütlich eingerichtet. „Zuerst habe ich gedacht, jetzt muss ich auf der Straße schlafen, aber Gott sei Dank lebe ich in Deutschland, wo alle Menschen helfen“, so der junge Mann, der bei seinen Freunden in Schwarzach vorübergehend untergebracht ist.

„So was passiert im Leben manchmal“, sagte Khadim und fügt sich seinem Schicksal. Er macht gerade den Busführerschein und beginnt Anfang nächsten Jahres seine Arbeit als Busfahrer bei Faller-Reisen. Seine Mansardenwohnung ist nicht mehr bewohnbar, denn das Feuer, das in der Männer-WG im Dachgeschoss ausbrach, hat zu ihm nach oben durchgeschlagen. Vor einigen Tagen erteilten Polizei und Versicherung die Freigabe zum Wohnhaus, sodass Tina Stockmann-Zink, Integrationsbeauftragte der Gemeinde Rheinmünster, gemeinsam mit den Bewohnern die noch verwendbaren Haushaltsgegenstände holen konnten. „Meinen Schnellkochtopf konnte ich retten, aber ohne Herd kann ich mit dem auch nichts anfangen“, sagte Khadim, der nun eine günstige Single-Mietwohnung, am besten in Bühl, sucht und sich dann wieder neu einrichten muss.

Schulbücher noch brauchbar

Auch die sechsköpfige Familie aus Afghanistan aus dem ersten Obergeschoss, die zwischenzeitlich in einer Gemeindewohnung in Söllingen dauerhaft untergebracht werden konnte, fand in ihrer teilweise verrauchten Wohnung noch Brauchbares, unter anderem Schulbücher für den 17-jährigen Sohn, der die Realschule Rheinmünster besucht. Der Bewohner im Erdgeschoss konnte wieder zurück in seine Wohnung, die drei jungen Männer im Dachgeschoss fanden Unterkunft in Greffern und Schwarzach.

Wohnungen müssen leergeräumt werden

„Bis zum 10. Januar müssen die Wohnungen leergeräumt sein, damit der Dachstuhl saniert werden kann“, sagte Tina Stockmann-Zink, die überwältigt war von der Hilfsbereitschaft der Menschen. Schnell habe sich die Nachricht vom Brand über die sozialen Medien verbreitet. „Den ganzen Sonntag über wurden die Bewohner mit Essen versorgt“, erzählte Stockmann-Zink. Auch die Mitschüler der zehnten Klasse der Realschule und deren Eltern boten Hilfe an. „Wenn jetzt noch jemand etwas spenden möchte, dann am besten einen Gutschein zur Einlösung bei einem Lebensmittelmarkt“, so die Integrationsbeauftragte.

Die Schäden, die der Brand verursacht hat, sind von außen nur noch schwer zu erkennen. Das Dach ist seit Freitag mit einer Plane zugedeckt. „Das Dachgeschoss muss entkernt und komplett wieder aufgebaut werden“, sagte der Hauseigentümer. Laut Gutachter werde der Schaden auf rund 300 000 Euro geschätzt.

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Erstellt:
23. Dezember 2020, 14:00 Uhr
Lesedauer:
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