Hilfsstation für Igel und Co: Keine kurzfristige Lösung

Von BT-Redakteurin Sabine Wenzke

Bischweier (sawe) – Wolfgang Huber vom NABU Murgtal hat einen neuen Standort für die „Wildtierpflegestation Mittelbaden“ im Blick. Die Stadt Gaggenau prüft jetzt den Erschließungsaufwand.

Hilfsstation für Igel und Co: Keine kurzfristige Lösung

Umsorgend: Anja Starck mit einem ihrer Schützlinge in der Wildtierpflegestation in Bischweier.Foto: Frank Vetter

„Ich gehe davon aus, dass es klappt“. Wolfgang Huber ist nach Gesprächen mit der Stadt Gaggenau hoffnungsvoll und zuversichtlich, nach langer Suche einen baurechtlich möglichen Standort für die Wildtierstation Mittelbaden gefunden zu haben, die derzeit in Bischweier lediglich geduldet ist. Am liebsten würde er schon innerhalb der nächsten drei Monate umziehen, benennt der Vorsitzende des Vereins „Wildtierpflegestation Mittelbaden“ und der NABU-Ortsgruppe Murgtal sein ehrgeiziges Ziel. Doch es sind noch viele Fragen offen.Ganz so schnell, wie es sich Huber wünscht, dürfte daher der Traum vom neuen Standort nicht in Erfüllung gehen. „Es gibt ein städtisches Grundstück von rund 2.000 Quadratmetern in der Nähe des Kleintierzuchtvereins Bad Rotenfels, über das wir mit dem Verein sprechen. Derzeit wird geprüft, wie aufwendig die Erschließung wäre. Weitere Absprachen gibt es noch nicht“, teilt die städtische Pressestelle in Gaggenau auf Anfrage unserer Zeitung mit.

Das besagte Grundstück in Bad Rotenfels sei zwar nicht erschlossen, Anschlüsse für Gas, Wasser und Strom befänden sich jedoch ganz in der Nähe, erläutert Huber. Tatsächlich wäre für die Station aber eine Änderung des Bebauungsplans nötig, lässt die Stadtverwaltung Gaggenau weiter wissen. „Daraus ergibt sich leider auch, dass es keine kurzfristige Lösung wäre, sondern noch etwas Zeit braucht“, so die Auskunft abschließend.

Wie Huber informiert, liege ein Konzept für den Bedarf des Vereins vor, das auch die Stadt Gaggenau bereits erhalten habe. Das beginnt mit einer zentralen Aufnahmestelle mit Büro, Lagerräumen für Futter und Medikamente sowie Hütten, Volieren und Käfigen. Um flexibel zu bleiben, soll zum größten Teil mit Modulen gearbeitet werden. Zudem soll das Areal eingezäunt werden, um das Betreten der Anlage zu erschweren. Ebenso werde es ein modernes Energiekonzept mit einem Hygieneabfallmanagement geben.

Die Zeit drängt:„Wir haben Tierdruck“

Eine neue Wildtierstation müsse relativ schnell aufgebaut werden, denn „wir haben Tierdruck“, bekennt Huber. Will heißen: In Bischweier, wo die gemeinnützige Einrichtung mit ihren ungenehmigten Bauten noch bis Sommer geduldet ist, ist das Haus fast immer gut belegt. Futter- oder Einstreuspenden werden derzeit dringend benötigt, bittet Anja Starck vom Verein Wildtierpflegestation auf Facebook um Unterstützung: „Die Jungtiersaison beginnt in wenigen Tagen, und wir versuchen auch den Vögeln zu helfen, die im Umkreis aktuell keine Auffangstelle haben“.

Allein im vergangenen Jahr wurden fast 300 verletzte oder hilfsbedürftige Tiere aufgenommen, darunter viele Igel, Siebenschläfer, Marder, Eichhörnchen, Füchse und Rehkitze. „Im Prinzip dürfen wir nicht mehr aufnehmen, wenn wir nicht die geeigneten Käfige haben. Die wiederum dürfen wir nicht bauen, weil wir am alten Standort nicht den Eindruck erwecken wollen, dass wir dableiben würden“, zeigt Huber die Krux auf. Zwar wurde in der Vergangenheit auch in Bischweier nach möglichen Alternativstandorten geschaut, doch es seien keine geeigneten Angebote darunter gewesen, sagt der Vereinschef.

Auch in der neuen Station „werden wir nicht alle Tiere aufnehmen können, sondern nur nach Umfang und Möglichkeiten“, meint Huber mit Blick auf die Kapazitäten und die artgerechte Tierhaltung: „Wir streben aber eine Erstversorgung für alle an“. Daher sollen Kontakte und Zusammenarbeit mit weiteren Facheinrichtungen in Baden-Württemberg und in der Pfalz, „die die Zustimmung der Behörden haben“, intensiviert und nach Übergangslösungen gesucht werden, wo man die Tiere hinbringen kann.

Huber nennt als Beispiel einen verletzten Uhu, den der Verein nach einem Flügelbruch operieren ließ. Das Tier brauche eigentlich einen 40 Meter langen und 20 Meter breiten Trainingskäfig. Derlei gebe es in einer Einrichtung nördlich von Karlsruhe. Mit dieser werde man Kontakt aufnehmen und das Tier im Einvernehmen mit dem Veterinäramt überstellen.

Eine neue Auffangstation für Wildtiere und Wildvögel und deren Unterhaltung kosten Geld. „Ich will alles modern und neu. Wir wollen keine wilde Geschichte machen, sondern eine professionelle Station“, verdeutlicht Wolfgang Huber seinen Anspruch. Er geht davon aus, „dass wir 200.000 bis 300.000 Euro benötigen, das geht nicht mit einem Schwung.“ Da brauche es noch mehr Fördermitglieder.

Verhandlungen wegen Unterstützung

Wenn sich jede Gemeinde im Landkreis Rastatt und im Stadtkreis Baden-Baden mit nur 1.000 Euro im Jahr als Fördermitglied beteiligen würde, dann wäre schon viel gewonnen, denkt er laut nach. Zudem sei man in Verhandlungen mit dem Landratsamt Rastatt wegen einer höheren Unterstützung. „In Gaggenau wird sehr sachlich und vernünftig geredet. Auch mit Sébastien Oser, Leiter des Amts für Baurecht und Naturschutz im Landratsamt, sind die Gespräche inzwischen zielführend und wohlwollend“, bilanziert Wolfgang Huber. Und nicht zuletzt habe man sich auch im Vereinsvorstand zusammengerauft, freut er sich.

„Wir wollen eine Einigung mit den Behörden und mit Gaggenau. Wir wollen gegenseitige Bedürfnisse klarmachen und zu einer sachlichen Lösung kommen, um Tiere dann so versorgen und pflegen zu können, wie sie es brauchen. „Wenn wir das gemeinsam schaffen, haben wir alle etwas davon“, betont Huber.