Historisches Gebäude in Michelbach

Von Elke Rohwer

Gaggenau (er) – Das Michelbacher Hirtenhaus feiert in diesem Jahr sein 300-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass plant der Förderverein am 18. September ein Jubiläumsfest.

Historisches Gebäude in Michelbach

Besteht zumindest zum Teil seit 300 Jahren: Das Hirtenhaus in Michelbach. Foto: Elke Rohwer

Wenn historische Gebäude sprechen könnten, würden sie uns so manche längst vergessene Begebenheit erzählen. Das Jubiläum ist ein schöner Grund, um an die Geschichte des Fachwerkhauses zu erinnern.

Spätestens, wenn man das Hirtenhaus betritt, fällt auf, dass einzelne Gebäudeteile aus unterschiedlichen Epochen stammen. Heute geht man davon aus, dass der östliche Teil um 1721 entstand, der mittlere Teil folgte 1767. Der kleinere Anbau an der Westseite wurde um das Jahr 1920 hinzugefügt. Ursprünglich diente das damals am Ortsrand gelegene Haus dem Sauhirten des Dorfs und seiner Familie als Wohnung. Nach Informationen aus der Dorfchronik „900 Jahre Michelbach“ ist die Beweidung mit Hausschweinen in den Waldgebieten um Michelbach urkundlich seit dem 15. Jahrhundert nachgewiesen. Während Schweine lange Zeit einen großen finanziellen Wert darstellten, war der Sauhirt einer der Ärmsten im Dorf. Neben dem geringen Lohn stellte die Gemeinde ihm eine Wohnung im Hirtenhaus, darüber hinaus erhielt er bei Schlachtungen eine zusätzliche Entlohnung in Naturalien.

Sauhirt treibt Schweine durchs Dorf

In den frühen Morgenstunden zog der Sauhirt einst im Oberdorf los und rief die Anrainer mit Hornsignalen dazu auf, ihre Schweine aus den Ställen zu lassen. Bis zum Jahr 1854 trieb der Sauhirt die Tiere über den Lindenplatz zur Schlossgasse, die so manchem älteren Michelbacher noch als „Saugass“ bekannt sein dürfte. Von dort ging es zu namensprägenden Gewannen wie dem „Sauläger“. Dort ließen sich die Schweine die Eicheln und Bucheckern schmecken. Später war der „Sauhirtswald“ Ziel der Beweidung. Abends zog der Hirte mit seinen Tieren dann wieder zurück ins Dorf. Meistens fanden die Schweine ihren Stall allein. Die zunehmende Stallhaltung und -fütterung besiegelte das Ende der Hirtentätigkeit im Dorf. Zuletzt übte Josef Bittmann von 1930 bis 1934 die Hüteaufgabe aus. Fortan nutzte die Gemeinde das Haus, um armen Familien ein Obdach zu geben.

Gebäude in schlechtem Zustand

Größere Sanierungen wurden bis in die 1990er-Jahre nicht vorgenommen, was zum einen dazu führte, dass das Haus weitgehend original erhalten blieb, zum anderen war das Gebäude in denkbar schlechtem Zustand. Das Efeu suchte sich durch Ritzen und Risse seinen Weg ins Haus, die Dachbalken waren marode, das Dach undicht.

Im November 1993 gründeten Michelbacher Bürger den Förderverein Michelbacher Hirtenhaus, der sich den Erhalt, die Sicherung und die Pflege des Gebäudes als Ziel gesetzt hatte. Im Dezember 1995 kaufte ein Gaggenauer Architekt aus Verbundenheit zum Fachwerkdorf von der Stadt das Anwesen und übertrug es als Schenkung an den Förderverein. Somit sind die weiteren Geschicke des Hauses wieder in Michelbacher Hand.

Nach Erhalt die Konsolidierung

In den ersten zehn Jahren wurden zunächst das Dach und die Außenwände mit dem Fachwerk instandgesetzt, danach folgte die Sanierung der weiteren Gebäudeteile. Nach der Phase des Erhalts folgte die Phase der Konsolidierung. Der Förderverein erstellte ein mit dem Ortschaftsrat abgestimmtes und wirtschaftlich tragfähiges Nutzungskonzept, um das Haus der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Vor dem Hirtenhaus steht seit dem Jahr 2014 ein Sandstein mit einem Sauhirten als Motiv. Kreiert wurde er von dem 86-jährigen Georg „Schorsch“ Wipfler gemeinsam mit seinen beiden Enkeln Samuel und Philipp. Für alle drei ist es ein Hobby. Sie machen es nach eigenen Angaben aus Spaß an der Freude.

Neben traditionellen Veranstaltungen wie dem Sommerfest und dem Adventsmarkt wird das Hirtenhaus für Feiern vermietet. Auch Veranstaltungen der VHS und des Gaggenauer Ferienprogramms fanden dort schon statt. „Langfristig möchten wir im Hirtenhaus noch mehr Veranstaltungen etablieren, die Kunst, Kultur und kulinarischen Genuss miteinander verbinden. Dabei möchten wir verstärkt auch etwas für die jüngere Zielgruppe bieten“, sagt Thomas Will, Vorsitzender des Fördervereins.

Die Vorbereitungen für das Jubiläumsfest am 18. September sind in vollem Gang. Im Außenbereich laufen derzeit letzte Arbeiten an Zaun und Stützmauer, eine Festschrift sowie ein neuer Flyer sind ebenfalls in Arbeit.