Historisches Portal in Grau statt einst Rosé

Baden-Baden (nof) – Repräsentativ soll es schon sein, das Tor zur Schalt- und Machtzentrale der Stadt Baden-Baden. Schließlich befindet sich die Kommune immer noch auf dem Weg zum Weltkulturerbetitel. Weil das Gemäuer stark angegriffen war, wird das Rathaus-Portal seit Februar restauriert. Maler- und Steinmetzarbeiten sind notwendig, um den Eingangsbereich zum Rathausinnenhof wieder aufzufrischen.

Steinmetz Ralf Schira (links) und Maler Markus Kurz restaurieren das Rathaus-Portal. Foto: Fricke

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Steinmetz Ralf Schira (links) und Maler Markus Kurz restaurieren das Rathaus-Portal. Foto: Fricke

Manch Abstimmung mit dem Landesdenkmalamt sei notwendig gewesen, um mit den restauratorischen Arbeiten beginnen zu können, sagt Siegfried Schmiech vom städtischen Gebäudemanagement. Die Portal-Restaurierung bilde dabei den Abschluss der im Herbst 2018 begonnenen Sanierung der Rathausfassade. 35000 Euro kostet die Maßnahme am Tor, mit rund 160000 Euro schlagen die Fassadenarbeiten zu Buche, sagt Schmiech.

„Wir haben erstmal eine Farbanalyse vorgenommen, um zu schauen, was sich darunter verbirgt“, berichtet Maler und Restaurator Markus Kurz von den nötigen Vorarbeiten. „Für den Neuanstrich haben wir uns mit dem Landesdenkmalamt auf einen Grauton geeinigt.“ Ursprünglich sei mal ein Rosé-Farbton verwendet worden, „aber der würde nicht mehr zur heutigen Gestaltung passen“, sagt Kurz. Eine Silicatfarbe sei aufgetragen, das Wappen in der Mitte des Torbogens gereinigt worden. Auch das Gewölbe hat einen neuen Farbaufstrich erhalten.

Steinmetz und Restaurator Ralf Schira hat das im Februar errichtete Gerüst mittlerweile abbauen können, denn im oberen Portal-Bereich sind die Handwerker mit ihren Tätigkeiten bereits fertig. Die Stützen aus Naturstein und die Gewänder wurden grundlegend restauriert. Für Schira stehen aber noch einige „Vierungen“ an. So bezeichne man das Anbringen von Ersatzstücken an Stellen, an denen der Originalsandstein beschädigt ist, erklärt der Bildhauer. Wohl im Juni, so schätzen die Fachleute, sollen die Arbeiten fertig sein und das Portal sich wieder sehen lassen können.

Ein Portal, das früher einmal wesentlich schmaler gewesen ist als heute, wie Stadtpressesprecher Roland Seiter aus der Historie des Rathausgebäudes berichtet. Dieses war einst als Jesuitenkolleg errichtet worden. Gestiftet wurde das Portal um 1723 von dem Kollegmitglied Martin Motsch, der dafür auf seinen Erbteil verzichtet hatte. Vater und Brüder waren Steinhauer und erledigten die Arbeiten. Nach mehreren Umnutzungen fand das Gebäude ab 1862 Verwendung als Rathaus, Ende der 1930er Jahre wurde der Torbogen erweitert. Den Torbogen ziert das so genannte Allianzwappen von Baden-Baden/Sachsen-Lauenburg.

So manche Persönlichkeit sei schon durch das Portal gekommen, merkt Seiter an: Bundeskanzlerin Angela Merkel zum Beispiel und auch der ehemalige US-Präsident Barack Obama. Doch trotz der einst vorgenommenen Verbreiterung des Tores wäre einmal ein Königspaar fast stecken geblieben, wartet der Stadtpressesprecher noch mit einer Anekdote auf. Im September 1992 hatten sich Sultan Azlan Shah nebst Gattin zum Eintrag ins Goldene Buch der Stadt angekündigt. „Der Rote Teppich lag im Innenhof des Rathauses für den Empfang des Monarchenpaars bereit – doch die Staatskarosse war zu lang“, berichtet Seiter. Der Chauffeur habe das zum Glück rechtzeitig erkannt, der Sultan und seine Frau mussten vor dem Rathausportal aussteigen und ein Stückchen zu Fuß gehen.

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Erstellt:
8. Mai 2020, 12:58 Uhr
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