Hochbetrieb in den Poststellen: Pakete stapeln sich

Bühl/Ottersweier/Lichtenau (urs) – Die Zunahme des Online-Handels hat Folgen. Viele Menschen schicken ihre Pakete wieder zurück – das führt zu enorm vielen Retouren bei Annahmestellen im Bühler Raum.

Tagtäglich türmen sich riesige Paketberge in den heimischen Poststellen. Foto: Ursula Klöpfer

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Tagtäglich türmen sich riesige Paketberge in den heimischen Poststellen. Foto: Ursula Klöpfer

Die Corona-Pandemie hat den Paketdienstleistern einen kräftigen Schub beschert und die Zusteller der Pakete an die Belastungsgrenzen gebracht. Die Menschen bestellen derzeit viel mehr im Internet, entweder weil die stationären Geschäfte geschlossen sind oder weil der Gang in die Innenstadt generell vermieden wird.

Doch wer im Internet Kleidung bestellt, nimmt zwangsläufig in Kauf, dass das Kleidungsstück nicht passt oder nicht gefällt. Eine Flut von Rücksendungen ist die Antwort darauf. Betreiber der Bühler Poststellen können davon ein Lied singen. Doris Theurer, Inhaberin des Lotto-Totto-Kiosk und der Hermes- und DHL-Poststelle im Kaufland in der Güterstraße in Bühl und im „Einkaufszentrum Auf der Schanz“ in Lichtenau wird von Retouren geradezu überschwemmt. „So viele Pakete und Rücksendungen hatten wir noch nie“, erklärt sie angesichts der riesigen Stapel, die sich tagtäglich auftürmen.

120 bis 200 Pakete täglich

Der Arbeitsaufwand sei enorm. Habe früher eine Person gereicht, um den Betrieb zu stemmen, stehen derzeit meist zwei hinter dem Tresen. 120 bis 200 Pakete an einem Tag, davon sehr viele Rücksendungen, seien nichts Ungewöhnliches. An manchen Tagen seien sie selbst und ihr Team „fix und fertig“, erklärt die Ladeninhaberin.

Während Theurer von einem Post-Zuwachs von circa 50 Prozent spricht, sind es bei Heinz Meyer „bis zu 70 Prozent – das meiste davon Retouren“. Meyer ist Inhaber eines Maler- und Meisterbetriebsfachhandel in der Bühler Hauptstraße. Dort findet der Heimwerker alles, was er zum Renovieren und Umbauen braucht – auch jetzt im Lockdown. Wieso ist das Geschäft nicht geschlossen? Zu verdanken sei es der DHL-Poststelle, die Meyer im Malergeschäft zusätzlich betreibt. Dass die Rücksendungen so explodiert sind, wundert ihn nicht. „Der Online-Handel boomt.“ In absoluten Zahlen kann die Studie der Universität Bamberg dies eindeutig bestätigen. Denn Hochrechnungen ergaben 315 Millionen Retourenpakete im Zeitraum von März bis August 2020.

„Entwicklung nachhaltig“

Gigantische Mengen also. Das bestätigte Sonja Radojicic, Leiterin Pressestelle der Deutschen Post DHL Group: „Aktuell liegen die Paketmengen nicht zuletzt aufgrund des weiterhin bestehenden Lockdowns auf einem sehr hohen Niveau. Die Zahl der Pakete ist 2020 deutlich auf gut 1,8 Milliarden gestiegen. Retouren werden genauso wie andere Sendungen behandelt und daher nicht separat gezählt.“ Allerdings macht die Pressesprecherin nicht nur den Lockdown für die Paketflut verantwortlich: „Wir glauben, dass die Entwicklung nachhaltig ist. Nach dem ersten Lockdown waren die Infektionszahlen sehr gering, trotzdem war der Onlinehandel gefragter als vor der Pandemie. Einige ältere Menschen haben Online neu für sich entdeckt. Und bestehende Online-Shopper wenden sich neuen Produktsegmenten zu, etwa Waren des täglichen Bedarfs, Hundefutter oder Wein. Immer mehr Händler bieten Ihre Waren jetzt auch online an.“

Tatsache ist jedoch, dass die Retourenberge mit dem Anwachsen des Onlinehandels zunehmen. Patric Klumpp, Pächter der Poststelle in der Aral-Tankstelle in Ottersweier, geht diese Tendenz gehörig gegen den Strich. „Den Umweltaspekt hat man völlig aus den Augen verloren“, erklärt er. Auch sonst kann er über das deutsche Recyclingsystem wenig Gutes berichten: Das System versage nicht nur bei den Retouren, sondern auch beim Plastikmüll. „Hier fließt auch nur ein kleiner Teil in den normalen Kreislauf zurück. Der große Rest wird in Kraftwerken verbrannt oder was noch schlimmer ist, in arme Länder exportiert.“

Einzelhandel sollte wichtig bleiben

Für Doris Theurer kommen die finanziellen Verluste des heimischen Einzelhandels zum Umweltaspekt noch erschwerend hinzu. „Die Post ist zwar eines meiner Standbeine, aber ich wünsche mir trotzdem, dass mehr Menschen den hiesigen Einzelhandel unterstützen“, betont sie. „Immer wieder haben mich die Bühler Geschäftsleute mit ihren kreativen Ideen und neuen Verkaufsstrategien überrascht. So viel Engagement sollte jeder unbedingt unterstützen“, appelliert die Geschäftsfrau und stellt mit Nachdruck fest: „Ein tolles Einkaufserlebnis vor Ort ist nämlich unbezahlbar.“

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Erstellt:
23. Februar 2021, 11:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 55sec

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