Hochprofessioneller Drogenschmuggel bringt Kurier ins Gefängnis

Baden-Baden (fh) – Landgericht Baden-Baden verurteilt Taxifahrer wegen unerlaubter Betäubungsmitteleinfuhr zu fünf Jahren Haft.

Der Angeklagte kündigte unmittelbar nach dem Prozess an, Revision einzulegen. Foto: Uli Deck/dpa

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Der Angeklagte kündigte unmittelbar nach dem Prozess an, Revision einzulegen. Foto: Uli Deck/dpa

Ein 43 Jahre alter Taxifahrer aus Rumänien ist am Mittwoch vor dem Landgericht Baden-Baden wegen unerlaubter Betäubungsmitteleinfuhr von fast 110 Kilogramm Marihuana und Beihilfe zum Handel mit Betäubungsmitteln zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Er sei nur ein kleines Licht am Ende einer Kette gewesen, dennoch habe dem Angeklagten das Risiko bewusst sein müssen, das er einging, so der Richter in der Urteilsbegründung, der daraus einen bedingten Vorsatz ableitete.
Der Mann war am 7. Februar 2021 bei seiner Fahrt von Barcelona über Frankreich nach Leonberg am Grenzübergang Iffezheim kontrolliert worden. In der Rückbank seines Transporters, zugelassen auf eine Frau aus Bulgarien, fanden Zollbeamte die nicht unerhebliche Menge Marihuana von „gehobener Qualität“, wie es hieß, und nahmen den Mann fest.

Kaum Spuren gefunden

Das Versteck befand sich hinter einem Werkzeugregal an der Ladebordwand und ließ sich mit einem Seilzug öffnen. Das Gericht wies am Mittwoch auf die besondere handwerkliche Fertigkeit hin, mit der das Versteck von 1,35 Kubikmetern in den Transporter eingebaut wurde. Darin fanden die Beamten bei ihrer Kontrolle das Marihuana, eingeschweißt und in Müllsäcke verpackt. Fingerabdrücke und andere Spuren wurden fast keine gefunden.

Der Angeklagte betonte während der Verhandlung, er habe von den Drogen nichts gewusst und sei lediglich davon ausgegangen, Zigaretten zu schmuggeln. Dafür als Fahrer angestellt, habe ihn ein Mann namens Marius in seiner rumänischen Heimatstadt. Ausgemacht worden war eine Bezahlung von 1.000 Euro, in Rumänien ein voller Monatslohn. Gemeinsam seien die beiden Männer nach Barcelona gefahren. Laut der Aussage des Angeklagten änderte sein Auftraggeber dort den Plan. Er solle nun alleine, statt wie besprochen zu zweit, und mit einem anderen Wagen nach Deutschland fahren. Dem Angeklagten wurden daraufhin der Transporter, ein Handy sowie ein handgeschriebener Zettel mit der Route übergeben. Dass es ein Versteck im Wagen gab, habe der Fahrer gewusst, jedoch nicht, wo es sich befand, gab er an. Während seiner Fahrt durch Frankreich wurde der Rumäne durch regelmäßige Anrufe und die Übermittlung seines Standorts überwacht, wie die Auswertung des Mobiltelefons ergab.

Hohe Professionalität des Schmugglers

Nach der Festnahme in Iffezheim war die Kontaktperson nicht mehr zu erreichen. Auch am Zielort der Fahrt in Leonberg traf der Kurier in Begleitung der Polizei niemanden mehr an, der die Lieferung in Empfang hätte nehmen können.

Der Staatsanwalt betonte am Mittwoch in seinem Plädoyer die hohe Professionalität, mit der der gesamte Schmuggel organisiert worden war – von der Strohfrau, auf die der Neuwagen zugelassen war, bis zur engen Überwachung des Kuriers. Schlampigkeit bei der Auswahl des Fahrers passe nicht dazu. Daraus und aus den Tatsachen, dass der Angeklagte bei der Kontrolle nicht nervös war, das Versteck in Barcelona nicht kontrolliert hatte und mit für seine Verhältnisse viel Geld entlohnt wurde, schlussfolgerte die Staatsanwaltschaft, dass der 43-Jährige eingeweiht war und plädierte auf eine Haftstrafe von fünf Jahren.

Dem kam der Richter nach. Spätestens bei der Übergabe des Transporters hätte dem Angeklagten klar sein müssen, dass es sich nicht um einen einfachen Zigarettenschmuggel hätte handeln können. Die Strafe sei fair, zumal der Verurteilte nach der Hälfte der Strafe in seine Heimat abgeschoben werden könne. Dieser kündigte an, Revision einzulegen.


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