Hochsprung-Meeting ohne Männer-Konkurrenz

Bühl (moe) – Schlechte Nachrichten für das traditionsreiche Bühler Hochsprung-Meeting: Die 24. Auflage am Freitag, 25. Juni, wird ohne Wettbewerb der Männer ausgetragen.

Eine der Favoritinnen in Bühl: Beim Sieg in Sinn am vergangenen Wochenende lieferte Erika Kinsey eine „tolle Performance“ ab.Foto: Christophe Bott/dpa/Archiv

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Eine der Favoritinnen in Bühl: Beim Sieg in Sinn am vergangenen Wochenende lieferte Erika Kinsey eine „tolle Performance“ ab.Foto: Christophe Bott/dpa/Archiv

Das Schmuddelwetter am Dienstagvormittag im Bühler Jahnstadion konnte Levern Spencer nichts anhaben. Mit ihrem Perlweiß-Lächeln grinste die Hochspringerin die unablässigen Tropfen einfach weg. Regen ist die 37-Jährige ohnehin gewohnt, schließlich schüttet es in ihrer Heimat, der Karibik-Insel St. Lucia, je nach Jahreszeit auch wie aus Kübeln. Der guten Laune förderlich war freilich auch ein Blumenpräsent, das der Sportlerin im Rahmen ihrer Teilnahme an der Pressekonferenz im Vorfeld des Bühler Hochsprung-Meetings, das am Freitag zum 24. Mal über die Bühne geht, zuteil wurde.

Die Veranstalter der Traditionsveranstaltung waren indes weniger vorfreudig. Und das lag keineswegs am Wetter. Nach der coronabedingten Absage des Springens im vergangenen Jahr muss das Meeting erstmals in seiner Geschichte ohne Männer-Konkurrenz auskommen. Zu dieser bitteren Entscheidung sahen sich Cheforganisator Wolfgang Lorenz und Uli Geis am späten Montagabend gezwungen, was den umtriebigen Athletenmanager, ansonsten ein Experte beim Überwinden der Schwerkraftgesetze, einigermaßen fatalistisch an Murphys Gesetz erinnerte: „Alles was schiefgehen kann, geht auch schief“, sagte Geis und bezeichnete die Situation bei der Akquise der Männerspringer als „mehr als bescheiden“. Aus zweierlei Hinsicht. Zum einen erweist sich der Termin für das Springen in Bühl nachträglich insofern als ungünstig, weil in zahlreichen Ländern, aus denen in der Vergangenheit immer wieder Athleten in Bühl am Start waren – Italien, Niederlande, Dänemark, Slowakei, Schweiz –, Landesmeisterschaften ausgetragen werden. Nicht zu vergessen die Balkanspiele.

Meeting-Direktor ist „enttäuscht“

Erschwerend kommt hinzu, dass einige Athleten noch Punkte für die Weltrangliste brauchen, um sich für die Olympischen Spiele zu qualifizieren, die bekanntlich ab dem 23. Juli in Tokio über die Bühne gehen. Die Krux: Die begehrten Punkte werden in Bühl nicht vergeben, sondern lediglich bei Veranstaltungen, die an die Sportler Prämien in einer Größenordnung von mindestens 30.000 Euro ausschütten. Das wiederum sprengt den finanziellen Rahmen der Macher in Bühl um ein Vielfaches. Gerade in Pandemiezeiten. Selbst davor betrugen die Prämien über den Daumen gepeilt etwa die Hälfte der aktuell geforderten Summe.

Das wiederum hat die Konsequenz, dass etliche Topspringer – kurz vor Toreschluss die seit Jahren in Köln trainierenden Bühler Dauergäste Edgar Riveria (Mexiko) und Luis Castro (Puerto Rico) – ihre Teilnahme zurückgezogen haben und stattdessen am Sonntag bei den „Bayer Classics“ in Leverkusen an den Start gehen, wo Weltcup-Punkte vergeben werden. Auch der ehemalige deutsche Überflieger Mateusz Przybylko hebt etwa bei seinem Heimatverein ab.

Meeting-Chef Lorenz war angesichts dieser Entwicklung „schon ein bissel enttäuscht“, zumal er vereinzelten Athleten erst am vergangenen Wochenende noch persönlich Parkausweise und letzte Infos zur Verpflegung in Bühl hat zukommen lassen. Kompagnon Geis wiederum hat bis Montagnacht Athletenmanager angeschrieben, um doch noch ein adäquates Feld auf die Beine stellen zu können. Sein Fazit: „Es ist nichts auf dem Markt.“

Zwölf Frauen auf der Startliste

Deutlich erfreulicher gestaltet sich die Lage im Frauenbereich, dort gehen – Stand gestern – zwölf Springerinnen an den Start. Angeführt wird das Feld von Deutschlands Überfliegerin Marie-Laurence Jungfleisch, die eine Bestleistung von exakt 2,00 Metern in den Büchern stehen und in Bühl dreimal gewonnen hat, zuletzt bei der letzten Veranstaltung im Jahr 2019. Die Bühler Veranstalter erhoffen sich gerade von der für den VfB Stuttgart startenden Athleten hohe Sprünge, da die 30-Jährige die vom Deutschen Leichtathletikverband (DLV) geforderten 1,92 Meter für die Tokio-Nominierung aktuell noch nicht übersprungen hat. „Marie-Laurence muss ran“, sagte Geis.

Levern Spencer, die am vergangenen Wochenende beim Meeting im hessischen Sinn – die ebenfalls in Bühl startende Schwedin Erika Kinsey gewann dort mit übersprungenen 1,92 Metern und einer laut Geis „tollen Performance“ – zusammen mit Jungfleisch auf Rang zwei landete, wird mit großer Wahrscheinlichkeit in Tokio dabei sein, schließlich ist die Bühl-Siegerin von 2012 in der Weltrangliste komfortabel platziert. Um auf Nummer sicher zu gehen, müsste die 37-Jährige die Latte bei 1,96 Meter überqueren, der offiziellen Norm für Tokio, die einen automatischen Start garantiert. „Mein Ziel ist es, über 1,90 Meter zu springen – über 1,96 wäre natürlich noch besser“, betonte Spencer.

An Bühl hat die Frau aus der Karibik sehr gute Erinnerungen: „Es ist ein toller Ort, ich bin hier immer gut gesprungen – wenn die Wetterbedingungen gut waren“, sagte Spencer: „Ich werde zum Wettergott beten“, fügte sie mit einem breiten Grinsen hinzu.

Bis zu 750 Zuschauer zugelassen

An sich steht der Plan für einen erfolgreichen Ablauf des 24. Meetings schon einige Tage. Was die Startzeiten anbelangt, musste Cheforganisator Lorenz allerdings nochmal etwas nachjustieren, was freilich an der Tatsache liegt, dass heuer erstmals keine Männer-Konkurrenz über die Latte segeln wird. Der Beginn verschiebt sich daher um eine Stunde nach hinten: Die Jugendspringer heben um 15 Uhr, die Frauen um 18 Uhr ab. Die Kommunikation dieser Änderung ist insofern wichtig, da sich bereits rund 120 Personen per Mail als Zuschauer registriert haben, als noch von den früheren Startzeiten ausgegangen werden mussten, die obendrein auch schon auf die Plakate gedruckt wurden.

Stichwort Zuschauer: Nach der neuen Corona-Verordnung des Landes dürfen sich am Freitag 750 Personen im Jahnstadion aufhalten. Ursprünglich hatte man beim TV Bühl darüber nachgedacht, vor dem Stadion eine Teststation einzurichten, davon hat man laut Lorenz mittlerweile Abstand genommen, auch weil für das Publikum kein negativer Corona-Test verlangt wird. Sofern man sich nicht im Vorfeld per Mail registriert, muss dies am Eingang zum Stadion erfolgen. Eine generelle Maskenpflicht besteht lediglich in den sanitären Anlagen und selbstredend überall dort, wo der Abstand von 1,50 Metern nicht eingehalten werden kann. Gerade am Ein- sowie dem separaten Ausgang und an den Verpflegungsständen – der Ausschank alkoholischer Getränke ist untersagt – soll auf das Einhalten der Abstandsregeln geachtet werden, wie es im Hygienekonzept der Veranstalter heißt. Zur Erleichterung wird es Abstandsmarkierungen und ausgewiesene Laufwege geben. Besucher können sich vorab per E-Mail anmelden: hochsprungmeeting-buehl@web.de


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